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Eishockey: Keine Medaille für Deutschland

Die Nationalmannschaft verliert das Spiel um Bronze gegen die USA mit 1:6, und Kanada gewinnt das Endspiel gegen Finnland mit 3:2 nach Verlängerung.

Deutschlands Kapitän Moritz Müller (Mitte) kommen bei der Umarmung mit Torhüter Felix Brückmann (links) und Abwehrspieler Marco Nowak die Tränen.
Deutschlands Kapitän Moritz Müller (Mitte) kommen bei der Umarmung mit Torhüter Felix Brückmann (links) und Abwehrspieler Marco Nowak die Tränen. © dpa

Von Thomas Lipinski

Riga. Moritz Müller schossen die Tränen in die Augen. Der deutsche Eishockey-Kapitän ließ seinen Gefühlen freien Lauf, als nach dem geplatzten Gold-Traum auch Bronze unerreichbar geblieben war. Die enttäuschten Nationalspieler trösteten ihren emotionalen Anführer, der nach dem ernüchternden 1:6 (0:1, 0:4, 1:1) im kleinen Finale von Riga gegen die USA mit bandagierter Hand in Zivil aufs Eis zurückgekehrt war.

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„Alle sind unglaublich traurig“, sagte Müller, der im zweiten Drittel verletzt ausgeschieden war, als er sich wieder mal in einen Schuss geworfen hatte. „In der Kabine ist kein Auge trocken geblieben. Nicht so häufig kommen solche Teams zusammen. Das haben alle gespürt. Auch wenn wir uns nicht belohnt haben: Die Erinnerungen bleiben.“

Binnen 21 Stunden hatte die deutsche Auswahl zweimal die historische Chance nicht genutzt und die erste WM-Medaille seit 1953 verpasst – erst äußerst unglücklich um Zentimeter, dann mit leeren Köpfen und schweren Beinen meilenweit. „Wir waren besser als Finnland“, meinte Müller mit Blick auf das bittere 1:2 im Halbfinale gegen den Titelverteidiger, den das deutsche Team phasenweise an die Wand gespielt hatte: „Am Finale waren wir näher dran. Heute haben wir es vom Kopf nicht mehr hinbekommen.“

WM-Gold holte sich am Sonntagabend ausgerechnet Kanada, das nach einem Fehlstart und dem 1:3 gegen Deutschland schon nach der Vorrunde vor dem Aus stand. Erst deutsche Schützenhilfe verhalf dem Eishockey-Mutterland in die K.-o.-Runde. Mit dem 3:2 nach Verlängerung im Finale gegen Finnland holten sich die Ahornblätter Titel Nummer 27 und zogen mit Rekordweltmeister Russland gleich.

Zwischen Frust und Stolz

Bei den Deutschen war die Enttäuschung, drei Jahre nach der Silber-Sensation bei Olympia den nächsten Coup so knapp verpasst zu haben, größer als der Stolz auf die beste WM seit grauer Eishockey-Vorzeit. „Es tut grad brutal weh“, sagte Verteidiger Korbinian Holzer. „Wir wollten mehr.“ Auch Marcel Noebels fühlte sich schlecht, „wenn du an der Medaille vorbei läufst und dann blöd da stehst“.

Im zehnten Spiel in 17 Tagen hatte die Mannschaft des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) erstmals nicht mindestens auf Augenhöhe mit dem Gegner agieren können, weil sie „physisch und mental ausgezehrt“ war, gab Müller zu. Folge war die höchste deutsche WM-Niederlage gegen den zweifachen Weltmeister seit 1986.

Dennoch klang auch Stolz durch. „Die Truppe ist unglaublich“, meinte Bundestrainer Toni Söderholm. „Wir haben ein sehr starkes Fundament und ein Stück Siegermentalität entwickelt.“ Auch Noebels, einer von sechs Silbermedaillengewinnern von Pyeongchang im Team, sah „für die Zukunft einen Riesenschritt für das deutsche Eishockey“.

WM-Medaillen wie Silber 1930 und 1953 sowie Bronze 1932 und 1934 sind nicht mehr so weit weg wie in den vergangenen Jahrzehnten. Was fehlt, sind „Kleinigkeiten zur Weltspitze“, befand Holzer, und Söderholm stellte fest: „Wir müssen einen Weg finden, mehr Effizienz zu kriegen.“

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Als Vierter der WM – wie zuletzt 2010 daheim – hat die DEB-Auswahl mit dem Finnen ihren Aufschwung, den sie unter Olympia-Silberschmied Marco Sturm begonnen hatte, fortgesetzt und sich mit fünf Siegen im Turnier – erst zum fünften Mal in der WM-Geschichte – unter den besten Nationen etabliert. „Wir haben unsere Komplexe abgelegt“, sagte Müller. (sid)

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