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Darum hält Dynamo den Corona-Zuschauerrekord

Nirgends dürfen so viele Fans ins Stadion wie in Dresden. Warum ist das so? Exklusive Antworten gibt die zuständige Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes.

Die Zuschauerzahl soll an Dynamos Gründungsjahr erinnern, wurde aber wohl etwas nach oben korrigiert.
Die Zuschauerzahl soll an Dynamos Gründungsjahr erinnern, wurde aber wohl etwas nach oben korrigiert. © dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Es sind Zahlen, die Fragen aufwerfen in Zeiten steigender Corona-Zahlen. Mehr als 10.000 Zuschauer werden am Sonntag bei Dynamos Heimspiel gegen Waldhof Mannheim erwartet. Rund ein Drittel des Rudolf-Harbig-Stadions wäre gefüllt – und das erneut ein bundesweiter Rekord. Erstmals äußert sich die zuständige Mitarbeiterin des Dresdner Gesundheitsamtes zum Hygienekonzept von Dynamo, den Besonderheiten und Risiken.

Warum dürfen in Dresden mehr Fans ins Stadion als in Dortmund?

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Die Zahlen verwundern schon: Das Heimspiel von Borussia Dortmund verfolgten am vergangenen Wochenende 9.300 Zuschauer im Signal-Iduna-Park, der eine Kapazität von mehr als 80.000 Plätzen hat. Dynamos Pokalsieg gegen den Hamburger SV sahen einige Tage vorher dagegen offiziell 10.053 Fans, tatsächlich war die Zahl wohl nicht fünfstellig. Dabei passen ins Rudolf-Harbig-Stadion nur rund 32.000 Menschen. Wie kann das sein? 

„Es liegt in erster Linie natürlich an den unterschiedlichen Hygienekonzepten der Vereine“, erklärt Angelika Starke, die beim Dresdner Gesundheitsamt auch das Konzept von Dynamo prüft. „Im Harbig-Stadion muss an allen Plätzen während der gesamten Zeit ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Dadurch können die Mindestabstände zwischen den Infektionsgruppen auf einen Meter verkürzt werden.“ 

In anderen Stadien wird auf Masken auf den Tribünen verzichtet, dafür gibt es mehr freie Plätze – wie beispielsweise in Leipzig. Dort sind derzeit 8.500 Zuschauer erlaubt. Hinzu kommen die unterschiedlichen Regelungen zwischen den Bundesländern. Während die in Bayern sehr streng sind, und Dynamo das nächste Auswärtsspiel bei der U23 von Bayern München vor leeren Rängen bestreiten muss, sind sie in Sachsen eher großzügig.

Wer entscheidet darüber, wieviele Zuschauer in die Stadien dürfen?

In erster Linie die Vereine selbst. Sie reichen ihre Hygienekonzepte bei den zuständigen Gesundheitsämtern ein. „Das von Dynamo umfasst zum Beispiel mehr als 50 Seiten“, erklärt Starke. „Wenn das Konzept nach den Vorort-Terminen und den Gesprächen mit den Verantwortlichen des Vereins nach unserer Auffassung in sich schlüssig ist und der Sächsischen Corona-Schutzverordnung entspricht, gibt es keinen Grund, dieses abzulehnen.“ 

Maßgebend ist zudem die Verordnung des Landes. Die sieht einen Grenzwert von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen vor. Wird der überschritten, sind Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern verboten. Im Erzgebirgskreis liegt der Wert derzeit bei 24, deshalb dürfen beim Spiel von Erzgebirge Aue an diesem Freitag gegen Greuther Fürth nur 1.000 Zuschauer ins Stadion. „Auch in Dresden kann solch ein Fall natürlich eintreten, dann würde selbst 24 Stunden vor dem Anpfiff notfalls ein Geisterspiel angeordnet“, erläutert die Hygiene-Ingenieurin.

Die von den Bundesländern besprochene Regelung, wonach die Kapazitäten der Stadien zu maximal 20 Prozent ausgelastet werden dürfen, ist nicht bindend, weil sie nicht in den sächsischen Verordnungen auftaucht. „Wir würden generell eine bundesweit einheitliche Linie favorisieren, diese wäre leichter nachvollziehbar“, argumentiert Starke. Anders formuliert: Der derzeit praktizierte Flickenteppich stößt bei vielen Menschen auf Unverständnis.

Wer muss in Quarantäne, wenn es im Harbig-Stadion einen Corona-Fall gibt?

Da alle Tickets nur personalisiert verkauft werden, ist eine Rückverfolgung problemlos möglich. „In 14-tägige Quarantäne müssten auf jeden Fall alle Angehörigen einer Infektionsgemeinschaft“, erklärt Starke. 

Dynamo verkauft maximal zehn Karten pro Gruppe, die im Stadion ohne Abstand nebeneinander sitzen dürfen. „Darüber hinaus würden wir auch die Zuschauer, die in der Reihe vor dieser Gruppe gesessen haben, befragen: Gab es Kontakte? Wurde der Mund-Nasenschutz konsequent getragen? Dann entscheiden wir, ob auch sie in Quarantäne müssen“, sagt die 58-Jährige.

Wie hat das Konzept beim Pokalspiel gegen den HSV funktioniert?

Insgesamt gut, lautet das Fazit des Gesundheitsamtes. Dennoch waren im Fernsehen auch Zuschauer zu sehen, die keine oder eine verrutschte Maske trugen. „Darauf haben wir in der Auswertung hingewiesen. Beim Heimspiel am Sonntag gegen Mannheim wird das Sicherheitspersonal nochmals aufgestockt“, so Starke. In den Sitzblöcken bleibt nach zwei oder drei Reihen jeweils eine frei, damit die Ordner dort hineingehen und Verstöße gegen die Maskenanordnung sanktionieren können. 

Nach Auswertung der Pokalpartie wird zudem die Zahl der Hinweisschilder erhöht, das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes gilt am Sonntag schon auf dem Stadionvorplatz. Dort war gegen den HSV der Mindestabstand teilweise nicht eingehalten worden. Folgen hatte das aber bisher keine. „Bis jetzt gibt es keinen gemeldeten Corona-Fall aus Dresden oder der Region, der im Zusammenhang mit dem Pokalspiel steht“, erklärt Starke.

Wieviele Tickets können für das Spiel am Sonntag verkauft werden?

Auf eine Maximalzahl will sich -– wie schon der Verein – auch das Gesundheitsamt nicht festlegen. Es hängt vom Buchungsverhalten der Zuschauer ab. Im theoretischen Fall, dass ausschließlich Zehner-Gruppen Karten kaufen würden, wären es wohl rund 13.000. Laut Starke passt auch Dynamo die Kapazitäten im Rahmen eines Stufenplans kurzfristig an. Steigen die Infektionszahlen, bleiben mehr Plätze frei.

Was passiert, wenn es massenweise Verstöße gibt?

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Obwohl bundesweit nirgends so viele Zuschauer in einem Stadion waren wie in Dresden, gibt es keine positiven Tests. Am Sonntag wird sich trotzdem etwas ändern.

Die Genehmigungen der Hygienekonzepte gelten bis auf Widerruf. Halten sich viele Menschen nicht an die Vorgaben, hätte das Konsequenzen. Verlassen etwa die Zuschauer im Stehplatzbereich K-Block immer wieder ihren markierten und zugewiesenen Bereich, könnte das künftig zur Sperrung des K-Blocks führen.

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