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Darum glaubt Monarchs-Trainer Däuber an sein Team

Im Kader der Dresden Monarchs fällt ein Drittel der Spieler verletzt aus. Was das für den Rest der Saison bedeutet, erklärt Trainer Ulrich Däuber.

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Monarchs-Trainer Ulrich Däuber hat nach dem deutschen Meistertitel derzeit viel Erklärungsbedarf. Die Footballer aus Sachsen sind nach einer beispiellosen Verletzungsmisere ins Hintertreffen geraten.
Monarchs-Trainer Ulrich Däuber hat nach dem deutschen Meistertitel derzeit viel Erklärungsbedarf. Die Footballer aus Sachsen sind nach einer beispiellosen Verletzungsmisere ins Hintertreffen geraten. © kairospress

Dresden. Der Samstag könnte und sollte der Wendepunkt in der bisher unglücklich verlaufenen Saison des deutschen Footballmeisters Dresden Monarchs werden. Das Team von Trainer Ulrich Däuber (5.) tritt im Mommsenstadion bei den Berlin Rebels (6.) an. Doch die Verletzungssorgen der Dresdner sind kaum kleiner geworden, wie Däuber im SZ-Interview einräumt.

Herr Däuber, zuletzt beklagten Sie den Ausfall von zehn Stammspielern. Hat sich die Lage etwas entspannt?

Nur etwas. Justin Agner, unser Quarterback, kann auf jeden Fall von Anfang an spielen. Er war ja zum Ende der letzten Partien gegen Köln auch ausgefallen. Radim Kalous wird allerdings mit einer Knieverletzung für die gesamte Saison ausfallen. Dafür wird unser Linebaker Rayshard Ashby spielen können. Das hilft. Andererseits sind zwei, drei andere Akteure in der Defense schwer angeschlagen. Es hat sich ein bisschen was entspannt. Bei uns stehen insgesamt 19 Spieler auf der Verletztenliste – zehn davon aus den beiden Starterformationen der Defense und Offense. Das merkt man. Das sind Ausfälle, die wir jahrelang nicht hatten, wobei wir nichts Gravierendes geändert haben. Das ist jetzt eben so.

Dass Ihr US-Quarterback spielen kann, ist aber viel wert – oder?

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Auf jeden Fall. Unser Quarterback ist extrem wichtig.

Absolviert Ihr Team die beiden Punktspiele vor der dreiwöchigen Sommerpause Anfang Juli also quasi auf dem Zahnfleisch?

Ja, ganz klar. Das muss man sagen. Bei den 19 verletzten Spielern erwarten wir, dass drei Viertel zur Rückrunde Ende Juli wieder fit sind. Dass Radim komplett ausfällt, ist für uns sportlich ein schwerer Schlag.

Haben Sie eine solche Verletztenmisere in Ihrer Trainerkarriere schon einmal erlebt?

In Platteville in meiner Zeit als Collegetrainer hatten wir das mal ein, zwei Jahre – nicht direkt hintereinander. Es gibt einfach Jahre, in denen du dir denkst: Was ist denn jetzt los? Wenn man verliert, hinterfragt man alles, wenn man so viele Verletzte hat, hinterfragt man alles noch mehr. Das haben wir getan. Manchmal ist das einfach Pech, Football ist ein Kontaktsport. Ein Drittel der Mannschaft ist schon heftig.

Die Monarchs sind mit 2:6 Punkten nur Tabellenfünfter der Nordstaffel. Stellen Sie jetzt schon Rechenspiele an, wie viele Punkte Sie aus den sechs ausstehenden Partien noch benötigen, um noch den Einzug in die Play-offs der jeweils vier besten Teams aus beiden Staffeln zu schaffen?

Ja – und nein. Wir gehen von Spiel zu Spiel. Aber andererseits wissen wir auch: Wir müssen jedes Spiel gewinnen, können es jetzt noch aus eigener Kraft schaffen. Wenn wir noch ein, zwei Spiele verlieren sollten, benötigen wir Schützenhilfe. Die Play-offs sind auf jeden Fall das Ziel – auch der German Bowl. Das werden wir auf keinen Fall aus unseren Köpfen nehmen. Das Gute ist, wir haben uns noch nie über das Endziel definiert, sondern wir definieren uns über den Weg dorthin.

Der ist steiniger geworden, als gedacht.

Richtig, aber das Tolle an unserer Mannschaft ist: Die Jungs haben sich ohne uns Trainer getroffen – ich bin stolz, dass sie das so machen. Die Mannschaft hat ganz klar formuliert: Wir müssen etwas ändern, wir haben das Potenzial und müssen das abrufen, um in die Play-offs zu kommen.

Werden Sie die dreiwöchige Sommerpause ab dem 3. Juli angesichts der sportlich angespannten sportlichen Situation umstrukturieren?

Wir legen auf jeden Fall direkt nach der Heimpartie gegen Potsdam am 2. Juli zwei Wochen Pause ein. Die ist wichtig, auch für die Heilungsprozesse. Auch die spielfähigen Akteure brauchen die Pause, um Blessuren auszukurieren.

Werden Sie in der Pause den Kader personell verbessern?

Das kann gut sein, darauf schauen wir immer, wenn sich die Möglichkeiten bieten. Wir werden sicher nicht auf Teufel komm raus zehn neue Leute holen, das können wir nicht tragen. Ich glaube an das Team, das wir haben. Wenn ein, zwei Spieler dazukommen, die uns besser machen können, ist das auch positiv.

Die Konkurrenz wird sich gegen einen angeschlagenen deutschen Meister noch besonders motivieren. Berücksichtigen Sie das bei Ihren derzeit eingeschränkten Möglichkeiten?

Das ist mir eigentlich egal. Ich denke, Dresden zu schlagen, ist von allen das Ziel. Was sie auch müssen. Wenn man sich an jemandem messen will, dann an uns. Es ist ja jetzt auch nicht so, dass wir angesichts unserer Ausfälle schlecht sind, wir waren auch bei unseren drei Niederlagen immer nah dran. Ob sich da andere mehr anstrengen, interessiert mich nicht. Ich will gewinnen. Und gewinnen müssen wir so oder so.

Am Samstag tritt Ihr Team bei den Berlin Rebels an, eine Mannschaft, die noch hinter den Monarchs liegt. Da zählt trotz allem nur ein Sieg?

Ja. Es geht weniger um den Gegner, es geht um uns. Wir müssen einfach gewinnen, mehr ist es nicht. Hört sich einfach an – oder? Wir haben ganz klar gezeigt: Wir verlieren durch eigene Fehler, wir schlagen uns selbst. Das ist das große Manko, was wir gerade haben. Wir haben das Potenzial, jedes Spiel zu gewinnen – auch mit einem Drittel verletzter Spieler im Kader.

Aber mit diesem Wissen lässt sich auch positiv arbeiten?

Ja, das war unser Thema in der Woche. Wir müssen konzentrierter herangehen, die kleinen Fehler vermeiden. Einige denken, sie müssen jetzt doppelt so viel machen, wollen für andere mitspielen. Dann passieren Dinge, die man nicht mehr ausmerzen kann. Jeder muss seinen Job richtig machen. Das reicht, das muss jeder verstehen.

Das Interview führte Alexander Hiller.