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Wie können sich die Monarchs das leisten?

Für das große Ziel verstärken sich die Dresdner Footballer noch mal. Dafür werden auch Eitelkeiten beiseitegelegt.

AJ Wentland spielt wieder für die Dresden Monarchs.
AJ Wentland spielt wieder für die Dresden Monarchs. © Archiv: Lutz Hentschel

Dresden. Mancher Anhänger der in Deutschland immer noch eher übersichtlichen Football-Szene mag sich in den vergangenen Tagen ungläubig die Augen gerieben haben. Die jüngsten Transfermeldungen des selbst ernannten Titelaspiranten Dresden Monarchs erscheinen jedenfalls erstaunlich. Zunächst stellte der Tabellenführer der Nordstaffel der zweigleisigen German Football League (GFL) den 23-jährigen US-Amerikaner Devwah Whaley als Runningback vor. Nun holte Cheftrainer Ulrich Däuber für die Endphase der Saison auch AJ Wentland zurück.

Der Amerikaner galt in den vergangenen zwei Spielzeiten als der beste Abwehrspieler der Liga, schlug vor dieser Spielzeit allerdings ein Angebot der Monarchs aus und nahm stattdessen eine Offerte der Innsbruck Swarco Raiders an. Mit dem Team hat er am 31. Juli die österreichische Meisterschaft gewonnen.

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Auch die Dresden Monarchs streben den Titel an, wollen erstmals seit 2013 zumindest wieder in das Finale um den German Bowl einziehen. Damals unterlagen die Sachsen äußerst unglücklich mit 34:35 gegen Braunschweig. Doch in dieser Saison sind die Vorzeichen andere. Das liegt auch daran, dass der Verein die aufgrund der Corona-Pandemie komplett abgesagte Spielzeit 2020 wirtschaftlich erstaunlich gut überstanden hat.

„Ein ganz wesentliches Standbein ist, dass wir keine Mitglieder verloren haben. Im Gegenteil, wir haben welche dazugewonnen. Auch unsere Sponsoren sind alle geblieben, haben geleistet – ein sehr wichtiger Punkt“, erklärt Monarchs-Präsident Sören Glöckner. Einige Partner haben ihre Leistungen sogar aufgestockt, sodass die Dresdner mit einem defensiv geplanten Etat von etwas mehr als 600.000 Euro gesund durch die Saison gehen.

Auch die Ausfallzahlungen von Bund und Land haben den Footballern geholfen. „Wir haben 80 Prozent Ersatz für die weggefallenen Zuschauereinnahmen der ausgefallenen Spielzeit erstattet bekommen“, sagt Glöckner. Allerdings werden diese Leistungen mit aktuellen Einnahmen verrechnet. Derzeit dürfen Dresdner im Heinz-Steyer-Stadion vor 1.530 Zuschauern spielen – das liegt unter dem üblichen Besucherdurchschnitt der Monarchs. „Dafür bekommen wir eine Kompensierung“, sagt Glöckner.

Finanziell genau konzipiert

Allerdings ist das kein Alleinstellungsmerkmal. „Wir leiden wirtschaftlich nicht unter der Reduzierung der Besucherzahl. Das ist kein Wettbewerbsvorteil, finanziell dürfte in der GFL niemand aufgrund der Pandemie Probleme haben“, meint der Monarchs-Präsident und bekräftigt: „Finanziell sind wir in einer guten Phase. Dabei kommen wir mit weniger Geld deutlich weiter als andere Vereine, unsere Strukturen sind anders aufgebaut.“

Der beste ostdeutsche Football-Verein hat die laufende Spielzeit bis auf das kleinste Detail konzipiert. Vermutlich in dem Wissen, dass sich mutmaßliche Konkurrenten mit anderen Problemen herumschlagen. Die späte Verpflichtung von Runningback Devwah Whaley mussten die Monarchs beispielsweise bis zum üblichen Stichtag am 31. Juli bei der GFL anzeigen. „Wir hatten die Saison so durchgeplant – auch mit den Verstärkungen, die jetzt am Saisonende eingetroffen sind. In der Summe geht das für uns gut auf. Dass alles so geklappt hat, war aber nicht vorhersehbar“, sagt Glöckner. Und meint damit das Comeback des Abwehr-Hünen AJ Wentland. „Eine glückliche Fügung“, nennt der Vereinsboss die Verpflichtung für die möglichen letzten vier Spiele.

Die Anfrage kam von dem 26-Jährigen selbst. Für dessen Rückkehr spielt eine coronabedingte Änderung der Bundesspielordnung eine wesentliche Rolle. Normalerweise wäre Wentland, der mit einer Dresdnerin liiert ist, nach seinem Einsatz für Innsbruck vor einem Wechsel in die GFL mit einer Sperre von fünf Spielen belegt worden. „Diese Klausel ist vorübergehend gestrichen worden“, sagt Glöckner. Allerdings sind seit Wentlands letztem Spiel für Innsbruck auch schon vier Monarchs-Partien ausgetragen worden. Am Sonntag, 15 Uhr, beim letzten Normalrundenspiel gegen Potsdam kann er dennoch auflaufen – zunächst als Back-up für Landsmann Apela Kaulanu.

Verständnis für die Entscheidung

Dabei blenden Chefcoach Däuber und seine Trainerkollegen aus, dass Wentland das ursprüngliche Angebot der Monarchs ausgeschlagen hat. „Spätestens im Play-off-Halbfinale muss man jedwede Eitelkeiten über Bord werfen“, sagt Assistenztrainer Thomas Stantke, der ohnehin Verständnis für die Entscheidung von Wentland zeigt. „Er war zuvor zwei Jahre bei uns, plus die nicht ausgespielte Corona-Saison. Da will man als junger Kerl auch mal etwas anderes kennenlernen“, sagt er.

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Vor dem Duell gegen Potsdam ist klar: Die Monarchs sind sportlich stärker denn je, sie könnten mit einem Sieg erstmals in der Vereinsgeschichte den letztlich bedeutungslosen Titel des Nordmeisters der GFL feiern. Dafür würde selbst eine knappe Niederlage gegen den unmittelbaren Verfolger reichen. In Dresden spricht man so offen wie nie von Gewinn des German Bowl. „Das kann man nicht leugnen. Wenn ich das jetzt anders kommunizieren würde, wäre das nicht glaubwürdig. Wir haben alles getan. Jetzt brauchen wir noch das nötige Glück“, sagt Glöckner.

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