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Wie Papa Rupprich durch die Corona-Krise kommt

Der Eishockey-Profi war plötzlich zu Hause als Lehrer gefragt. Für einen neuen Vertrag bei den Dresdner Eislöwen muss er nun auf Geld verzichten.

Eishockey-Profi Steven Rupprich mit seiner Frau Gina, die das dritte Kind erwartet, sowie Sohn Lauren, der bereits bei den Bambinis der Dresdner Eislöwen spielt, und Tochter Luna.
Eishockey-Profi Steven Rupprich mit seiner Frau Gina, die das dritte Kind erwartet, sowie Sohn Lauren, der bereits bei den Bambinis der Dresdner Eislöwen spielt, und Tochter Luna. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Über Geld spricht man nicht. Daran hält sich auch Steven Rupprich, jedenfalls nennt der Profi von den Dresdner Eislöwen keine Summen, wenn er über die finanziellen Einschnitte für sich und seine Familie durch die Corona-Pandemie spricht. Anfang März war plötzlich Schluss. „Wir bekamen eine Nachricht aufs Handy, dass die Kabine nicht mehr zu betreten und die Saison vorbei ist“, erzählt der 31-Jährige. Dabei sollte sie doch erst richtig losgehen mit den Play-offs in der zweiten Eishockey-Liga. „Man trainiert das ganze Jahr darauf hin, in der Zeit topfit zu sein.“

Doch anstatt um die Meisterschaft zu spielen, waren Rupprich und seine Kollegen plötzlich ohne Job. Im Eishockey werden die Verträge für die Saison geschlossen, sie beginnen mit der Vorbereitung sechs Wochen vor dem ersten Spiel und enden nach der letzten Partie. Die Spieler sind es also gewohnt, sich im Frühjahr arbeitslos zu melden. Diesmal kommt das aber früher als gedacht, noch schwieriger ist die Ungewissheit: Wann geht’s wieder los? Anders als sonst kann das niemand sagen. Der Schwebezustand hält über den Sommer an, der ursprünglich für den 2. Oktober geplante Start wird auf den 6. November verschoben in der Hoffnung, dass dann wieder Zuschauer in die Hallen dürfen.

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Das ist weiter ungewiss und wird wohl regional doch sehr unterschiedlich sein, aber immerhin wurde der Auftakt jetzt bestätigt. Die Eislöwen treten am ersten Spieltag in Kaufbeuren an und empfangen zwei Tage später die Lausitzer Füchse aus Weißwasser gleich zum Sachsenderby. An diesem Montag ist Trainingsstart und Rupprich froh, endlich für ein klares Ziel arbeiten zu können. Während der Kontaktbeschränkungen war er viel laufen, meist an der Elbe. Sohn Lauren (sieben Jahre) und Tochter Luna (vier) begleiteten ihn oft. „Meine alte Hündin kommt leider nicht mehr mit, liegt lieber im Schatten“, erzählt er lachend. Beagel-Dame Leila ist zwölf.

In kleinen Gruppen selbst Eiszeiten gemietet

Die Familie war wie viele vor neue Herausforderungen gestellt, auch seine Frau Gina von jetzt auf gleich zu Hause. Sie arbeitet zweimal in der Woche sowie an Spieltagen im Fanshop der Eislöwen. Nun waren die Eltern ganz anders gefordert. „Wir mussten versuchen, dem Jungen ein bisschen Schule beizubringen“, sagt Rupprich, und er räumt ein: „Ich kann zwar die Aufgaben selber lösen, aber: Wie vermittelt man das? Wir sind beide keine Lehrer.“ Ihm fehlt die Geduld. „Wieso kann er das denn nicht?“ Zudem fällt es schwer, sich zu konzentrieren, wenn die kleine Schwester durchs Zimmer rennt. 

Sie sind froh, dass in Sachsen wieder vieles normal läuft. Nun auch endlich das Training. Zuletzt hatten sich die Profis in kleinen Gruppen selbst Eiszeiten gemietet. Rupprich hat die vergangenen Monate genutzt, an seinen Schulterproblemen zu arbeiten: ein Einriss des Labrums, der wulstigen Knorpellippe, welche die Gelenkpfanne umrahmt. Er muss die Muskulatur kräftigen, damit die Schulter nicht herausspringt. Für die Reha war er krankgeschrieben, wodurch seine Abstriche beim Einkommen geringer waren als bei anderen.

Rupprich ist sich jedoch sicher, dass auch seine Kollegen mit der Situation gut umgehen können. „Wir erleben ja jedes Jahr einen solchen Einschnitt, wenn auch nie so drastisch“, sagt er. „Darauf sind wir eingestellt und wissen, dass wir während der Saison das Geld nicht rausschmeißen dürfen.“ Von dem Gehalt könne man gut leben und etwas zurücklegen, auch wenn es bestenfalls mit dem in der vierten Liga im Fußball zu vergleichen sei.

„Ich kenne keinen, der bei uns in Gucci-Klamotten rumläuft, ein riesiges Auto fährt oder im Urlaub mit der Yacht auf den Malediven rumkurvt.“ Falls die jungen Spieler, die zum ersten Mal ordentliches Geld verdienen, doch ein wenig zu sorglos damit umgehen sollten, nimmt er sie sich schon mal beiseite. „Wenn ich sehe, dass sie jeden Abend essen gehen, anstatt sich zu Hause etwas zu kochen, sage ich ihnen: Legt die Kohle zurück, ihr werdet sie brauchen – spätestens, wenn ihr eine Familie habt.“

"Für beide Seiten akzeptabel"

Rupprich fühlt sich wohl in der „Papa-Rolle“, wie er sagt. Mit seiner Frau erwartet er das dritte Kind, ein Mädchen, im Januar ist Geburtstermin. Sie kennen sich seit der Grundschule, sind in Berlin-Hohenschönhausen aufgewachsen, im Juli 2014 haben sie geheiratet. Wenig später kam er nach Dresden, mittlerweile sind sie hier zu Hause. „Wir wollen auch nach meiner Karriere nicht unbedingt zurück.“ Das sei natürlich abhängig von der Job-Situation. Rupprich kann sich vorstellen, als Trainer im Nachwuchs zu arbeiten, derzeit hilft er bereits als Assistenzcoach bei der U20.

In diesem Jahr wollte er mit der Ausbildung beginnen, aber die Kurse wurden wegen Corona gestrichen. Das kostet vor allem Zeit. „Ich will es so schnell wie möglich nachholen.“ Vorerst aber noch spielen, seinen Vertrag hat Rupprich erneuert und dabei auf Geld verzichtet. Für ihn selbstverständlich. „Wenn man so lange im Verein und so sehr mit ihm verbunden ist, will man auch, dass es ihm gutgeht“, sagt er. 

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Die Eislöwen hatten ihren Weg aus der Corona-Krise präsentiert und unter anderem eine Gehaltsobergrenze festgelegt. Also habe man im gegenseitigen Austausch versucht, eine Summe zu finden, die für beide Seiten akzeptabel ist. Was für ihn bedeutet: „Damit komme ich mit meiner Familie zurecht.“ So viel lässt sich über Geld dann doch sagen.

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