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Wie Kreische jetzt Dynamos Talenten hilft

Wegen Corona müssen auch die Junioren pausieren. Der einstige Torjäger erklärt, wie der Verein seinen Nachwuchs fördert.

Hans-Jürgen Kreische ist seit 2014 wieder bei Dynamo eingebunden und kümmert sich jetzt mit um die Talente-Förderung.
Hans-Jürgen Kreische ist seit 2014 wieder bei Dynamo eingebunden und kümmert sich jetzt mit um die Talente-Förderung. © Lutz Hentschel

Dresden. Es waren bisher nur drei kurze Einsätze, aber dahinter steckt eine langfristige Strategie. Mit Maximilian Großer klopft ein weiteres Talent aus Dynamos Nachwuchsakademie bei den Profis an. Der 19 Jahre alte Verteidiger ist einer von insgesamt neun Spielern im Aufgebot des Fußball-Drittligisten, die bereits in der Jugend für die Dresdner gespielt haben.

„Ich bin sehr froh, dass sich das bei Dynamo so gut entwickelt hat“, sagt Hans-Jürgen Kreische. Der einstige Top-Torjäger ist seit Sommer als Übergangskoordinator angestellt. Das heißt: Er organisiert und koordiniert das individuelle Training mit den Spielern von der U 16 bis zur U 19 – „bei denen wir die Hoffnung haben, dass sie oben bei der ersten Mannschaft ankommen können“, ergänzt der 73-Jährige. Allerdings sind auch die Talente von der Corona-Pandemie betroffen, haben seit Oktober kein Spiel mehr bestritten, seit Jahresbeginn ist auch das Training ausgesetzt.

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In der Stadt Dresden ist das Training für Nachwuchsleistungszentren – entgegen der Verordnung des Freistaates Sachsen – untersagt. Lediglich die Schüler der Abschlussklassen, die jetzt im Präsenzunterricht sind, dürften theoretisch wieder anfangen. Dynamo bleibt jedoch weiterhin konsequent dabei, bis gesellschaftliche Lockerungen es wieder erlauben.

Die unfreiwillige Trainings- und Wettkampfpause ist besonders für jene ein Problem, die nach der Saison den Sprung zu den Profis schaffen müssten. „Für die Entwicklung der Spieler ist es natürlich extrem negativ, wenn sie über mehrere Monate weder trainieren noch spielen können“, sagt Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker. Doch er relativiert: „Das ist in der Pandemie gerade leider zweitrangig.“

Als einen Ausweg bietet der Verein inzwischen sechs Junioren die Möglichkeit, die Übungseinheiten mit dem Team von Chefcoach Markus Kauczinski zu absolvieren. Zwei von ihnen – Angreifer Phil Harres und Mittelfeldspieler Jonas Kühn, beide 18 Jahre – haben bereits ihre ersten Verträge als Lizenzspieler unterschrieben. „Wir sind ein Ausbildungsverein, heißt es in unserem Leitbild. Und wir nehmen diesen Auftrag sehr ernst, weil eine gute Nachwuchsarbeit die Grundlage für nachhaltigen Erfolg ist“, erklärt Becker.

Das war früher so, als in der Dresdner Fußballschule in jedem Jahrgang ein, zwei spätere Dynamo- und Nationalspieler entwickelt wurden. Doch nach 1990 war der eigene Nachwuchs jahrelang bestenfalls geduldet. Der Stadtnachbar FV Nord/SC Borea entdeckte und förderte stattdessen Talente aus der Region, von denen einige wie Robert Koch, Aufstiegsheld von 2011, oder Toni Leistner danach zu Dynamo kamen.

Mit der Rückkehr von Ralf Minge als Sportchef im Februar 2014 kehrte die SGD auch zu ihren Wurzeln zurück. Seitdem war Ehrenspielführer Kreische mit seiner Erfahrung als Beobachter und Entdecker – kurz: Scout – auch offiziell eingebunden. „Ich habe viele Vergleiche, aber wie Dynamo die Entwicklung im Nachwuchs wieder auf die Reihe gekriegt hat, darauf kann man stolz sein“, sagt der Unruheständler.

Er meint sowohl die infrastrukturellen Bedingungen für die Akademie als auch die personelle Besetzung der Abteilung unter Nachwuchschef Jan Seifert. „Wenn so viele Spieler aus der eigenen Jugend für das Profi-Team infrage kommen“, so Kreische, „zeugt das von der hohen Qualität der Ausbildung und dem guten Scouting.“

Dafür sind maßgeblich Chefscout Kristian Walter und Robert Simon, der für den Nachwuchs sichtet, verantwortlich. Inzwischen entdeckt Dynamo begabte Spieler bei anderen Klubs und kann sie mit guten Bedingungen und der Tatsache, dass sich die A- und die B-Jugend in der Bundesliga etabliert haben, eine Perspektive bieten. So kamen Kevin Ehlers von Hansa Rostock und Ransford-Yeboah Königsdörffer von Hertha BSC, die jetzt bei den Profis spielen.

Vor noch nicht mal zehn Jahren hatten es Spieler aus der eigenen Jugend dagegen schwer. Leistner, jetzt beim Hamburger SV, oder auch Marcel Franke, Hannover 96, verließen deshalb den Verein. Erst später konnten sich Eigengewächse wie Marvin Stefaniak und Niklas Hauptmann hier ins Blickfeld von Bundesligisten spielen – und brachten dem Verein mit ihrem Wechsel dann Ablösesummen in Rekordhöhen.

Jetzt steht die Tür jedem Talent offen. „Wir haben mit Markus Kauczinski einen Cheftrainer, der diese Philosophie unterstützt und versucht, den jungen Spielern Chancen zu geben“, betont Kreische. Großer ist dafür das jüngste Beispiel, mit Simon Gollnack ist ein weiterer nah dran am Debüt. „Er hat eine starke Konkurrenz im Sturm mit drei gestandenen Leuten, die allesamt einen guten Job machen“, meint Kauczinski. Der Trainer sagt, was er von dem 18-Jährigen erwartet: „Er muss sich technisch verbessern, am Abschluss arbeiten, aber mit seinem nimmermüden Einsatz und seiner läuferischen Qualität kann er uns noch gut zu Gesicht stehen.“

„Trotzdem leiden die Jungs“

Solche Beispiele sind auch ein Anreiz für die Jüngeren, dass die Chance real ist. Deshalb glaubt Kreische nicht, dass die Nachwuchsspieler in der Corona-Pause die Lust verlieren. „Sie haben es sich auf die Fahne geschrieben, irgendwann im Profi-Fußball anzukommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer jetzt sagt: Ich habe keine Lust mehr“, meint der Koordinator.

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Wer dieses Ziel ernsthaft verfolgt, werde sich zumindest körperlich fit halten. „Läuferisch kann man immer etwas machen, das liegt an jedem selbst“, betont Kreische. „Trotzdem leiden die Jungs zweifellos darunter, weil sie die individuellen Trainingspläne nicht umsetzen können, um sich Woche für Woche zu verbessern.“ Damit bleibe zwar derzeit einiges auf der Strecke, aber er ist überzeugt: „Fußballerisches Talent wirst du nie verlieren.“

Vielleicht braucht mancher deshalb später etwas länger, um bei den Profis Fuß zu fassen, aber Dynamo setzt weiter konsequent auf den eigenen Nachwuchs.

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