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Kampfansage an Dresdens neue Football-Meister

Die Dresden Monarchs sehen sich nach dem Sieg im German Bowl jetzt als stärkstes Football-Team Europas. In Frankfurt ist man da anderer Meinung.

Jubelten schon am 26. September in Düsseldorf: Die Spieler von Frankfurt Galaxy setzten sich im Finale der europäischen Profiliga ELF gegen die Hamburg Sea Devils durch und reckten den Pokal in die Höhe .
Jubelten schon am 26. September in Düsseldorf: Die Spieler von Frankfurt Galaxy setzten sich im Finale der europäischen Profiliga ELF gegen die Hamburg Sea Devils durch und reckten den Pokal in die Höhe . © dpa/Federico Gambarini

Frankfurt am Main/Dresden. Jetzt ist eine Woche lang Feiern angesagt. Am Dienstagabend luden die American Footballer der Dresden Monarchs zur Party ins Trainingszentrum an der Bärnsdorfer Straße ein. Fast 500 Fans folgten dem Aufruf des neuen deutschen Meisters.

Der hatte am Samstagabend mit einem 28:19-Erfolg über die Schwäbisch Hall Unicorns erstmals den German Bowl gewonnen – die wichtigste Trophäe in der vermeintlich stärksten Liga Europas. Auch deshalb und im Überschwang des frischen Erfolges rief Monarchs-Trainer Ulrich Däuber seine Mannschaft als das stärkste Football-Team Europas aus. Schließlich hatte Schwäbisch Hall zuvor den Europapokal gewonnen. Aber stimmt diese These des 51-jährigen Däuber?

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Immerhin gibt es seit dieser Saison parallel zur German Football League (GFL) die sogenannte European League of Football (ELF), die sich als künftige Profiliga auf dem übersichtlichen Footballmarkt positionieren will – und überwiegend mit deutschen Teams besetzt ist.

Kein Interesse an einem Duell

Monarchs-Chef Sören Glöckner hatte deshalb sehr zeitig vor einer Kanibalisierung der deutschen Football-Landschaft gewarnt. Zwei Wochen vor den Dresdnern kürte sich das Team von Frankfurt Galaxy nun zum ersten ELF-Champion. Doch wie kommen die Aussagen aus Dresden in Frankfurt an?

„Zunächst einmal Glückwunsch nach Dresden, nach all den Jahren war das hochverdient“, sagt Galaxy-Cheftrainer Thomas Kösling – und setzt nach: „Lange Zeit galt die GFL ja als die stärkste Liga Europas.“ Dass diese Zeit vorbei sei, erwähnt er nicht explizit, lässt das allerdings zumindest durchblicken. „Die zwei, drei besten GFL-Teams zählen sicher zu den besten Mannschaften Europas. Von daher ist es okay, dass Ulrich Däuber so etwas über sein Team sagt“, erklärt Kösling. Und wer ist nun stärker: Dresden oder Frankfurt?

Bei den Monarchs verspürt man kein gesteigertes Interesse daran, das in einem sportlichen Vergleich herauszufinden. Dafür hat die ELF nach Ansicht der Dresdner zu viele Gräben in der Szene aufgerissen. Däuber erteilt einem möglichen Duell beider Champions eine klare Absage: „Wir verstehen uns als deutsches Vereinsteam, der Vergleich mit der ELF kommt mir gar nicht in den Sinn. Wir wollten den German Bowl gewinnen, und das haben wir geschafft“, sagt Däuber, und er betont noch einmal: „Wir haben das Team geschlagen, dass im europäischen Vergleich die beste Mannschaft ist. Das bedeutet für mich, dass wir das beste Team Europas sind – ohne arrogant zu klingen.“

Monarchs-Headcoach Ulrich "Ulz" Däuber bedauert, dass die beiden Ligen GFL und ELF " die Kräfte nicht vereinen können".
Monarchs-Headcoach Ulrich "Ulz" Däuber bedauert, dass die beiden Ligen GFL und ELF " die Kräfte nicht vereinen können". © Matthias Rietschel

Letztlich prallen zwei konträre Meinungen aufeinander. Die Bundesliga-Vereine gehen nicht davon aus, dass sich der Football in Deutschland zu einer vollprofessionellen Sportart entwickeln wird und kann. Die ELF will grob gesprochen genau das: Geld mit American Football verdienen.

Die pure Idee findet auch Sören Glöckner nicht schlecht: „Eine professionelle Liga auf europäischer Ebene finde ich schon gut, allerdings nicht als Geschäftsmodell, sondern als Erfolgsmodell getragen von Vereinen und Verbänden“, sagt der Monarchs-Präsident und ergänzt: „Ich denke, Football muss im Amateurbereich bleiben, damit es professionell sein kann. Wenn man einen 60-Mann-Kader hat und alles Profis mit Mindestlohn, ist es unrealistisch, dass alle davon leben können.“

30 Jahre Vereinsarbeit sollen nicht umsonst gewesen sein

Auch Däuber steht dem Konzept der ELF mit Franchise-Teams skeptisch gegenüber. „Ich finde es schade, dass wir die Kräfte nicht vereinen können. Da passieren auf beiden Seiten positive und negative Dinge. Wenn man das Beste bündeln könnte, wäre das doch gut.“ Vonseiten der ELF vermisst er diese Bereitschaft zum Kompromiss. Und Glöckner ergänzt: „Wir würden 30 Jahre Vereinsarbeit über den Haufen werfen, um kurzfristig an einem Traum zu arbeiten, an den wir gar nicht glauben.“

Auch in Frankfurt/Main ist die gegenseitige Abneigung hinlänglich bekannt. „Es wäre für alle Football-Fans ein hochinteressantes Spiel, wenn die beiden Champions der ELF und GFL irgendwie aufeinandertreffen könnten“, unterstreicht Galaxy-Trainer Kösling, vermutet aber: „In der Praxis ist das nicht machbar, weil die beiden Verbände nicht miteinander reden. Das Spiel Galaxy gegen Dresden wäre ein extrem spannendes, weil beide Mannschaften zum Besten gehören, was in Europa gerade läuft. Das Niveau an der Spitze ist ziemlich gleich“, sagt er.

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Bei einem Freundschaftsspiel könnten beide Teams die Interessen der konkurrierenden Ligen außen vor lassen. Kösling verweist aber darauf, sein Team längst nicht mehr beisammen zu haben, und ohnehin kommt er zu dem Schluss: „Das bleibt nur ein Gedankenspiel von vielen Footballfans. Den Rest werden wir leider wahrscheinlich nie erfahren.“

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