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DSC-Volleyball-Frauen siegen vor einer Minus-Kulisse

Der Dresdner SC zeigt vor 150 Fans gegen den USC Münster eine starke Partie. Der Grundstein dafür wurde mit einer Ansprache in der Kabine gelegt.

Viele Finger führen nach oben: Die DSC-Volleyballerinnen um Camilla Weitzel (hinten/M.) überrollten Münster mit 3:0 und sind jetzt Tabellendritter.
Viele Finger führen nach oben: Die DSC-Volleyballerinnen um Camilla Weitzel (hinten/M.) überrollten Münster mit 3:0 und sind jetzt Tabellendritter. ©  Ronald Bonss

Dresden. Die Corona-Fesseln werden immer enger. Geisterstunde bei den Volleyballerinnen des Dresdner SC. Zumindest mutete das vor dem ersten Heimspiel der neuen Saison so an. Das Gesundheitsamt Dresden hatte für die Samstag-Partie gegen den USC Münster nur 150 Zuschauer für die eigentlich 3.000 Besucher fassende Margon-Arena erlaubt. Ursprünglich waren bis Mitte der Woche noch 980 Besucher möglich gewesen, die Anzahl der Fans wurde aufgrund der steigenden Inzidenzzahl in Dresden entsprechend minimiert. Weniger geht kaum. Von der wirtschaftlichen Darstellbarkeit ganz zu schweigen. 

Allerdings hat sich der Pokalsieger davon überhaupt nicht beeinflussen lassen. Im Gegenteil. Mit einem überaus deutlichen 3:0-Erfolg (25:14, 25:22, 25:16) setzte das Team von Alexander Waibl den Aufwärtstrend der vergangenen Woche fort und ist jetzt Tabellendritter. Die sportliche Gala, die auf Sport 1 live im Fernsehen übertragen wurde, löste in der Halle durchaus beachtliche Stimmung aus. Auch wenn es dafür wenig alltäglicher Szenen bedurfte. So schleppte DSC-Abteilungsboss Jörg Dittrich persönlich eine Trommel in die Halle und schwang mit zwei Kollegen im ansonsten verwaisten Fan-Block die Trommelstöcke.

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Trotz der präsidialen Unterstützung war der Stimmungs-Unterschied im Vergleich zum bislang letzten DSC-Pflichtheimspiel ein gewaltiger. Das hatten am 4. März insgesamt 2.600 Besucher verfolgt. Das Waibl-Team qualifizierte sich damals mit einem 3:1 und einem Erfolg im Golden Set gegen die Griechinnen aus Santorini für das Halbfinale des europäischen Challenge-Cups. Das verhinderte schließlich die Corona-Pandemie. Und das Virus hat die Rahmenbedingungen völlig verändert. „Am Anfang war es etwas komisch, in der Halle war es natürlich leiser, das merkt man“, sagte DSC-Kapitänin Lena Stigrot. „Zwischendrin war es trotzdem schön – und viel besser, als wenn es ganz leer wäre. Wir nehmen, was wir kriegen können“, konstatierte die 25-Jährige.

Das dürfte auch für die zunehmenden Loblieder des Trainers gelten. Der 52-jährige Waibl stand meist zufrieden schmunzelnd am Spielfeldrand, hatte sichtlich Freude am Spiel seiner Mannschaft, die so langsam andeutet, welch überragendes Potenzial in ihr schlummert. Immerhin gestattete sie dem keineswegs schwachen Kontrahenten nur 52 Punkte – und damit drei weniger als der große Meisterschaftskontrahent Schwerin vor zwei Wochen gegen denselben Gegner. „Wir werden auf jeden Fall eine Spitzenmannschaft sein und um die zwei großen nationalen Titel dieser Saison spielen“, sagte Waibl und kündigte an: „Wir sind noch nicht fertig, haben noch einiges vor und noch einiges zu tun. Aber wir haben sehr viel Tiefe in der Mannschaft. Da stehen noch viele begabte Spielerinnen draußen – alle jung, aber alle gut“, sagte er. Bestes Beispiel: Die 19-jährige Emma Cyris wurde im zweiten Satz beim Stand von 24:22 extra für den Aufschlag eingewechselt. Die Angreiferin bedankte sich mit einem Ass. Auch Zuspielerin Sarah Straube, Morgan Hentz und Naya Crittenden durften in der Schlussphase zeigen, was sie drauf haben. „Wir trainieren die dritte Woche in Folge auf einem sehr hohen Level. Jede, die von draußen reinkommt, bringt Energie mit aufs Feld. Wir sind definitiv auf dem richtigen Weg“, betonte Stigrot.

Jörg Dittrich (l.), Volleyball-Boss des Dresdner SC, schlüpfte aufgrund des verwaisten Fanblocks selbst in die Rolle des Stimmungsmachers.
Jörg Dittrich (l.), Volleyball-Boss des Dresdner SC, schlüpfte aufgrund des verwaisten Fanblocks selbst in die Rolle des Stimmungsmachers. ©  Ronald Bonss

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Auch ein psychologischer Kniff von  Waibl ebnete diesen Weg. Er hatte die 20-jährige Mittelblockerin Camilla Weitzel einen Tag vor der Partie für eine Ansprache in der Kabine direkt vor dem dem Duell gegen Münster eingeteilt. „Ich habe sinngemäß gesagt, dass wir gut gearbeitet haben, jeden Tag Fortschritte machen. Und dass es Zeit ist, uns dafür mit dem ersten Heimsieg zu belohnen“, erklärt die Nationalspielerin und gibt weitere Einblicke in ihre etwa dreiminütige Rede: „Es macht super viel Spaß, mit den Mädels zu arbeiten, diese Freude wollten wir aufs Feld bringen.“ Weitzel scheint den richtigen Nerv getroffen zu haben, diese Mentalität war in jeder Phase zu spüren. Trotz Mini-Kulisse. Auch dazu vertritt Weitzel eine dezidierte Meinung. „Einerseits ist das ein trauriger Anblick. Andererseits können wir froh sein, dass wir überhaupt spielen. So lange die Saison weitergeht, ist das okay.“

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