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Sport

Es gibt keinen Ironman auf Hawaii

Auch die besten Triathleten kämpfen derzeit, nur nicht mit der Hitze in Kailua-Kona. Für die deutschen Weltmeister geht es um Prinzipielles.

Anne Haug zehrt in der Corona-Krise finanziell auch von ihrem Erfolg vor einem Jahr. Sie hat „ein bisschen Puffer, so dass ich jetzt schon gut durchkomme“.
Anne Haug zehrt in der Corona-Krise finanziell auch von ihrem Erfolg vor einem Jahr. Sie hat „ein bisschen Puffer, so dass ich jetzt schon gut durchkomme“. © dpa/Marco Garcia

Von Jens Marx

Jan Frodeno hat sich das Wochenende so schön wie möglich gemacht, es mit ein bisschen Sport im spätsommerlichen Spanien genossen und abends den Pizzaofen angeschmissen. Eigentlich wäre er nicht in seiner Wahlheimat Girona gewesen, sondern auf Hawaii 3,86 Kilometer geschwommen, 180,2 Kilometer Rad gefahren und Marathon gelaufen. All das hätte der dreifache Ironman-Weltmeister und Titelverteidiger bei Sonne, leichter Bewölkung und Temperaturen von gut 30 Grad Celsius in Kailua-Kona gemacht. Es wären beste Bedingungen für ein weiteres denkwürdiges Rennen bei der bedeutendsten WM gewesen – angeführt von vier deutschen Champions. Doch daraus wurde nichts.

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„Ein wenig Wehmut ist schon dabei“, sagt der 39-Jährige. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass bereits seit Langem feststand, dass der Wettbewerb ausfällt – erst auf Februar 2021 verlegt wegen der Coronavirus-Pandemie, dann abgesagt.

„Training ist schön, aber sind wir mal ehrlich: Einen Wettkampf und das Kribbeln im Bauch kann es nicht ersetzen“, sagt Patrick Lange. Den 34-Jährigen zog es stattdessen in die Berge in seiner Wahlheimat Salzburg. Gesprächsstoff gab’s genug, allen voran die „schönsten Erinnerungen“ seiner Erfolge 2017 und 2018 auf Hawaii.

Jan Frodeno ist dreifacher Ironman-Gewinner. Er siegte 2015, 2016 und 2019.
Jan Frodeno ist dreifacher Ironman-Gewinner. Er siegte 2015, 2016 und 2019. © dpa/Marco Garcia

Die Coronavirus-Pandemie bringt auch die an Grenzen, die sich einer der härtesten sportlichen Herausforderungen stellen: Trainingsprogramme und Saisonpläne – alles für umsonst. 2020 fanden kaum Rennen statt. Eines war angesetzt, bei dem Sebastian Kienle nur wenige Wochen nach einem Schlüsselbeinbruch nach einem Trainingssturz auf dem Rad antrat. Als wären die Beschwerden des Kailua-Kona-Gewinners von 2014 nicht schon groß genug, mussten die Ausrichter diesen Wettbewerb in Davos kurz nach dem Schwimmen aufgrund eines Unwetters abbrechen.

Dass es derzeit in Deutschland auch recht herbstlich ist, macht es nicht besser. „Das Wetter passt zur Stimmung“, sagt der 36-Jährige. „Sonst war es immer schön, nach dem Rennen zurück nach Deutschland zu kommen. Das Wetter hat die Pause dann noch gemütlicher gemacht. Jetzt verstärkt es die eher düstere Stimmung.“

Ironman-Geschäftsführer Andrew Messick probierte, in dieser Lage mit digitalen Wettkämpfen zu retten, was zu retten war. Das übliche Vorprogramm in der Hawaii-Woche fand virtuell statt. Dazu bot er Einblicke hinter die Kulissen des Kultereignisses der weltbesten Profi- und Hobby-Triathleten. Dazu kam ein virtuelles 17-Stunden-Rennen in der Zeit des eigentlichen Wettbewerbes. „Trotz des für alle herausfordernden Jahres, waren wir entschlossen, einen Weg zu finden, die Traditionen und Errungenschaften zu feiern und zu ehren, die die Ironman-Weltmeisterschaft für so viele so besonders machen“, sagte er.

Patrick Lange ist zweimaliger Triumphator. Er belegte 2017 und 2018 Platz eins.
Patrick Lange ist zweimaliger Triumphator. Er belegte 2017 und 2018 Platz eins. © dpa/Gregor Fischer

Dennoch war es letztlich so, wie es die lokale Zeitung beschrieb: „Anstatt die vertrauten Worte bis Mitternacht in Kailua-Kona zu hören – „You are an Ironman“ („Du bist ein Ironman“) –, war es leise in der Stadt, vielleicht mit Ausnahme der gelegentlichen Geräusche der Coqui-Frösche.“

Den Athleten fehlt die größte Plattform des Jahres, um sich und ihre Sponsoren zu präsentieren: in einem Sport, der weit weg ist von Millionen-Einkommen wie im Fußball, ein weiteres Problem in einer schwierigen, weil so gut wie ereignislosen Saison.

Anne Haug zehrt in der Corona-Krise finanziell auch von ihrem Erfolg auf Hawaii 2019. Sie betonte, auf Prämien angewiesen zu sein. Neben ihren Sponsoren, „die wirklich auch in den harten Zeiten zu mir stehen“, habe die 37-Jährige durch den WM-Gewinn „ein bisschen Puffer, sodass ich jetzt schon gut durchkomme“. Für viele ihrer Kollegen sei es „wirklich hart. Viele unserer Sponsoren sind mittelständische Betriebe. Da kann ich schon verstehen, dass es schwer ist, auf der einen Seite seine Angestellten in Kurzarbeit zu schicken und auf der anderen Seite noch Sportsponsoring zu betreiben.“ Sie fordert Rennen unter entsprechenden korrekten Bedingungen: „Ich lebe von der Gesundheit und möchte da auf keinen Fall irgendwas riskieren. Ich brauche meinen Körper noch ein bisschen länger als dieses Jahr.“

Sebastian Kienle kam 2014 als Erster ins Ziel.
Sebastian Kienle kam 2014 als Erster ins Ziel. © dpa/Marco Garcia

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Kienle geht davon aus, dass der Profiwettkampfsport allgemein nicht mehr so wichtig sein wird. Gleichzeitig sieht er auch, „dass die Menschen sich während Corona so viel bewegen wie schon lange nicht mehr. Die einzige Waffe, die wir haben, solange es keine wirksamen Medikamente und keinen Impfschutz gegen Corona gibt, ist unsere eigene Gesundheit.“

Kienle betrachtet Sport und Triathlon nicht als Verlierer der Pandemie. „Viele Menschen haben während der Ausgangssperre auch am eigenen Leib erfahren, wie schön es ist, draußen zu sein, sich frei zu bewegen, Sport zu treiben“, sagt er. (dpa)

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