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Aufstieg perfekt? Dynamos Trainer mahnt zur Vorsicht

Alexander Schmidt bittet nach dem Sieg gegen Köln um Zurückhaltung, dabei sind die Zahlen eindeutig. Ein Endspiel in Wiesbaden soll vermieden werden.

Alexander Schmidt kennt die Konstellationen, darüber spekulieren will Dynamos Trainer nicht.
Alexander Schmidt kennt die Konstellationen, darüber spekulieren will Dynamos Trainer nicht. © Foto: dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Als die Pressekonferenz schon vorbei ist und die beiden Trainer sich die Hände schütteln, raunt Olaf Janßen seinem Kollegen noch zu: „Ihr zieht das Ding.“ Alexander Schmidt lächelt und antwortet im Gehen fast schüchtern und sehr knapp: „Ja.“ Mutigere Prognosen sind zumindest nach außen hin nicht erlaubt. Wie die offizielle Deutung der mehr als komfortablen Ausgangslage klingen soll, hatte Dynamos Trainer Minuten vorher erklärt. „Wir bleiben unserem Motto treu: Wir wollen uns nicht über Tabellenkonstellationen unterhalten und keinen unnötigen Druck aufbauen. Die Mannschaft weiß ohnehin, was los ist“, sagte Schmidt.

Gemeint ist die sehr eindeutige Situation an der Tabellenspitze. Gewinnt Dynamo am Samstag das vorletzte Saisonspiel gegen Türkgücü München, wäre die Rückkehr in die 2. Bundesliga perfekt. Nach dem 2:0-Sieg gegen Viktoria Köln und dank der Patzer der drei Verfolger, die alle nur unentschieden gespielt haben, ist der Aufstiegskrimi aus Dresdner Sicht nicht mehr wirklich spannend.

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Das können auch zwei Mathematiker belegen, die im Auftrag der SZ Dynamos Chancen berechnet haben. Nach dem Modell von René Schilling (TU Dresden) und Georg Berschneider (Uni Magdeburg) liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Dynamo aufsteigen wird, nun bei 91,7 Prozent. Der kleine Rest entfällt auf den Relegationsplatz. Ein Abrutschen auf Rang vier ist nicht mehr möglich, da am letzten Spieltag 1860 München und der FC Ingolstadt aufeinandertreffen.

"Alle Trümpfe sind in unserer Hand"

Natürlich haben die Spieler diese Zahlen nicht im Kopf, als sie am Samstag nach dem Erfolg gegen Köln Fragen beantworten sollen. Sie klingen ähnlich wie der Trainer etwas zurückhaltend. „So verrückt wie die 3. Liga ist, kann noch alles passieren. Das muss uns bewusst sein“, mahnt Niklas Kreuzer in einem Interview. Yannick Stark spricht von einem „wichtigen Schritt“ und einer „sehr schönen Ausgangsposition“ und ergänzt: „So haben wir es uns gewünscht: Alle Trümpfe sind in unserer Hand.“

Das heißt: Selbst bei einer Niederlage gegen Türkgücü hätte Dynamo noch alle Chancen, doch auf ein Aufstiegsendspiel eine Woche später beim Mit-Absteiger SV Wehen Wiesbaden würden die Schwarz-Gelben gerne verzichten. Im eigenen Stadion zu feiern, ist schöner, selbst wenn wegen der Corona-Schutzverordnung erneut keine Fans ins Stadion dürfen.

Das ist ein Punkt, der Kreuzer umtreibt, weil er es 2016 ganz anders erlebt hatte. Kurz vor der Partie gegen Köln hatte das Trainerteam ein Video vom vergangenen Aufstieg gezeigt. „Ich habe dann jedem erzählt, was hier los ist. Deshalb tut es mir für die Jungs auch so leid, dass sie solche Momente wie jetzt gegen Köln in einem stillen Stadion erleben müssen. Ich wünsche ihnen, dass sie so schnell wie möglich wieder das spüren können, was Dynamo ausmacht: eine Höllenatmosphäre – und das in der 2. Liga.“

Auch gegen Viktoria wäre die Stimmung sicher schon bestens gewesen. Vor allem in der ersten Halbzeit, in der die Mannschaft ganz anders auftrat als noch am Dienstag bei der Nullnummer gegen den SC Verl, als leichte Zweifel aufgekommen waren, ob dem großen Favoriten auf der Zielgeraden nicht doch noch die Puste ausgehen könnte. Durch frühes Anlaufen erspielten sich die Dresdner reihenweise beste Möglichkeiten, bereits nach fünf Minuten hätte Agyemang Diawusie die Führung erzielen müssen, vergab aber zwei riesige Chancen.

Dass Ransford-Yeboah Königsdörffer in der Startelf stand, überraschte, schließlich war er wegen einer Corona-Infektion für 14 Tage in häuslicher Quarantäne. Die Luft reichte nur für 28 Minuten, dann ließ er sich auswechseln. Das sei so abgesprochen gewesen, versicherte Schmidt hinterher.

"Sie haben ein bisschen fad und lustlos gespielt"

Tore fielen auch so. Heinz Mörschel und Philipp Hosiner vom Elfmeterpunkt trafen noch vor der Pause, wobei sich die Gegenwehr der Kölner, die zuvor zehn Spiele in Folge nicht verloren hatten, in überschaubarem Rahmen hielt. „Sie haben ein bisschen fad und lustlos gespielt“, wunderte sich Dresdens Schlussmann Kevin Broll und war da nicht allein. „Die ersten 30 Minuten haben wir verschlafen und zum Toreschießen eingeladen. So kannte ich meine Mannschaft nicht“, sagte Janßen, der 2014 mit Dynamo abgestiegen war und nun „natürlich die Daumen drückt“. Nach der Pause investierte seine Mannschaft deutlich mehr, ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden. Dresden blieb damit das vierte Spiel in Folge, also seit dem Amtsantritt von Schmidt, ohne Gegentor.

Unter seinem Vorgänger Markus Kauczinski hatte das Team zuvor in vier Partien gar keinen Treffer erzielt. So ein Trainerwechsel sei ein komisches Phänomen, meinte Stark. „Es ist für mich immer noch unerklärlich, wie wir unter dem alten Trainer solche Spiele abliefern konnten. Jeder wollte, aber irgendwie hat es nicht funktioniert. Jetzt fahren wir ein bisschen eine andere Taktik, stehen höher und pressen früher – aber zu erklären ist das für mich trotzdem nicht.“

Für Schmidt war entscheidend, dass die Mannschaft intakt gewesen sei, die Spieler Hinweise „sehr gut annehmen, willig sind und gemerkt haben, dass man so gewinnen kann. Das ist natürlich wichtig.“ Mit den Erfolgserlebnissen kam das Selbstbewusstsein zurück. Und das ist seit Samstag noch größer geworden.

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„Wenn wir diese Mentalität auch nächste Woche an den Tag legen, dann mache ich mir keine Sorgen“, sagte Kreuzer. Selbst Schmidt wagte dann doch eine mutige Prognose: „Mit so einem Siegeswillen schaut es ganz gut aus.“

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