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Vier Gründe, warum Dynamo nicht mehr gewinnt

Der Aufstieg ist plötzlich gefährdet. Doch wie konnte es dazu kommen? Welchen Anteil hat daran der Trainer? Und welche Lösungen gibt es? Eine Analyse.

Das Gesicht von Markus Kauczinski sah schon mal entspannter aus.
Das Gesicht von Markus Kauczinski sah schon mal entspannter aus. © PICTURE POINT/Sven Sonntag

Dresden. Unmittelbar nach der Niederlage in Unterhaching schätzte Markus Kauczinski die Stimmung treffend ein. „Es wird jetzt stürmischer“, prognostizierte Dynamos Trainer. Die Vorhersage ist keine mutige angesichts der sportlichen Entwicklung, die trotz der Tabellenführung besorgniserregend ist: Von den letzten fünf Spielen gewannen die Dresdner nur eins und erzielten dabei lediglich zwei Tore, seit 348 Minuten herrscht sogar eine Komplettflaute. Wird dieser Trend nicht schnell gestoppt, könnte die Mannschaft auf der Zielgeraden der Saison den Aufstieg noch verspielen.

Die Lage ist also ernst. Am Montag, als der Verein seinen 68. Geburtstag feierte, tauschten sich Sportchef Ralf Becker und der Aufsichtsrat aus. Man könnte es durchaus als Krisengespräch einordnen. Gesucht wurde nach einer Antwort auf die Frage, warum die Mannschaft plötzlich keine Spiele mehr gewinnt und nun selbst beim Schlusslicht verliert. Sächsische.de liefert vier Antworten:

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Die Verletzten können nicht mehr kompensiert werden

Acht Profis fehlten in Unterhaching, darunter waren mit Marco Hartmann, Robin Becker, Patrick Weihrauch, Chris Löwe, Jonathan Meier und Leroy Kwadwo sechs Spieler, die zumindest Ansprüche auf die Startelf anmelden könnten. Verletzungspech hatte Dynamo auch schon in den vergangenen Monaten, doch meist konnte das kompensiert werden, weil die Mannschaft in der Breite gut aufgestellt und wahrscheinlich die beste in der 3. Liga ist. Nun aber scheint selbst dieser Kader an seine Grenzen zu stoßen. Ein Beispiel: Linksverteidiger Meier wurde gegen Haching vom Rechtsverteidiger Niklas Kreuzer vertreten. Und ein zweites: Wenn Sebastian Mai am Samstag gegen den MSV Duisburg seine fünfte Gelbe Karte abbrummt, wäre Kwadwo der logische Ersatzmann. Der aber fällt mit einem Muskelfaserriss selbst aus. Vermutlich muss mit Paul Will deshalb ein Mittelfeldmann einspringen.

Zu viele Spieler stecken derzeit in einem Leistungstief

„Es ist gerade so, dass nicht jeder an sein Limit kommt und in Topverfassung ist“, meinte Kauczinski nach dem 0:2 in Unterhaching und bezog das auf die Offensivabteilung. Man kann das auch an Namen festmachen: Ransford-Yeboah Königsdörffer ist bei Dynamo die Entdeckung der Saison, schoss sechs Tore, bereitete drei vor, überzeugte mit Tempodribblings. Am Sonntag verschuldete er nicht nur den Elfmeter, sondern leitete auch einige Konter der Hachinger ein. Er steckt offensichtlich in einem Loch – was für einen 19-Jährigen, der seine erste komplette Saison als Profi spielt, völlig normal ist. Doch er ist – und das macht es zum Problem – nicht der einzige. Heinz Mörschel bekam von Kauczinski eine Pause verordnet, Marvin Stefaniak erspielte sich bei seinem Startelf-Comeback zwar Chancen, nutzte die aber nicht. Und Yannick Stark ringt nach seiner Schulterverletzung noch um seine Form.

Wenn es nicht läuft, fehlt es an der taktischen Variabilität

Kauczinski schöpfte gegen Haching das komplette Wechselkontingent aus und begann schon in der Halbzeit mit seinem Austauschprogramm. Allerdings kamen Stürmer für Stürmer und Mittelfeldspieler für Mittelfeldspieler. Die positionsgetreuen Wechsel änderten nichts am pomadigen Auftritt. Auf eine Systemumstellung verzichtete der Trainer, dabei war das eines seiner selbstgesteckten Ziele vor der Saison. Die Mannschaft müsse in der Lage sein, taktisch flexibel zu reagieren, erklärte er damals. In den vergangenen Wochen wären Umstellungen zumindest eine Option gewesen. Kauczinski nutzte die nicht.

Nicht nur deshalb gerät der 51-Jährige bei einigen Anhängern, die ihre Enttäuschung auf den sozialen Plattformen äußerten, in die Kritik. Auch intern scheint er nicht komplett unumstritten zu sein. Dass Sportchef Becker eine Vertragsverlängerung mit Kauczinski vom Aufstieg abhängig macht, ist da nur ein Indiz.

Die komfortable Ausgangslage scheint zu lähmen

Der beruhigende Vorsprung in der Tabelle wirkte ganz offensichtlich nicht beruhigend, er schmolz Punkt für Punkt. Die Situation war für den Spitzenreiter, der seit Anfang Dezember die Position verteidigt, nur auf den ersten Blick komfortabel. Je näher das Saisonfinale und damit der Aufstieg rückt, desto ärgerlicher und peinlicher wäre es, das mühsam Aufgebaute noch zu verspielen. Dynamo als der große Favorit und Dominator der Liga kann nur noch verlieren, Siege wären eine Art Selbstverständlichkeit. Dieses Szenarium könnte von den Spielern als Bedrohung wahrgenommen werden. Und die lähmt.

Kauczinski registrierte gegen Haching, dass seine Mannschaft „immer nervöser wurde“ und forderte, dass sie auch nach einem Rückstand in der Lage sein müsse, „ruhig weiter zu spielen.“ Per Knopfdruck lässt sich die Angst vor einem Fehler jedoch nicht vertreiben. Helfen könnten Fans, die ihre Mannschaft anfeuern, wenn es nicht läuft. Dynamo hat viele und laute Anhänger, die momentan aber nicht ins Stadion dürfen. Das trifft den Spitzenreiter womöglich härter als andere Drittligisten.

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Doch wie nun weiter? Die Verletztenliste wird nicht über Nacht kürzer und Zuschauer kehren so schnell auch nicht zurück. Kauczinski ist wichtig, dass man jetzt „zusammensteht und nicht aufeinander zeigt. Wir müssen uns da alle gemeinsam rauskämpfen.“ Ein Sieg gegen Duisburg würde enorm helfen.

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