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Großes Sport-Comeback nach Corona-Pause

18 Sportarten, 140 Sieger, Tausende Fans in den Arenen, Millionen am Bildschirm – und das sind nur die Zahlen der Finals.

Alexandra Burghardt lief am schnellsten. Sie ist die deutsche Meisterin über 100 und 200 Meter.
Alexandra Burghardt lief am schnellsten. Sie ist die deutsche Meisterin über 100 und 200 Meter. © dpa

Der deutsche Sport ist nach langer coronabedingter Zwangspause auf die große Bühne zurückgekehrt. Beim Multi-Sportevent „Die Finals 2021“ kürten Athleten aus 18 Sportarten vor einem Millionen-Publikum und teilweise erstmals auch wieder vor Zuschauern in Berlin, Braunschweig sowie dem Rhein-Ruhr-Gebiet ihre deutschen Meister. 140 Titel wurden an vier Wettkampftagen vergeben, einige Verbände nutzten die Meisterschaften gleichzeitig als Olympia-Qualifikation.

Junge Sportarten wie das 3x3-Basketball, Klettern und Karate, die in Tokio allesamt ihre Olympia-Premiere feiern, rückten auch national erstmals in den Fokus.

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Huard, Dotzler und Ranta werden zur neuen DEL2-Saison nicht zurückkehren. Die sportliche Führung teilte ihnen mit, dass nicht mehr mit ihnen geplant wird.

Die Höhepunkte

Elisabeth Seitz schrieb mit dem Gewinn ihres 23. nationalen Titels deutsche Kunstturn-Geschichte. Durch ihren Sieg im Mehrkampf zog die Stuttgarterin an Ingrid Föst vorbei, die von 1953 bis 1963 insgesamt 22 DDR-Meisterschaften errang. Beim Schwimmen glänzte die 19-jährige Anna Elendt aus Frankfurt am Main mit zwei deutschen Rekorden über 50 und 100 Meter Brust. Topschwimmer wie Florian Wellbrock oder Sarah Köhler verzichteten auf die Wettkämpfe.

Einer der Höhepunkte aus sächsischer Sicht: die Titelverteidigung des Dresdner Leichtathleten Karl Bebendorf über 3.000 Meter Hindernis. Es war der dritte Titel in Folge für den DSC-Läufer, der beim Sieg in Braunschweig zugleich seine persönliche Bestzeit um über fünf Sekunden verbesserte. In 8:23,28 Minuten verpasste er zwar die direkte Olympia-Norm (8:22,00), ist sich aber sicher, bei den Sommerspielen am Start zu sein. „Es ist unfassbar. Tokio ich komme“, schrieb Bebendorf nach dem Wettkampf auf seinem Insta-gram-Profil. Hintergrund: Sieg und Zeit bringen ihm viele Punkte für die Weltrangliste und damit die Olympia-Einladung.

Ebenfalls in Tokio dabei: der Leipziger Robert Farken, der über 1.500 Meter die Olympia-Norm unterbot und in 3:34,64 Minuten zum Titel lief. Strahlende Gesichter zeigten zudem Stabhochspringer Oleg Zernikel, der 5,80 Meter überquerte („Mein Leben hat sich gelohnt, das Lebensziel ist erreicht“), sowie Sprint-Doppelsiegerin Alexandra Burghardt. Sie siegte über 100 Meter in 11,14 Sekunden und meinte überglücklich: „Ich bin endlich mal über mich hinausgewachsen.“

Paralympics-Star Markus Rehm flog bei den Weitspringern am weitesten in die Sandgrube. Der Prothesenspringer schaffte außer Konkurrenz 8,29 Meter, insgesamt sprang er vier Mal über die Acht-Meter-Marke. Rehm träumt damit weiter von einer Olympia-Teilnahme.

Die Enttäuschungen

Das Comeback nach 609 Tagen Wettkampf-Pause lief komplett schief: Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler musste in Braunschweig ohne gültigen Versuch aufgeben. Der Brustmuskel zwickte. „Das gefällt mir in der Olympiasaison gar nicht“, sagte er. Sein Tokio-Ticket hat Röhler längst nicht sicher. Auch Diskuswerfer Christoph Harting erlebte einen enttäuschenden Wettkampf und wurde Achter. Fünf seiner sechs Versuche waren ungültig. Insgesamt notierte der Verband nur vier neu erfüllte Olympia-Normen.

Nach langer Verletzungspause war Sophie Scheder, Olympia-Dritte 2016 in Rio de Janeiro am Stufenbarren, von ihrer Bestform ein gutes Stück entfernt. Für Tokio ist die Chemnitzerin in dieser Verfassung keine personelle Option.

Der Schreckmoment

Auch Patrick Hausding ist keine Maschine. Der Olympia-Dritte leistete sich im Drei-Meter-Synchronspringen einen Patzer „wie seit zwölf Jahren“ nicht. Beim dreieinhalbfachen Auerbachsalto bekam er in der Luft ein Bein nicht zu packen, geriet ins Trudeln und plumpste „wie eine Katze“ (Bundestrainer Lutz Buschkow) ins Wasser. Im Synchronspringen vom Zehn-Meter-Turm demonstrierte Hausding dann jedoch wieder seine Weltklasse – und gewann mit dem Ex-Dresdner Timo Barthel.

Die Zuschauer

Beim Reiten, Kanu, Klettern, bei der Leichtathletik und im Berliner Olympiapark waren begrenzt Zuschauer zugelassen. Die Athleten genossen die Unterstützung von den Rängen. „Das ist richtig cool und etwas ganz Besonderes, so eine Stimmung hatten wir schon lange nicht mehr. Das pusht jeden Athleten noch einmal“, sagte Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong, die in dieser Saison in Bestform ist.

Auch bedingt durch das gute Wetter schalteten allerdings weniger Zuschauer ein als erhofft. Vor allem am Freitag war die Quote in der ARD enttäuschend. Am Samstag lief es für das ZDF besser, die Fünfkämpferinnen freuten sich über 1,2 Millionen Zuschauer, die Leichtathleten knackten die Zwei-Millionen-Marke. „Insgesamt bin ich mit der Resonanz zufrieden“, erklärte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann: „Das war eine gelungene Generalprobe für Olympia und macht Lust auf mehr – der große Sportsommer kann kommen.“

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Eine Fortsetzung der Multi-Meisterschaft ist noch nicht beschlossen, aber man stehe laut ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann „in guten Gesprächen“. Die Macher wollen sich aber offenbar wieder auf eine Stadt oder Region konzentrieren – so wie bei der Premiere 2019 in Berlin. Dann sollen vor Ort auch wieder mehr Zuschauer für mehr Olympia-Flair sorgen. Für 2024 hat Dresden seine Bewerbung angekündigt. (sid, SZ)

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