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4:1! Dynamos Sensation vor gut 10.000 Fans

Die Dresdner gewinnen im DFB-Pokal gegen Hamburg und entfachen neue Emotionen - die Tore im Video. Der Trainer ist danach hin- und hergerissen.

Dynamos Christoph Daferner jubelt nach seinem Tor zum 3:0 mit Agyemang Diawusie. Am Ende steht es 4:1 - und Dresden zieht in die zweite Pokalrunde ein.
Dynamos Christoph Daferner jubelt nach seinem Tor zum 3:0 mit Agyemang Diawusie. Am Ende steht es 4:1 - und Dresden zieht in die zweite Pokalrunde ein. © Robert Michael/dpa-Zentralbild

Von Sven Geisler und Jens Maßlich​

Dresden. Dynamo hat es geschafft und Dresden tatsächlich die größte Kulisse in der ersten Runde des DFB-Pokals, möglich gemacht durch ein Hygienekonzept mit einem ausgeklügelten Bestellsystem und Maskenpflicht bei geringerem Abstand. 

10.053 Fans erleben so einen Fußballabend, wie es ihn es ihn bei Dynamo schon lange nicht mehr gegeben hat, mit dieser Emotionalität wohl zuletzt im August 2016 beim Sieg im Pokal gegen RB Leipzig. Am Ende steht diesmal ein 4:1-Sieg, dabei sind die Schwarz-Gelben am Montag der klare Außenseiter gegen den Hamburger SV, dafür aber ist dieser Wettbewerb mal erfunden worden: David gegen Goliath.

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Nach 90 Minuten plus Nachspielzeit ist die Sensation perfekt: Dynamo wirft den HSV raus, gewinnt unerwartet mit 4:1. Der Sieg, sagt Markus Kauczinski danach, sei zu hoch ausgefallen. Dynamos Trainer wirkt eher nachdenklich als begeistert, als er minutenlang alleine auf dem Podium zur Pressekonferenz sitzt. Beim Blick auf sein Handy aber huscht ein Lächeln über sein Gesicht. „Wenn ich verliere, schreibt mir keiner“, meint er grinsend. Offenbar sind viele Glückwünsche eingegangen, berechtigterweise.

Seine Mannschaft hat an diesem Abend einen Kampf voller Herz und Leidenschaft geboten, womit natürlich selbst der kritische Kauczinski zufrieden ist. „Wie wir Fußball gespielt haben, wie wir aufgetreten sind mit den Leuten im Rücken – das war stark“, sagt er. Die Atmosphäre ist ein Faktor und fast so gut, als wäre das Stadion ausverkauft. Die Gesänge werden nicht nur im K-Block angestimmt, wo diesmal einige Fanclubs als „Infektionsgemeinschaften“ stehen. Die Stimmung wird überall gemacht. Alle sind mit von der Partie.

Dynamos und Hamburgs Spieler bilden einen Mannschaftskreis vor dem zwar nur dünn besetzten aber dann sehr lauten K-Block.
Dynamos und Hamburgs Spieler bilden einen Mannschaftskreis vor dem zwar nur dünn besetzten aber dann sehr lauten K-Block. © dpa/Robert Michael

Es gibt wieder Beifall für eine gelungene Grätsche an der Seitenlinie oder Pfiffe, wenn sich ein gegnerischer Spieler über eine Schiedsrichter-Entscheidung aufregt. Und vor allem gibt es wieder Jubel – über Tore der Schwarz-Gelben. Und die fallen so überraschend wie schnell. Das erste nach zwei Minuten und 28 Sekunden. Was für ein Auftakt! Patrick Weihrauch auf Panagiotis Vlachodimos, der Ex-Dynamo Toni Leistner verlädt und den Ball zurückpasst in die Mitte, Yannick Stark lässt HSV-Torwart Heuer Fernandes keine Chance. Drei Neue, ein Treffer.

Die Dresdner setzen konsequent das um, was ihnen der Trainer aufgetragen hat. Der Rat an die Mannschaft, erst einmal kein Tor zu kassieren, sei zwar gut, hatte Kauczinski gesagt. Doch dann sprach er vorab darüber, „wie wir unsere Stärken finden im Spiel nach vorn, wie wir in die Tiefe kommen, wie entschlossen wir sind, wie wir die Situation vor dem Tor erzwingen wollen“. Das sei es schließlich, was man sich in der kurzen Zeit erarbeitet habe. „Ich glaube, man ist immer gut beraten, auf sich selber zu schauen.“

10.053 Fans waren ins Stadion gekommen - Rekord in der Fußball-Corona-Zeit.
10.053 Fans waren ins Stadion gekommen - Rekord in der Fußball-Corona-Zeit. © dpa-Zentralbild

Der Favorit aus der Partnerstadt ist offenbar überrascht vom mutigen Auftritt des Drittligisten, versucht, seine Offensivkraft auszuspielen. Aber die Dresdner verteidigen genauso leidenschaftlich, wie sie unbekümmert angreifen. Das ist Pokal, das macht ihn aus. Christoph Daferner trifft aus spitzem Winkel den Pfosten.

Die Führung ist kein Zufall und der HSV defensiv konsterniert. Wie anders ist es zu erklären, dass Rechtsverteidiger Robin Becker unbehelligt in den Strafraum laufen und aus spitzem Winkel schießen kann? Das 2:0 – ein Traumtor. Ein Blick auf die Anzeigetafel: Gerade mal 16 Minuten sind gespielt.

Ja, was ist denn hier los? Jede Menge. Dieses Spiel hat jeden Zuschauer verdient. Der HSV scheint von der Stimmung beeindruckt zu sein, Dynamo beflügelt. Offener Schlagabtausch statt Klassenunterschied. Der HSV vergibt binnen einer Minute zwei große Chancen, die fußballerische Qualität der Gäste ist offensichtlich, der Kampfgeist des Außenseiters genauso.

Drei Neuzugänge, drei Torschützen: Sebastian Mai, Yannick Stark und Christoph Daferner.
Drei Neuzugänge, drei Torschützen: Sebastian Mai, Yannick Stark und Christoph Daferner. © dpa/Robert Michael

Nach dem Abstieg hat es der neue Sportgeschäftsführer Ralf Becker mit dem Trainer geschafft, eine Mannschaft zusammenzustellen, die viel verspricht, die vor allem die Emotionen der Fans gleich wieder weckt. „Es gibt in Deutschland wenig Vereine, die, was die Leidensfähigkeit der Fans betrifft, so viel mitgemacht haben“, sagt Becker, der ein Jahr für den HSV gearbeitet hat. „Für mich ist das eine ganz große Herausforderung, hier mitwirken und arbeiten zu dürfen. Das macht es vielleicht manchmal etwas schwieriger und komplizierter, aber es macht den Fußball aus.“

Allerdings ist das tatsächlich „#ErstDerAnfang“, wie das W-Lan-Passwort auf der Pressetribüne lautete. Die Saison in der 3. Liga wird der Gratmesser, der Weg zu einem möglichen Aufstieg ist lang. Daran denkt auch Kauczinski. „Wir genießen diesen kurzen Moment des Glücks heute Abend“, sagt der 50-Jährige, „aber meine Gedanken sind schon beim Freitag.“ Dann startet Dynamo in Kaiserslautern in den sicher mühevollen Alltag.

Neuzugang Paul Will und der Hamburger Klaus Gjasula im verbalen Schlagabtausch.
Neuzugang Paul Will und der Hamburger Klaus Gjasula im verbalen Schlagabtausch. © Robert Michael/dpa-Zentralbild

Der Auftritt gegen den HSV sei eine Bestätigung gewesen, „dass wir das Tempo gehen und auch Tore machen können“. Das dritte erzielt Daferner in dem Moment, als die Gäste nach der Pause den Druck erhöhen. Der Tüchtige braucht etwas Glück, besonders, als Khaled Narey den Pfosten trifft. Und einen Torhüter, der in letzter Instanz da ist wie Kevin Broll gegen Manuel Wintzheimer und Simon Terodde. Auch darauf weist Kauczinski hin. „Ich schwebe nicht auf Wolke sieben. Dafür war es mir dann doch die eine oder andere Chance zu viel.“

Das Gegentor fällt erst in der 89. Minute, als Amadou Mvom Onana trifft. Dynamo kontert, Leistner bekommt den Ball an die Hand – Elfmeter. Vlachodimos will schießen, aber seine Auswechslung ist bereits beim Schiedsrichter angezeigt. Kapitän Sebastian Mai verwandelt mit dem Abpfiff. So macht Dynamo wieder Spaß. Kauczinski mahnt dennoch: „Eines werden wir nicht tun: Das Ganze überbewerten.“

Die Partie zum Nachlesen hier im Liveticker.

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