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Nach Sieg: Dynamo nur noch ein Schritt vorm Aufstieg

Dresden gewinnt verdient gegen Viktoria Köln, die Verfolger patzen und der Trainer mahnt zur Vorsicht - die Analyse und Stimmen zum 2:0.

Viel Grund zur Freude: Philipp Hosiner jubelt nach seinem Elfmetertor zum 2:0 mit Panagiotis Vlachodimos (M.) und Heinz Mörschel.
Viel Grund zur Freude: Philipp Hosiner jubelt nach seinem Elfmetertor zum 2:0 mit Panagiotis Vlachodimos (M.) und Heinz Mörschel. © Foto: dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Als der Schiri abpfeift, jubeln nur die Ersatzspieler auf der Tribüne. Die Kollegen auf dem Rasen sinken geschlossen in die Knie, sind zu erschöpft für Freudentänze. Außerdem kennen sie offenbar die Ergebnisse von den anderen Plätzen noch nicht. Die erfahren sie erst, als die Trainer und Betreuer auf den Platz eilen.

Vier Spiele in Folge nicht verloren, davon drei Siege und kein einziges Gegentor kassiert - das ist im Saisonendspurt die Statistik eines Aufsteigers. Dynamo steht auch tabellarisch ganz kurz vor der Rückkehr in die 2. Bundesliga, könnte die schon am kommenden Samstag beim Heimspiel gegen Türkgücü München perfekt machen, da alle drei Verfolger Punkte liegen gelassen haben. "Es wird gegen meinen Ex-Verein noch ein schwerer Brocken", mahnt Trainer Alexander Schmidt zunächst zur Vorsicht. "Aber mit einem Siegeswillen wie heute schaut es ganz gut aus", schiebt er noch nach und grinst zufrieden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Sieg:

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Warum weint Tim Knipping nach dem Spiel?

Es dauert ein wenig, aber dann wird es auf dem Rasen doch noch emotional. Bei Verteidiger Tim Knipping kullern sogar Tränen, Mitspieler nehmen ihn in den Arm. Doch was ist der Grund? "Ich will dazu nichts sagen, das soll er selber", erklärt Tim Mörschel, der darauf angesprochen wird. "Aber: Alles in Ordnung." Der Trainer rätselt: "Ich weiß es nicht so genau, habe ihn nicht gefragt."

Tim Knipping liegt in den Armen von Chris Löwe, auch Philipp Hosiner tröstet Dynamos Verteidiger.
Tim Knipping liegt in den Armen von Chris Löwe, auch Philipp Hosiner tröstet Dynamos Verteidiger. © Foto: dpa-Zentralbild/Robert Michael

Zeigt Dynamo eine Reaktion nach dem 0:0 gegen Verl?

Absolut. Von Beginn an ist eine ganz andere Körpersprache zu sehen als beim schwachen Auftritt am Dienstag. Die Spieler gehen viel aggressiver in die Zweikämpfe, stören früher - und das im Kollektiv. Mit dem frühen Anrennen haben die Kölner große Probleme, die aber auch deutlich weniger Gegenwehr zeigen als der Aufsteiger aus Verl. "Sie haben ein bisschen fad und lustlos gespielt", wundert sich Dresdens Schlussmann Kevin Broll. Er ist da nicht allein. "Die ersten 30 Minuten haben wir total verschlafen. So kenne ich meine Mannschaft nicht", sagt Kölns Trainer Olaf Janßen, der 2014 mit Dynamo abgestiegen war.

Schon nach fünf Minuten hätte der Spitzenreiter in Führung gehen müssen, doch Agyemang Diawusie vergibt innerhalb von 35 Sekunden zwei Riesenchancen. Erst hat er sieben Meter vor dem Tor Zeit, den Ball anzunehmen, doch beim Schuss rutsch ihm der Ball über den Schlappen. Dann umkurvt er drei Kölner, trifft aber den bereits am Boden liegenden Keeper Sebastian Mielitz. Kurz vor dem Pausenpfiff schießen die Schwarz-Gelben sogar ein drittes Tor. Doch Philipp Hosiner ist der Ball vorher an die Hand gesprungen, die Entscheidung, den Treffer nicht zu geben, somit korrekt.

Nach der Pause investiert Viktoria deutlich mehr, hat mehr Ballbesitz und lässt die Dresdner kaum aus ihrer Hälfte heraus. Zwar kommen die Kölner auch zu Abschlüssen, richtig gefährlich sind die aber nicht. Schmidt schöpft das komplette Wechsel-Kontingent schon früh aus, doch offensichtlich hat der Leistungsabbau in der zweiten Halbzeit auch konditionelle Gründe. Einsatz und Kampf stimmen weiter. "So lange wir frisch sind und unser Spiel durchziehen können, sind wir richtig stark", erklärt Schmidt.

Wie fallen die beiden Dynamo-Tore?

Entscheidend bei der Führung nach elf Minuten ist die Balleroberung von Kevin Ehlers an der Seitenlinie, der danach Tempo aufnimmt und auf Heinz Mörschel passt. Der hat Glück, dass sein Schuss aus 14 Metern auf dem Weg ins Tor gleich zweimal abgefälscht und somit unhaltbar wird für Keeper Mielitz. "So ein frühes Tor beflügelt natürlich immer", erklärt der Torschütze.

Maßgeblichen Anteil am 2:0 nach 31 Minuten hat der erst kurz vorher eingewechselte Panagiotis Vlachodimos. Im Strafraum fädelt er dankbar in die ausgestreckte Hacke von Kai Klefisch ein. Schiedsrichter Franz Bokop (Vechta) zögert kurz, entscheidet dann auf Strafstoß. Den verwandelt Philipp Hosiner sicher, es ist sein zehntes Saisontor. "Den muss man sicher nicht pfeifen", findet der verletzte Kapitän Sebastian Mai bei Magenta TV. "Aber ich bin froh, dass er es gemacht hat."

Gibt es Überraschungen in der Startelf?

Nur eine. Ransford-Yeboah Königsdörffer gehört nach 14-tägiger Quarantäne und nur wenigen Trainingseinheit gleich zur Anfangsformation. Allerdings geht er nach 28 Minuten schon wieder vom Platz. "Das war so vereinbart. Ich habe ihm gesagt: Power dich aus und gib mir dann ein Zeichen. Wir waren also vorbereitet", erklärt Schmidt den ungewöhnlich frühen Wechsel.

Im Vergleich zur Nullnummer in Verl fehlen in der Startelf Christoph Daferner (Gelbsperre) und Vlachodimos, sie werden von Königsdörffer und Heinz Mörschel ersetzt. Pascal Sohm, Patrick Weihrauch und Jonathan Meier, die in dieser Woche wieder ins Training eingestiegen waren, gehören dagegen nicht zum Kader.

Welche Folgen hat der Sieg für die Tabelle?

Gravierende, was vor allem daran liegt, dass alle drei Verfolger nicht über ein Unentschieden hinauskommen. Damit hat Dynamo nun zwei Spieltage vor Schluss vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, auf dem weiter 1860 München steht. Dass der noch verspielt wird, scheint sehr unwahrscheinlich - zumal das Restprogramm nicht das allerschwerste ist. Dynamo spielt noch gegen Türkgücü und Wiesbaden, der Tabellenzweite Rostock gegen Unterhaching und Lübeck, 1860 München gegen Bayern München II und Ingolstadt sowie Ingolstadt wiederum gegen Duisburg und 1860.

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"Wir bleiben unserem Motto treu und unterhalten uns nicht über Konstellationen", reagiert Schmidt auf eine Frage nach der komfortabelen Ausgangslage. "Die Jungs wissen ohnehin, was los ist." Zum Beispiel Niklas Kreuzer, der hin- und hergerissen ist. "So verrückt die 3. Liga ist, kann da noch alles passieren", meint er. "Aber wenn wir diese Mentalität auch gegen Türkgücü zeigen, mache ich mir keine Sorgen."

Hier der Liveticker zum Nachlesen.

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