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"Eismeister der Nation": Sepp Lenz im Alter von 88 Jahren verstorben

Trauer um den "Eismeister der Nation": Nach einem bewegten Leben ist Rodel-Pionier Sepp Lenz im Alter von 88 Jahren gestorben.

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Der langjährige Rodel-Bundestrainer Josef "Sepp" Lenz ist tot.
Der langjährige Rodel-Bundestrainer Josef "Sepp" Lenz ist tot. © dpa

München. Gejammert hat Sepp Lenz nie, auch nicht nach seinem schweren Unfall im Dezember 1993. "Das Leben geht weiter, es hätte schlimmer kommen können", sagte der langjährige Bundestrainer der deutschen Rennnrodler, nachdem er in Winterberg von einem Schlitten erfasst worden war und seinen Unterschenkel verlor. So war er eben, der Sepp. Nun ist der "Eismeister der Nation" im Alter von 88 Jahren in seiner Heimat am Königssee gestorben.

Lenz hatte fast 30 Jahre lang die deutschen Rodler betreut und mit ihnen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften 96 Medaillen gewonnen, davon 31 goldene. "Sein Lebenswerk für den Kufensport war immens", schrieb der Bob- und Schlittenverband für Deutschland am Montag in seiner Würdigung. Auch IOC-Präsident Thomas Bach reagierte bewegt: "Sepp Lenz hat mich, wie jeden der ihn kennenlernen durfte, mit seiner Leidenschaft für den Rodelsport angesteckt."

Lenz galt als Entdecker und Förderer des dreimaligen Olympiasiegers Georg Hackl. 1962 holte er als aktiver Rodler unter anderem den EM-Titel im Einsitzer. Ein schwerer Trainingssturz im Doppel bei den Winterspielen in Innsbruck 1964 beendete die Karriere des damals 29-Jährigen, zwei Jahre später startete er seine Trainerlaufbahn. Auch als Bahnarchitekt und Eismeister zeigte Lenz großes Talent, er galt als "Rodel-Vater vom Königssee".

Doch auch auf anderen Bahnen war Lenz im Einsatz. "Ich durfte Sepp Lenz in den 1980er Jahren bei der Planung der Kunsteisbahn in Sigulda kennenlernen. Als sympathischer Mensch und kompetenter Bahnbauexperte hat er mich sofort begeistert", sagte Präsident Einars Fogelis vom Weltverband FIL: "Sein Tod tut mir unendlich leid. Wir verlieren einen großartigen Menschen, der sein Leben dem Rodelsport gewidmet hat."

Am 16. Dezember 1993 veränderte ein Unfall in der Eisrinne das Leben von Sepp Lenz. Bei Ausbesserungsarbeiten an der Winterberger Bahn wurde der damals 58-Jährige von einem 110 km/h schnellen Schlitten erfasst. Doch gejammert hat er nie.

Nur zwei Monate später stand er mit einer Prothese als Bundestrainer bei den Olympischen Spielen in Lillehammer an der Eisbahn und führte die deutschen Athleten zu drei Medaillen. Bis zuletzt noch besuchte Lenz die Eisbahn am Königssee, an deren Bau er maßgeblich beteiligt war, oft und gerne. "Zum Nachschau'n", wie er sagte. (sid)