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Warum Dresdens Footballer diesmal der Favorit sind

Die Dresdens Monarchs wollen am Samstag deutscher Meister werden, und das Fernsehen ist live dabei. Kommentator Andreas Renner hier im Vorab-Interview.

Fast zehn Jahre ist es her, als die Footballer der Dresdens Monarchs schon einmal im Finale um den German Bowl standen, 2013 war das. Damals gab es eine knappe Niederlage gegen Braunschweig.
Fast zehn Jahre ist es her, als die Footballer der Dresdens Monarchs schon einmal im Finale um den German Bowl standen, 2013 war das. Damals gab es eine knappe Niederlage gegen Braunschweig. © Lutz Hentschel

Herr Renner, was dürfen die Zuschauer beim Meisterschaftsfinale zwischen den Monarchs Dresden und Schwäbisch Hall am Samstagabend erwarten? Den Super Bowl im Kleinformat?

Wir wollen jetzt nicht so tun, als sei irgendein Sportevent dieser Welt mit dem Super Bowl vergleichbar. Das gilt natürlich auch für den German Bowl. Aber es soll schon ein Komplettereignis sein, bei dem die Zuschauer auf ihre Kosten kommen. Für mich als Sportkommentator sind die Showacts nicht das, worauf ich mich konzentriere. Da habe ich mehr damit zu tun, vor dem Spiel die Mannschaften so gut wie möglich zu kennen. Es wird auf alle Fälle ein komplettes Rundum-Paket geboten. Die Halbzeit-Show übernimmt zum Beispiel der bekannte Sänger Michael Schulte, der unter anderem für Deutschland beim Eurovision Song Contest erfolgreich war.

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Die Monarchs standen 2013 im Finale – damals noch in Berlin. Worauf können sich die Dresdner in Frankfurt freuen?

2019 hat das Finale zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder in Frankfurt im WM-Stadion stattgefunden. Das war im Vergleich zum German Bowl zuvor in Berlin ein Quantensprung. In Frankfurt waren 20.000 Zuschauer. Es war eine sensationelle Stimmung.

Was sagt der Experte, wer ist Favorit?

Im Normalfall ist das ein sehr ausgeglichenes Spiel, in dem ich mich nicht festlegen möchte, wer der Favorit ist. Aber im Halbfinale hat sich der Runningback von Schwäbisch Hall verletzt – und der Quarterback auch. Und das ist der Nationalmannschafts-Quarterback Alexander Haupert. Sie haben einen Neuen importiert, aber der trainiert erst seit anderthalb Wochen mit der Mannschaft. Das ist doch ein großes Handicap. Deshalb sehe ich Dresden eher als Favorit.

Die Stimme des Footballs: Andreas Renner, 54, kommentiert seit 25 Jahren Spiele fürs Fernsehen.
Die Stimme des Footballs: Andreas Renner, 54, kommentiert seit 25 Jahren Spiele fürs Fernsehen. © Sport1

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Football?

Ich habe Amerikanistik in Mainz studiert und ein Austauschjahr in Kalifornien gemacht und bin dort beim Football hängengeblieben. Das war Anfang der 1990er-Jahre. Seit 1996 kommentiere ich schon Football bei DSF, Premiere, Sport 1, DAZN, und Sky. Meinen ersten German Bowl als Kommentator habe ich im Jahr 2000 erlebt.

Ein Team besteht aus rund 50 Spielern. Wie bereiten Sie sich als Kommentator auf die Partie vor?

Ich werde oft gefragt: Wenn ich am Wochenende ein Football-Spiel kommentierte, ob ich da die ganze Woche frei habe? Naja, das ist natürlich fern der Realität. Ich bereite mich während der Woche vor, dass ich am Wochenende keinen Unsinn erzähle. Das funktioniert, indem man die Mannschaften möglichst gut kennt. Das wird im Laufe einer Saison natürlich leichter, da ich alle Sport1-Übertragungen schon kommentiert habe. Wenn 50 Mann im Kader stehen, spielen die Hauptrollen doch eher zehn bis 15 Spieler, mit denen ich mittlerweile extrem vertraut bin. Für mich ist das Basisprogramm, dass ich mir von beiden Mannschaften die letzten Spiele anschaue, Statistiken studiere, mit Trainern spreche.

In diesem Jahr zeigt Sport1 insgesamt 14 Football-Spiele live im Free-TV. Wie groß ist das Interesse?

Durch die NFL-Übertragungen bei Pro7 hat Football ein neues großes Publikum im frei empfangbaren Fernsehen gefunden. Das Interesse ist deutlich gestiegen im Vergleich zu vor 15 oder 20 Jahren. Was die Einschaltquoten angeht, ist Football mit der NFL nach Fußball die zweiterfolgreichste Mannschaftssportart im deutschen Fernsehen. Football wird immer interessanter für die Sender, weil Publikumspotenzial da ist.

Und wie wichtig ist diese Medienpräsenz für die Liga selbst?

Es kommt darauf an, was die Liga will. Im Moment ist sie halbprofessionell. Es gibt bezahlte Spieler, aber auch welche, die kein Geld bekommen. Wenn man im Amateurstatus verbleiben will, kann man darauf verzichten. Wenn man den Weg gehen will, dass man sich professionalisiert, dann ist Medienpräsenz das A und O.

Hilft die im Sommer neu initiierte European League of Football, kurz ELF, dabei, oder schadet Sie eher?

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Das Interview führte Michaela Widder.

TV-Tipp: Sport1 überträgt den German Bowl aus dem Frankfurter WM-Stadion a, Samstag live ab 17.45 Uhr. Als Moderator ist Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink im Einsatz.

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