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Nein, bei den Bayern passiert das nicht

Trotz des positiven Corona-Tests von Serge Gnabry spielen die Münchner in der Champions Leage. Unverantwortlich, meint SZ-Sportredakteur Sven Geisler.

©  dpa/Sven Hoppe

Seine Stimme stockt, er kämpft mit den Tränen. „Eine Frage, die die ganze Zeit noch nicht gestellt worden ist“, sagt Chris Löwe und muss erst einmal schlucken, bevor er sie formulieren kann: „Wäre dasselbe mit Bayern München oder Borussia Dortmund passiert oder nur mit uns?“ Die Antwort stand aus. Bis sie das Gesundheitsamt in München und der europäische Fußball-Verband am Mittwoch gaben: Nein!

Während Löwe mit der Mannschaft von Dynamo Dresden am 9. Mai wegen zwei Corona-Fällen für 14 Tage in häusliche Quarantäne mussten, durfte der FC Bayern nur einen Tag nach dem positiven Test von Serge Gnabry in der Champions League gegen Atletico Madrid spielen. Darüber regt sich niemand auf, vielmehr gibt es reichlich Erklärungen, warum das so sein durfte. Die Ansteckungsgefahr auf dem Fußballplatz sei gering, heißt es, und außerhalb würden die Profis sowieso auf Abstand gehen und jederzeit ihre Mund-Nase-Bedeckung tragen.

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Die Hygiene-Regeln hatten sie auch bei Dynamo eingehalten und das Gesundheitsamt in Dresden trotzdem anders entschieden, eben weil die Spieler vorher im Training Körperkontakt hatten. Das ist anscheinend kein Kriterium mehr. Dafür zählen eilig durchgeführte Tests nur wenige Stunden nach dem positiven Gnabry-Befund für die Freigabe, obwohl die Infektion möglicherweise so schnell noch gar nicht nachzuweisen ist. Hauptsache, der Spielplan kann durchgezogen werden. Das geben die Verantwortlichen offen zu, Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge erklärt: „Ein nochmaliger Lockdown wäre für den Fußball ein Drama.“

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Das war und ist der Abstieg für Dynamo, der durch die Wettbewerbsverzerrung in der Corona-Krise mindestens begünstigt wurde, natürlich auch. Nur kräht eben kein Hahn nach einem Zweitligisten, der sowieso absteigt, wie es Löwe in seinem Wutausbruch formuliert hat. Die Stadt München und der FC Bayern haben der Gesellschaft einen Bärendienst erwiesen, weil sie die Glaubwürdigkeit der Corona-Maßnahmen für ein Fußballspiel riskieren. Das ist unverantwortlich.

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