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Trainer-Vertrag: Aufsteigen erlaubt, absteigen nicht

Alexander Schmidt bekommt einen neuen Zweijahres-Vertrag als Dynamo-Coach – mit einer klaren Perspektive. Sein Chef hat hohe Ansprüche.

Von Daniel Klein
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Sportchef Ralf Becker (l.) hat mit Alexander Schmidt verlängert.
Sportchef Ralf Becker (l.) hat mit Alexander Schmidt verlängert. © Foto: dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. In Vor-Corona-Zeiten wurden Vertragsverlängerungen mit dem Cheftrainer noch zelebriert. Da kritzelten die Beteiligten unter Blitzlichtgewitter ihre Unterschriften auf die letzte Seite des Papiers, lächelten beim Shakehands in die Kameras und überreichten sich Trikots mit dem Laufzeitende als Rückennummer. Alles anders jetzt.

Vor allem viel schlichter. Bei der Pressekonferenz vor Dynamos Saisonfinale am Samstag beim SV Wehen Wiesbaden ist die Verlängerung des Vertrages von Alexander Schmidt nur ein Thema unter vielen. Gesprochen wird auch über die angestrebte Drittliga-Meisterschaft, das Aus der Jugendtruppe im Halbfinale des Sachsenpokals, über die Herausforderungen der zu Ende gehenden wie der neuen Saison, über die Planung des Kaders, die Trennung von Markus Kauczinski, eine nachgeholte Feier.

Man muss sich schon konzentrieren, um die wichtigste Botschaft der 45 Minuten nicht zu überhören. Ralf Becker fühlt offenbar ähnlich, also überlegt er länger als sonst und antwortet dann so kurz wie möglich: „Nicht für die 3. Liga“, sagt Dynamos Sportchef auf die Frage, in welchen Ligen der neue Zweijahres-Vertrag des Cheftrainers eigentlich gilt. Anders formuliert: Ein Durchmarsch von der zweiten in die erste Liga ist erlaubt, die Rückkehr in die dritte Liga jedoch nicht.

Alles andere hätte zwar auch überrascht, dennoch zeigt die Klausel, welche Ansprüche Becker hat. Bei seinem Amtsantritt als Geschäftsführer Sport vor knapp einem Jahr, unmittelbar nach dem Absturz in die Drittklassigkeit, hatte er öffentlich stets vom Zweijahres-Plan für die Rückkehr in die 2. Bundesliga gesprochen. Als es in der Winterpause um die Vertragsverlängerung mit Trainer Markus Kauczinski ging, Dynamo war zu diesem Zeitpunkt souveräner Tabellenführer, wollte er die an den direkten Wiederaufstieg knüpfen. Das lehnte Kauczinski ab. Es war wohl der Moment, in der die Beziehung der beiden Risse bekam.

Erfolg so schnell wie möglich - ohne Umwege

Die Entlassung fünf Monate später, als das nachjustierte Saisonziel plötzlich in Gefahr zu geraten schien, war dann nur die logische Konsequenz. Becker will Erfolg. Und das so schnell wie möglich. Ohne Umwege. Schmidt, als Feuerwehrmann sechs Spiele vor Saisonende geholt, bekam lediglich einen Vertrag bis Ende Juni. „Ich wollte da keine endgültige Entscheidung treffen, weil es ja durchaus die Möglichkeit gab, dass wir das Ziel nicht erreichen. Und dann stehen wir wieder da und fragen uns, ob es noch passt“, erklärt Becker rückblickend. Hätte Schmidt die Mannschaft also nicht in die zweite Liga geführt, wäre die Zusammenarbeit am Samstag wohl schon wieder zu Ende gewesen.

Nun sitzen beide im Trainingszentrum auf dem Podium des Presseraums und Becker soll erklären, warum Schmidt der richtige Trainer für die 2. Liga ist. Er sei authentisch, ehrlich und offen, beginnt der Sportchef. „Er hat eine klare Idee, Spiele zu gewinnen, die auch zu unserer Philosophie passt: offensiv, hohe Leidenschaft, hohe Intensität.“ Man könnte das unter Lobhudelei einordnen oder aber als Anforderungsprofil für die neue Saison. Falls Becker diese Kriterien auf dem Platz vermissen sollte, könnte es eng werden für den Trainer.

Als Ziel für die neue Saison nennt der Sportchef einen „Platz unter den ersten 15“, laut Bild-Zeitung gibt es einen Plan bis 2026, bis dahin soll der Bundesliga-Aufstieg realistisch sein. Sollte es schneller gehen, hätte wohl niemand etwas dagegen.

Doch zunächst muss der Kader für die nächste Spielzeit zusammengestellt werden. „Seit Dienstag beschäftigen wir uns mit Spielern und Szenarien“, erklärt Becker. Gespräche sollen mit allen Profis geführt werden, also auch mit denen, bei denen der Vertrag weiterläuft. „Mal schauen, ob eine Wunschliste von Alex kommt“, sagt Becker. Der Trainer signalisiert jedoch schon mal, dass er keine großen Ansprüche stellen wird, zumindest nicht quantitativ. „Wir brauchen keine 15 neuen Spieler“, sagt er. Einen erneuten Umbruch wird es also nicht geben.

Auch die Verträge der Co-Trainer Ferydoon Zandi (l.) und Heiko Scholz wurden bis 2023 verlängert.
Auch die Verträge der Co-Trainer Ferydoon Zandi (l.) und Heiko Scholz wurden bis 2023 verlängert. © Foto: Lutz Hentschel

Das gilt auch für die Bank. Neben Schmidt dürfen auch die beiden Co-Trainer Ferydoon Zandi und Heiko Scholz bis 2023 bleiben. Scholz war bereits als Interimslösung nach der Entlassung von Cristian Fiel Ende 2019 zurück nach Dresden gekommen, Zandi hatte Kauczinski vergangenen Sommer zu Dynamo gelockt. „Ich bin mit ihnen sehr zufrieden, deshalb habe ich da auch keine Bedingungen gestellt“, erklärt Schmidt, der auf einen persönlichen Assistenten verzichtet.

Trotz all der Punkte, die für Schmidt sprechen, die vier Siege und null Gegentore in den fünf Spielen unter seiner Regie etwa, gibt es auch einen anderen: Der 52-Jährige hat kaum Zweitliga-Erfahrung – und die liegt auch schon länger zurück. In der Saison 2012/13 saß er für 26 Partien bei 1860 München auf der Bank. „Das war auch eine wilde und verrückte Zeit“, erinnert er sich. Bei seinem Debüt hatte Investor Hasan Ismaik gleich mal die Trainerlegende Sven-Göran Eriksson mitgebracht und auf die Tribüne gesetzt. Der Schwede sollte als Chef übernehmen und Schmidt wieder ins zweite Glied zurücktreten. Es kam anders. Die Episode soll zeigen: Dynamos Chefcoach ist stressresistent.

Am Samstag will er „das Ding hochhalten. Ich weiß gar nicht, ob es ein Pokal oder eine Schale ist“, rätselt er. Danach hat die Mannschaft drei Wochen Urlaub. Am 14. Juni soll die Vorbereitung starten – mit der Leistungsdiagnostik und der Corona-Schutzimpfung. Auch das ist jetzt anders.

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