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So tickt der Kopf der königlichen Footballer

Wer den andauernden Erfolg der Dresden Monarchs verstehen will, kommt an diesem Mann nicht vorbei: Football-Präsident Sören Glöckner.

Der bewegte Mann: Monarchs-Präsident Sören Glöckner düst auf seinem 45 km/h schnellen Speed-Pedelec zu allen Terminen in Dresden.
Der bewegte Mann: Monarchs-Präsident Sören Glöckner düst auf seinem 45 km/h schnellen Speed-Pedelec zu allen Terminen in Dresden. © kairospress

Dresden. Sein Büro im Neustädter Barockviertel ist ein kleines Sportmuseum. Auf dem Sideboard steht der Originalfußball vom Viertelfinale zwischen Brasilien und den USA bei der Frauen-WM 2011 in Dresden. Daneben liegen die Gelbe und Rote Karte aus demselben Spiel, unterschrieben von der Schiedsrichterin. Im Schrank sind Ordner mit dem Logo von der Fußball-WM 2006 aufgereiht. Auch von der Leipziger Olympia-Bewerbung für 2012 steht noch das offizielle Bewerbungsbuch, sogar in Blindenschrift, zwischen den Bau-Akten.

Wer jedoch die große Leidenschaft von Sören Glöckner erfahren will, muss den Mann genau ansehen. Auf seinem dunkelblauen Jackett steckt ein kleiner unauffälliger Pin mit den miteinander verschlungenen Buchstaben A und R. Die Insider wissen natürlich, es ist das Logo der Dresden Monarchs, der American Footballer, inspiriert vom sächsischen König August dem Starken – Augustus Rex.

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Nach dem Wochenende könnte vielleicht ein neues Erinnerungsstück einen Platz in dem Ingenieurbüro an der Dreikönigskirche bekommen. Die Dresdner stehen im Finale um den German Bowl. Der Traum eines jeden Spielers, und ein ganz großer von Sören Glöckner. Seit 23 Jahren ist er Präsident des Vereins und hat den Nischensport American Football hierzulande bei den Mannschaftssportarten zur Nummer zwei hinter Dynamo Dresden gemacht. 2019, das Jahr bevor Corona wie ein schwerer Sturm auch durch die Stadien im Land fegte, hatten die Monarchs im Schnitt 3.200 Zuschauer.

Die große Fangemeinde sehnt sich wie Glöckner nach dem Meistertitel. Zum zweiten Mal nach 2013 stehen die Dresdner im Finale – gegen Schwäbisch Hall sind sie längst nicht mehr Außenseiter. „Die Jungs sind überzeugt, dass sie gewinnen, deshalb bin ich es auch. Trotzdem wird es schwer.“

Haltungsnoten für Jens Weißflog

Was sich Glöckner vornimmt, das geht er an. „Ohne deutschen Meistertitel würde ich nicht abtreten“, sagt er, nippt an seinem Cappuccino, setzt die Tasse wieder ab und redet weiter. „Heißt aber nicht, dass ich abtrete, wenn wir Meister sind.“ Dafür hat der Bauingenieur noch große Pläne. Erst im Januar wurde das innovative Nachwuchszentrum eingeweiht, in Zukunft sollen ein weiterer Kunstrasenplatz und eine Sporthalle an der alten Radrennbahn in der Bärnsdorfer Straße entstehen. „Dann steht unsere Vision für die Nutzung des gesamten Geländes“, sagt der 54-Jährige.

Sören Glöckner ist ein Macher, von denen es mehr geben könnte. Die Liebe zum Sport gab ihm der Vater mit, der mit seinen 80 Jahren noch immer mit dem Mountainbike auf den Brocken fährt. Die Familie wuchs in Ilsenburg im Harz auf, als Kind trainierte er im Winter Eisschnelllauf auf einem zugefrorenen Forellenteich. Er hatte Talent, der Weg zur Sportschule war geebnet, „doch ich war ein Zuhause-Kind“.

Sein Bruder ging als Skispringer nach Oberwiesenthal, er selbst wurde „nach einmal über die Schanze rutschen“ aber aussortiert. Später wurde Glöckner Wertungsrichter und gab bei deutschen Meisterschaften sogar Jens Weißflog Haltungsnoten. Doch als er zum Studium nach Cottbus ging, waren die Schanzen zu weit weg. Deshalb engagierte er sich als erster studentischer, ostdeutscher Vertreter im Vorstand des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes. „Dort bekam ich einen Turbokurs in Demokratie und Politik.“

In dieser Zeit wuchs auch die Liebe zum Football, wobei – es war eigentlich Liebe auf den ersten Blick. Als Vorsitzender des Studentenrats ließ er zum Stadtfest 1992 ein Ligaspiel von zwei Berliner Teams nach Cottbus verlegen. Was er nicht ahnte, „die Leute sind mir danach die Bude eingerannt“. Deshalb gründete er ein Jahr später seinen ersten Football-Verein, die Cottbus Crayfish. Die Mischung aus physischem Sport und Taktik fasziniert ihn bis heute.

Glöckners Wunsch für Dresden

Glöckner spielte bis Mitte der 1990er- Jahre selbst aktiv Football. „Es war natürlich super, in Dresden gleich Anschluss zu bekommen, als ich nach dem Studium 1992 hierher kam und das Team aus der Taufe gehoben wurde.“ Er war Mitinitiator, als sich 1998 aus der Abteilung Sportfreunde 01 ein eigener Verein gründete. Seitdem hat er als Präsident bei den Monarchs viel bewegt. Als erste Amtshandlung hat er damals einen Geschäftsführer eingestellt, und Jörg Dressler ist bis heute sein „Motor“, wie er betont. „Wir inspirieren uns gegenseitig.“

Sören Glöckner strahlt unheimlich viel Ruhe aus. Und ihm wird nachgesagt, er habe ein gutes Gespür, Konflikte zu schlichten. „Das liegt auch so ein bisschen in meinem Beruf, Streit zu vermeiden.“ Als Sachverständiger für Hausschäden sind Auseinandersetzungen an der Tagesordnung.

Der Blick über den Tellerrand – beruflich wie privat – ist dem dreifachen Familienvater wichtig. Als Projektleiter zur Olympiabewerbung der Stadt Leipzig für 2012 erlebte er spannende Zeiten genauso wie zur Fußball-WM 2006, als er für das Leipziger Stadion als Spielstätte verantwortlich war. Prägend sind auch die Monate in Dresden, als er als Geschäftsführer bei der Frauen-Fußball-WM für den Standort in Sachsen die Verantwortung trug.

Sören Glöckner hofft auf mehr große Sportveranstaltungen in der Landeshauptstadt wie die Austragung einer Universiade, die Weltmeisterschaft der Studenten. „Ich wünsche mir, dass wir in Dresden öfter die Welt zu Gast haben, statt dass sich die Leute Gedanken machen über die vielen Fremden in der Stadt, die es gar nicht gibt.“ Dass er dann noch einmal bei einem Großevent mitwirkt, so sehr er sich Olympische Spiele herbeisehnen würde, ist jedoch unwahrscheinlich. „So ein Job verbrennt schon sehr viel Energie. Ich weiß auch die jetzige Lebensqualität zu schätzen.“

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Und die hat auch damit zu tun, dass er sein schnelles Auto gegen ein schnelles Fahrrad, ein sogenanntes Speed Pedelec, eingetauscht hat. Seitdem ist er zu allen Terminen zwischen Büro, Baustelle und Haus in Dölzschen auf seinem 45 km/h schnellen E-Bike unterwegs. Sein bewegtes Leben geht weiter. Nur anders.

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