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Die Europaliga kommt, aber Dresden will nicht mitspielen

Das Projekt klingt verlockend, und offenbar gibt es auch gutes Geld zu verdienen. Bei den Monarchs hat man dazu jedoch eine andere Meinung.

Im September trafen sich Dresden und Wroclaw zu einem Freundschaftsspiel. Nun wollen die Polen in einer Europaliga antreten, die Monarchs aber nicht.
Im September trafen sich Dresden und Wroclaw zu einem Freundschaftsspiel. Nun wollen die Polen in einer Europaliga antreten, die Monarchs aber nicht. © Christian Juppe

Dresden. Die deutsche Football-Szene steht vor der Zerreißprobe. Die einen reagieren panisch, andere geradezu euphorisch auf die Nachricht von Patrick Esume. Eines der bekanntesten Football-Gesichter Deutschlands ist Kopf der neuen European League of Football, kurz ELF. Diese Europaliga soll im Sommer 2021 starten – mit den „besten europäischen Top-Teams“, wie es heißt. Sieben Klubs haben bereits die Verträge dafür unterschrieben.

Nur haben die besten deutschen Mannschaften andere Pläne. Die Braunschweig Lions, die Schwäbisch Hall Unicorns und auch die Dresden Monarchs spielen auch künftig lieber in der German Football League (GFL), der höchsten deutschen Spielklasse und zugleich stärksten Liga Europas.

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„Wir sind nicht gefragt worden. Und wären wir gefragt worden“, sagt Monarchs-Präsident Sören Glöckner, „hätten wir abgelehnt. Wir halten eine Struktur außerhalb der Verbandsstruktur für falsch.“ Immerhin soll der deutsche Rekordmeister Braunschweig eine Anfrage der ELF erhalten haben, konnte sich aber wie Dresden nicht für das Konzept begeistern.

„Ich finde eine professionelle Liga auch gut. Aber mit welcher Mannschaftssportart kann man in Deutschland Geld verdienen? Dafür ist der deutsche Football in den vergangenen 20 Jahren nicht weit genug gekommen“, sagt Dresdens Trainer Ulrich Däuber, und der muss es wissen. 17 Jahre arbeitete er in Amerika als College-Coach – und befürchtet nun einen Imageschaden. „Es läuft auf ein Parallelprodukt zur GFL hinaus. Ich glaube, dass die Bundesliga darunter leiden wird“, sagt Däuber, der sich zudem wundert, dass die Monarchs nicht angefragt wurden. „Wir sind das Team, das nach dem German Bowl die meisten Fans für ein Spiel ins Stadion holt“, erklärt er. Bis zu 8.000 Zuschauer kommen jedes Jahr zu dem Heimspiel, das die Monarchs im Rudolf-Harbig-Stadion austragen. Und auch sonst sind es mehrere Tausend.

Insgesamt kommt jedoch der US-amerikanische Nationalsport in Deutschland bereits seit Jahrzehnten über ein Randsportdasein nicht hinaus. Mehrere Versuche scheiterten, internationale Projekte zu installieren. Die NFL Europe wurde 2007 eingestellt. Das Big-Six-Turnier, bei dem 2014 die Monarchs starteten, läuft außerhalb öffentlicher Bedeutung.

Die Pläne kommen überraschend und zur Unzeit

Das will Esume ändern. „Ziel ist es, in Europa eine Top-Liga zu etablieren, den größten Talenten eine Bühne zu bieten mit professionellen Strukturen“, sagt er. Teams aus Berlin, Frankfurt am Main, Hildesheim/Hannover, Stuttgart und Ingolstadt sowie Polens Meister Panthers Wroclaw (Breslau) spielen mit. „Wir bieten den vielen Football-Fans ein hoch attraktives Produkt und sind überzeugt, dass die Zeit reif ist für eine solche Topliga“, erklärt Liga-Chef Zeljko Karajica, Medienmanager sowie Ex-Geschäftsführer von ProSiebenSat.1 und Sport1. In Dresden glaubt man genau das nicht. „Mich überzeugt das Konzept nicht, so, wie ich es bis jetzt kenne“, sagt Glöckner.

Die ELF kam mit ihren Plänen nicht nur für viele überraschend, sondern auch zur Unzeit. Nachdem die Bundesliga-Saison 2020 coronabedingt komplett abgesagt werden musste, kämpfen viele GFL-Teams um das wirtschaftliche Überleben. Die Monarchs rechnen mit einem knapp sechsstelligen Minus. „Grundsätzlich finde ich den Ansatz sehr interessant. Mir ist aber vieles zu spekulativ“, meint Glöckner und fragt sich, woher zum Beispiel die Schiedsrichter kommen sollen. Monarchs-Geschäftsführer Jörg Dreßler betont: „Das ist eine private Unternehmung außerhalb des deutschen Sportsystems.“

Doppelte Starts, also in der GFL und der ELF, sind ausgeschlossen, denn die Europaliga setzt auf ein Franchise-System. „Dafür hätte man in Dresden außerhalb der Monarchs ein neues Team gründen müssen“, erklärt Glöckner.

Sein Verein muss nun jedoch befürchten, dass Spieler von der ELF nicht zuletzt finanziell gelockt werden – auch wenn offenbar noch keinem der Monarchs ein konkretes Angebot vorliegt. Es werde viele GFL-Vereine treffen, bei denen gute Spieler abwandern, sagt Glöckner. „Das läuft auf Kanibalismus in unserem Sport hinaus“, sagt Glöckner. Für Dreßler ist dennoch klar: „Die ELF-Teams werden sich aus der GFL rekrutieren. Das kann nicht anders funktionieren. Damit wird die Bundesliga massiv geschädigt.“

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Am Montag lief die Meldefrist für die erste Liga ab. 14 Vereine sind 2021 dabei. „Eine Spaltung in der deutschen Football-Szene halte ich für möglich. Meine Vermutung und Befürchtung aber ist“, so Glöckner, „dass in zwei, drei Jahren ein Scherbenhaufen übrig ist und dann alles wieder zusammenwachsen muss.“

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