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Dresdens Footballer kämpfen gegen Rassismus-Vorwurf

Die Monarchs reagieren auf die Kritik nach dem Instagram-Posting eines Jugendspielers. Der hatte einen Spaß gemacht, der nicht witzig ist.

Die American Footballer der Dresden Monarchs beziehen deutlich Stellung.
Die American Footballer der Dresden Monarchs beziehen deutlich Stellung. © photoarena / Thomas Eisenhuth

Dresden. Mit einer unbedachten, diskriminierenden Äußerung im Internet hat ein Jugendspieler des American-Football-Klubs Dresden Monarchs einen ganzen Verein in Misskredit gebracht. Der Spieler aus der U-19-Mannschaft hatte auf seinem persönlichen Instagram-Profil ein Foto gepostet und darauf einen dunkelhäutigen Akteur der gegnerischen Mannschaft mit einer sogenannten Meme-Seite verknüpft. Die benutzt das Schimpfwort „Nigga“, wenngleich es dort mit Comedy-Inhalten konterkariert wird.

Der Sachverhalt bleibt: Der Spieler wurde mit dem N-Wort getaggt, wie es neudeutsch heißt. Man könnte es mit „markiert“ übersetzen. Das Posting stammt vom 26. Januar. Vermutlich sollte es witzig sein.

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Doch längst nicht jeder teilt diese Art von Humor, wie sich jetzt zeigt. Vor knapp einer Woche hat sich ein Internet-User auf die Fotokennzeichnung des dunkelhäutigen Spielers bezogen, das Bild geteilt und die Monarchs sinngemäß und pauschal als „Nazis“ verunglimpft. Erst deshalb wurde man bei den Dresdnern auf das Posting des Nachwuchsspielers aufmerksam und reagierte umgehend mit einer öffentlichen Stellungnahme auf dem Instagram-Profil des Klubs aus der German Football League.

Darin steht beispielsweise: „Nach dem Post einer unserer Jugendspieler müssen wir ganz klar sagen: einen Tagg zu setzen, welcher Spielraum und Vermutungen zu Rassismus zulässt, ist nicht zu akzeptieren! Wir stehen als Monarchs ganz klar zu unseren weltoffenen Werten.“

Der Klub gilt als bunt, international und kreativ

In der Tat vereint der Klub seit Jahren Spieler vieler unterschiedlicher Nationen und Hautfarben. Auffälligkeiten oder gar Beschwerden hat es in der jetzt angedeuteten Richtung nie gegeben, im Gegenteil. Die Monarchs mit ihren mehr als 800 Mitgliedern gelten als vorbildlich geführter, internationaler, bunter und kreativer Klub. Ein Image, das Geschäftsführer Jörg Dreßler deutlich herausstellt.

„Unser Verein besteht aus vielen Nationen und Glaubensrichtungen, und unser Handeln beruht auf gegenseitigem Respekt und fairem Miteinander. Vorurteile, Nationalismus und Extremismus haben da keinen Platz“, steht in der von ihm abgesetzten Nachricht. Knapp 1.110 Menschen haben die Entgegnung des Vereins mittlerweile geliked. Bis Donnerstagnachmittag gab es darüber hinaus mehr als 100 Kommentare, die meisten in sachlichem Ton.


„Ich habe selber als dunkelhäutiger Spieler aus Hamburg in den späten 1990er-Jahren oft und gern gegen die Monarchs gespielt, und wir hatten harte Fights. Aber ich bin nie schlecht und rassistisch angefeindet worden“, schreibt beispielsweise Eric Salzinger, der jetzt als Nachwuchstrainer in Hamburg arbeitet. Und er stellt fest: „Das ist kein typisches Monarchs-Problem, aber dennoch solltet gerade ihr dafür extra sensitiv sein, da ihr mangels dunkelhäutiger Jugendspieler auch kaum Berührungspunkte mit diesen habt.“

Der Verein zieht Konsequenzen

„Wir bemühen uns fortlaufend um dieses für uns wichtige Thema“, sagt Dreßler. „Der Fall hat klar gezeigt, dass wir stets am Ball bleiben müssen und wollen. Ein Jugendlicher, der bereit ist, an sich zu arbeiten und unsere Werte zu teilen, wird aber auch immer seine Chance bei uns bekommen“, betont er. 

Den Imageschaden für den Verein befürchtet er dennoch, zumal das Thema zur Unzeit öffentlich hochkocht. Gerade haben die Monarchs für den Bau eines modernen Nachwuchszentrums eine Fördersumme von der Stadt Dresden und dem Land Sachsen von knapp einer Million Euro erhalten.

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Konsequenzen für den Nachwuchs-Spieler hat der Verein nach SZ-Informationen bereits gezogen. Er wurde für eine Partie der Nachwuchs-Bundesliga am vergangenen Sonntag ausgeschlossen. Er hat sich auf seinem Profil für den Fehler entschuldigt und darüber hinaus Kontakt zu dem markierten Gegenspieler aufgenommen und sich persönlich entschuldigt. „Für uns ist es sehr wichtig, alle Sinne zu schärfen, und so haben wir uns mit allen Trainern und der gesamten Jugendmannschaft an einen Tisch gesetzt“, betont Dreßler.

Das Instagram-Posting ist inzwischen gelöscht. Kopien davon existieren indes weiter. Denn das Internet vergisst nichts.

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