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Dynamos Kraftakt auf dem Betzenberg

Die ersten Reaktionen nach dem "dreckigen Sieg" in Kaiserslautern, den Dynamo in Unterzahl erkämpft. Paul Will sieht vor der Pause Gelb-Rot.

Der Siegtreffer für Dynamo: Sebastian Mai trifft zum 0:1 gegen Kaiserslauterns Torwart Avdo Spahic.
Der Siegtreffer für Dynamo: Sebastian Mai trifft zum 0:1 gegen Kaiserslauterns Torwart Avdo Spahic. © PICTURE POINT

Von Sven Geisler und Jens Maßlich, Kaiserslautern

Was war das für ein Kampf! Es lässt sich nicht mal streiten, Dynamos 1:0-Erfolg beim 1. FC Kaiserslautern zum Start in die 3. Liga ist glücklich. Aber irgendwie auch verdient. „Es war eine Energieleistung, die uns den Sieg beschert hat“, fasst Markus Kauczinski die rund 95 Minuten auf dem Betzenberg zusammen, in denen der Trainer an der Seitenlinie selbst alles gegeben hat. „Ich habe keinen Moment, in dem ich abschalte, gehe bis zum Schluss mit und versuche, von außen zu helfen“, sagt der 50-Jährige.

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Erst, als der FCK bei einer der unübersichtlichen Aktionen im Strafraum zwei Minuten vor Schluss den Ausgleichstreffer verpasst hatte, habe er gedacht: „Okay, wenn doch noch einer rein rutscht, spielen wir wenigstens unentschieden.“ Es ist keiner rein gerutscht, weil sich die Schwarz-Gelben „mit Mann und Maus“, wie es FCK-Coach Boris Schommers sagt, dagegen wehren. „Auch das ist ein gutes Gefühl, zu sehen: Wenn es spielerisch nicht so gut läuft, können wir kämpfen und eine Führung auch in Unterzahl verteidigen“, erklärt Kauczinski.

In der zweiten Halbzeit müssen die Dresdner ohne Paul Will auskommen, der nach seiner starken Leistung beim 4:1 im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV in der Startelf geblieben ist, obwohl Marco Hartmann nach Infekt zum Aufgebot gehörte. Doch für Will sollte der Einsatz früh beendet sein. Schon in der sechsten Minute hatte er für ein Foul die Gelbe Karte gesehen, und als ihm bei einer Flanke der Lauterer in der 43. Minute der Ball an die Hand springt, zückt Schiedsrichter Martin Thomsen erneut die Gelbe Karte – und die Rote hinterher. Platzverweis für Will. „Für mich war er hart“, sagt Kauczinski. „Ich hätte mir ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl gewünscht, was nicht heißt, dass es ein Fehler war.“ Der Chefcoach stellt die Mannschaft also in der Pause darauf ein, die knappe Führung zu behaupten.

Kein Sahnetag, aber wieder ein Tor von Kapitän Mai

Zu Beginn des Spiels läuft es weniger gut, sind die Dresdner zwar gut in der Balleroberung, aber genauso schlecht darin, das Spielgerät in den eigenen Reihen zu behaupten. In einer solchen Konstellation hilft – ein Standard. Nach dem Eckstoß von Patrick Weihrauch fälscht FCK-Verteidiger Kevin Kraus den Ball mit der Hüfte ab, Kapitän Sebastian Mai ist mit dem Kopf da.

Doch schon wenig später hat Dynamo Glück – und einen starken Torwart. Kevin Broll pariert den Schuss von Elias Huth aus neun Metern reflexartig. Überhaupt ist auf den Jungen aus Mannheim, für den es so etwas wie ein privates Derby ist, an diesem lauen Abend jederzeit Verlass. Nach Wills Handspiel hält er den Freistoß von Hikmet Ciftci so stark wie den Schuss von Janik Bachmann in der hektischen Schlussphase.

„Mich brauchte heute keiner zu motivieren“, sagt Dynamos Rückhalt, der sich auch von den Pfiffen der FCK-Fans nicht verunsichern lässt. „Das ist normal, damit muss man als Torwart immer rechnen.“ 4.150 Zuschauer sind im geschichtsträchtigen Fritz-Walter-Stadion dabei, 4.985 waren vom Gesundheitsamt in Kaiserslautern genehmigt worden. „Ich habe es mit Leistung gezeigt, wo der Hammer hängt“, sagt Broll, betont aber: „Das war keine One-man-Show, sondern eine sensationelle Mannschaftsleistung.“

Die Partie wurde via Internet-Kanal sogar außerhalb von Deutschland live gezeigt und begann mit fünf Minuten Verspätung. Die Rad-Profis waren nach der 19. Etappe der Tour de France etwas später im Ziel in Champagnole, als es für die Übertragung in der ARD geplant war. Die Dresdner brauchen ein wenig, um nach der Pokal-Euphorie im Alltag anzukommen. Tim Knipping spricht sogar davon, es sei anfangs „ein Scheißspiel“ gewesen. Zumindest klappt fußballerisch vor allem offensiv viel weniger als gegen den HSV.„Am Montag war es hochverdient, heute großer Kampf“, sagt Kauczinski. 

Und Stürmer Christoph Daferner ist sich mit Broll einig, beide sagen, froh zu sein über einen „dreckigen Sieg“. Zur Pause haben sie sich vorgenommen, das Spiel auch für Will zu gewinnen, berichtet Knipping. „Der Junge sitzt jetzt in der Kabine und beißt sich in den Arsch. Wenn man die zweite Halbzeit sieht: Riesenkompliment an die Mannschaft“, sagt der Verteidiger, der per Kopf die Chance zum 2:0 hat. Doch vor der Linie klärt Dominik Schad. Schade für Dynamo. Sonst wären die Nerven von Kauczinski draußen wie der Fans zu Hause weniger strapaziert worden.

Sieg gegen Konkurrenten für den Aufstieg?

Der Druck wird immer stärker, die Entlastung ist gering. Geschicktes Verzögern ist ein legitimes Mittel, sich Luft zu verschaffen. Hartmann wird in der 88. Minute eingewechselt. Schließlich ist der Kraftakt vollbracht.

Und es ist möglicherweise zugleich der erste Sieg gegen einen direkten Konkurrenten für den Aufstieg. Während Dynamo mit diesem Thema eher defensiv umgeht, machen die Pfälzer aus ihren Ambitionen keinen Hehl. „Natürlich wollen wir – wie viele andere – aufsteigen“, erklärte Sportdirektor Boris Notzon. Allerdings bekommt der FCK diese Chance nur, weil er im Juni mit mehr als 20 Millionen Euro Schulden bei etwa 18.000 Gläubigern die Insolvenz anmelden konnte, ohne einen Punktabzug befürchten zu müssen. Das hatte der DFB wegen der finanziellen Einbußen der Klubs in der Corona-Krise beschlossen.

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Hier der Liveticker zum Nachlesen.

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