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Hamilton zieht in Spanien davon

Der Formel-1-Weltmeister weist Verstappen in die Schranken. Vettel geht erneut leer aus. Schumacher schlägt sich achtbar.

Lewis Hamilton bejubelt seinen Erfolg.
Lewis Hamilton bejubelt seinen Erfolg. © Joan Monfort/AP/dpa

Von Thomas Wolfer und Jens Marx

Barcelona. Max Verstappen funkte noch aus seinem Rennwagen das bittere Fazit im Kampf gegen den übermächtigen Lewis Hamilton. "Es ist, wie es ist, es war unmöglich, ihn hinter uns zu halten", sagte der Niederländer, während der Brite nach einer liebevollen Streicheleinheit für seinen schwarz lackierten Silberpfeil die Glückwünsche seiner überglücklichen Mercedes-Crew genoss. "Ihr beeindruckt mich immer wieder", sagte der siebenfache Formel-1-Weltmeister am Sonntag in Barcelona: "Was für ein Tag."

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Teamchef Toto Wolff fasste die taktische Meisterleistung der Weltmeister-Mannschaft, gepaart mit einer famosen Leistung ihres Superstars, in zwei Worten zusammen: "Perfekte Kombination!"

Hamilton ließ sich auch von einer erfolgreichen Attacke des Niederländers gleich in der ersten Kurve nicht beeindrucken und konterte mit einer grandiosen Aufholjagd nach einem zweiten Boxenstopp beim Großen Preis von Spanien. Nach seiner 100. Pole fuhr er auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya seinen 98. Grand-Prix-Sieg und den fünften Erfolg auf dem Schwer-Überholbar-Kurs in Serie heraus. Dritter wurde Hamiltons-Teamkollege Valtteri Bottas.

Verstappen blieb bei der Reifenzockerei nur Rang zwei. Sechs Runden vor Schluss zog Hamilton an dem 23-Jährigen in dessen 100. Rennen für Red Bull vorbei. Nichts wurde es mit dem Triumph am Ort seines ersten Formel-1-Sieges vor fünf Jahren als jüngster Pilot der Motorsport-Königsklasse. Im Klassement wuchs Hamiltons Vorsprung vor dem Klassiker in zwei Wochen in Monaco auf 14 Punkte.

Im Windschatten des WM-Kampfs erlebte Sebastian Vettel ein weiteres Rennen unter den Ansprüchen eines vierfachen Weltmeisters - oder kurzum: zum Vergessen. Platz 13 und damit erneut nicht in den Punkterängen. Achtsam schlug sich dagegen auch in seinem erst vierten Rennen Mick Schumacher. Mehr als Rang 18 im lahmen Haas war für den 22 Jahre alten Formel-2-Champion aber nicht drin, nachdem er nach etwas mehr als der Hälfte überrundet worden war.

Denn die beiden WM-Widersacher vorn machten von Beginn an mächtig Druck. Verstappen wusste es wie Hamilton: Am Start könnte schon eine Vorentscheidung fallen. Verstappen stand auf Startrang zwei auf der schmutzigeren Innenseite, kam aber super weg, schob sich kurz direkt hinter Hamilton, scherte aus und attackierte den Spanien-Sieger der vergangenen vier Jahre in der ersten Kurve. Und es wurde knapp. Verstappen riskierte eine Berührung. Hamilton wich zurück. Der Herausforderer führte das Feld an.

Die beiden Deutschen kamen erst weiter hinten. Vettel war in der Qualifikation schon nicht über den 13. Platz hinausgekommen. Boden gut machen konnte der nun auch bei Aston Martin weiter kriselnde Hesse zunächst nicht - im Gegensatz zu Schumacher, der sich erst mal um zwei Ränge verbesserte und zwischenzeitig auf Platz 16 vorschob.
Verstappen konnte sich nicht absetzen. Jegliche Vorsprünge wären auch dahin gewesen, als der Alpha Tauri des japanischen Neulings Yuki Tsunoda stehen blieb und das Safety Car raus musste. Verstappen meisterte auch den stets heiklen Moment, wenn die Fahrer wieder Gas geben dürfen, souverän. Hamilton kam nicht ran. Was tun? Was nun?

Den Ruf einer Prozessionsstrecke hat der Kurs vor den Toren Barcelonas schon lange. Überholen ist auch mit den Hilfsmitteln der aktuellen Rennwagen kaum möglich. Dass von 30 Rennen der Sieger 27-mal aus der ersten Reihe startete, stärkt den Ruf der Strecke. Also würde es vermutlich nur über die Strategie gehen. Die weichste Reifenmischung baute ab. Hamilton setzte Verstappen jetzt unter Druck, verkürzte den Rückstand auf unter eine Sekunde, als Verstappen zum Reifenwechsel reinfuhr.

Und dann das: 4,2 Sekunden. Nicht selten wechselt die Red-Bull-Crew die vier Räder in unter zwei Sekunden. Der Mercedes-Kommandostand und auch Hamilton wussten, dass das die entscheidende Phase des Rennens sein könnte. Auch ein 2,7-Sekunden-Reifenwechsel brachte aus Mercedes-Sicht nicht die erhoffte Wirkung. Hamilton blieb hinter Verstappen, verkürzte aber den Rückstand. Ein Fehler von Verstappen, und der Brite wäre wieder vorn. Der Red-Bull-Hoffnungsträger machte keinen Fehler, klagte aber über die Reifen. Als Hamilton nahezu dran war, bog er Richtung Box ab. Wieder auf der Strecke, rief er robotergleich Spitzenzeiten in seinem Dienstwagen ab.

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Red Bull wagte es und ließ Verstappen draußen: Ein-Stopp-Strategie - rund 21 Sekunden Vorsprung bei noch gut 20 Runden. Die Hamilton-Jagd war eröffnet. Einmal mehr fuhr der Rekordpilot der Königsklasse in einer eigenen Liga. Teils zwei Sekunden in einer Runde machte er gut. "Ich habe am Ende des Rennens keine Reifen mehr übrig", funkte der Brite angesichts der aggressiven Strategie. Bei Verstappen sei es noch weniger, kam die Antwort vom Kommandostand. In der 60. Runde musste der Niederländer Hamilton vorbeiziehen lassen. Die Entscheidung war gefallen. Um wenigstens noch einen Zusatzpunkt zu ergattern, ließ er sich noch mal die weichen Reifen aufziehen. (dpa)

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