merken
PLUS Sport

Rassismus-Vorwurf gegen Ex-Dynamo Dennis Erdmann

Das Sportgericht vertagt die Verhandlung gegen den Verteidiger, der Magdeburger Spieler beleidigt haben soll, zum zweiten Mal. Der 30-Jährige fühlt sich unschuldig.

2018 spielte Dennis Erdmann (l.) noch selbst für Magdeburg, schreit hier den Ex-Dresdner Moussa Koné an. Nun werden dem Verteidiger rassistische Beleidigungen vorgeworfen - von Magdeburgern.
2018 spielte Dennis Erdmann (l.) noch selbst für Magdeburg, schreit hier den Ex-Dresdner Moussa Koné an. Nun werden dem Verteidiger rassistische Beleidigungen vorgeworfen - von Magdeburgern. © Robert Michael

Dresden/Frankfurt am Main. Es war kein gewöhnlicher Termin vergangene Woche Donnerstag vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main. Dort wurde verhandelt, ob Ex-Dynamo Dennis Erdmann Spieler des 1. FC Magdeburg beim Drittliga-Spiel rassistisch beleidigt hat. Der Verteidiger wie auch sein Verein, der 1. FC Saarbrücken, bestreiten das.

Eine Entscheidung fiel nach dreieinhalb Stunden jedoch nicht. Das Urteil sollte nun an diesem Donnerstag verkündet werden, doch auch daraus wird nichts. Die Verhandlung wird nun erst am Montag fortgesetzt, teilte der DFB mit. Erdmanns Anwalt Horst Kletke hatte wegen eines Parallel-Termins eine Verlegung beantragt. Erdmann ist vorerst gesperrt.

Anzeige
Ihr Geschäft soll bekannter werden? Los gehts!
Ihr Geschäft soll bekannter werden? Los gehts!

Führen Sie Ihr Geschäft mit Werbung auf sächsische.de zu einer Erfolgsgeschichte. Wir helfen Ihnen dabei!

Anwalt Kletke hatte eine Vertagung beantragt, um weitere Beweise zu sichten, da die Angelegenheit seiner Ansicht nach nicht aufgeklärt werden konnte. Zu Beginn der Verhandlung hatte Kletke von zahlreichen Hass-Mails gegen Erdmann berichtet. "Ich bin ein mental starker Spieler", sagte Erdmann. "Aber die vergangenen Tage waren unfassbar belastend für mich und meine Familie."

Die Vorwürfe gegen den 30-Jährigen erheben die Magdeburger Spieler Sirlord Conteh und Adrian Malachowski. Bestätigt hat dies auch Baris Atik, wie Erdmann ein Ex-Dresdner. "Klar sind Emotionen drin, aber rassistisch beleidigt zu werden, ist richtig asozial", wurde Atik nach der 1:2-Niederlage der Magdeburger in der Bild-Zeitung zitiert. Saarbrücken hatte zuletzt darauf verwiesen, dass das Thema weder in der Halbzeitpause des Spiels noch danach zur Sprache gekommen sei, "obwohl die Bedeutung der Tragweite dieser Thematik wohl allen bewusst gewesen sein müsste. In Anbetracht dieser Faktenlage entbehren die einseitig erhobenen und nicht belegten Vorwürfe Magdeburger Spieler jeder belastbaren Grundlage", schrieb der Verein.

Magdeburgs Trainer Christian Titz hatte später erklärt, einige seiner Spieler hätten ihm erst am späten Abend des Spieltages von rassistischen Ausfällen berichtet und diese detailliert geschildert.

"Halt die Klappe und spiele weiter Fußball"

"Ich habe lediglich gesagt, halte die Klappe und spiele weiter Fußball. Der Schiedsrichter stand dabei direkt daneben", ließ Erdmann über den Pressesprecher der Saarbrücker mitteilen. Pikant: Erdmann hatte von 2017 bis 2019 selbst für die Magdeburger gespielt. Der 30-Jährige war in der Vergangenheit schon zweimal rassistischer Äußerungen beschuldigt worden - beim ersten Mal trug er noch das Trikot von Dynamo. In der Saison 2014/15 hatte der Osnabrücker Addy Menga erklärt, in beiden Duellen von ihm rassistisch beleidigt worden zu sein. Kingsley Onuegbu vom MSV Duisburg hatte 2016 erklärt, Erdmann habe seine Familie beleidigt. Erdmann blieb nur eine Saison bei den Schwarz-Gelben, in der kassierte er 13 Gelbe und eine Gelb-Rote Karte.

Weiterführende Artikel

Acht Wochen Sperre für Ex-Dynamo Erdmann

Acht Wochen Sperre für Ex-Dynamo Erdmann

Das DFB-Sportgericht verurteilt den Ex-Dynamo-Profi wegen rassistischer Äußerungen. Sein Verein kündigt bereits Berufung an.

Erdmann: Habe mich in den Osten verliebt

Erdmann: Habe mich in den Osten verliebt

Vor dem Spiel am Montag spricht der Ex-Dynamo über seine Stationen im Fußball-Osten, sein Image als Bad Boy und die Aufstiegschancen von 1860 München.

Ex-Dynamo Erdmann will Partei gründen

Ex-Dynamo Erdmann will Partei gründen

Am Sonntag kommt der Verteidiger mit dem Rüpel-Image, der für 1860 München spielt, zurück nach Dresden. Nach der Karriere möchte er in die Politik gehen.

Alles wie in Dresden

Alles wie in Dresden

Kultig oder Chaot? Kaum einer hat Dynamo so gespalten wie Dennis Erdmann. Jetzt kehrt er mit Hansa Rostock zurück.

Bundesweit in die Schlagzeilen geraten war der Abwehrspieler 2015 nach dem DFB-Pokalspiel zwischen Dynamo und Borussia Dortmund (0:2). Nach einem Foul an Marco Reus musste der BVB-Star verletzt ausgewechselt werden, trug einen Pferdekuss davon. "Er ist mir gegen das Knie gelaufen. Ich habe früher Kreisliga gespielt, da haben wir uns kurz gerieben und weitergespielt. Ich glaube, im Bundesliga-Business ist das nicht mehr so üblich", erklärte Erdmann nach dem Spiel. Damit erzürnte er vor allem die Dortmunder. "Die Aussagen von Erdmann sind eine Unverschämtheit", sagte Manager Michael Zorc. "Der tritt ihn vom Platz, obwohl der Ball überhaupt nicht in der Nähe war. Solch ein Spieler hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen, nicht mal in der Kreisklasse."

Mehr zum Thema Sport