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Der Nichtaufstieg kostet Dynamo Millionen

Noch ein Jahr in der 3. Liga könnte sich der Verein zwar leisten, er würde aber eine Menge Geld verlieren. Und es müssten womöglich Stellen gekürzt werden.

Für Jürgen Wehlend wäre der Aufstieg ein "enormer Befreiungsschlag" - vor allem finanziell.
Für Jürgen Wehlend wäre der Aufstieg ein "enormer Befreiungsschlag" - vor allem finanziell. © Steffen Kuttner

Dresden. Durch das 1:1 gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern ist es noch einmal spannend geworden an der Spitze, zumindest ein kleines bisschen. Dynamo ist weiter souveräner Tabellenführer, hat allerdings schon ein Spiel mehr bestritten als die Verfolger Ingolstadt und Rostock. Wirklich eng könnte es werden, sollten die Dresdner das Spitzenduell am Samstag gegen Ingolstadt verlieren. Bei einem Sieg jedoch könnten mathematisch Begabte schon mal ausrechnen, wie viele Punkte noch nötig sind, damit die Schwarz-Gelben Ende Mai ganz sicher zu den beiden direkten Aufsteigern gehören.

Die direkte Rückkehr in die 2. Bundesliga wäre nicht nur aus sportlicher Sicht wünschenswert, finanziell käme es einem „enormen Befreiungsschlag“ gleich, wie es Dynamos neuer Geschäftsführer Jürgen Wehlend, der seit 1. Januar im Amt ist, formuliert. Was im Umkehrschluss bedeutet: Ein Nichtaufstieg würde den Dresdnern teuer zu stehen kommen.

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Und das liegt vor allem an den TV-Geldern. Als Drittligist bekommt Dynamo rund eine Million Euro, eine Klasse höher wären es deutlich mehr, zwischen 7,3 und 8,8 Millionen Euro. Die exakte Summe wird nach einem Vier-Säulen-Modell errechnet, das für die nächsten Spielzeiten leicht modifiziert wurde, aber kompliziert geblieben ist.

7,3 Millionen Euro gäbe in der 2. Liga garantiert

Die wichtigste Neuerung betrifft die Rückkehr der vor allem von den finanzschwächeren Vereinen geforderten Gleichverteilung. Demnach erhalten in der Saison 2021/22 alle Zweitligisten pauschal 6,88 Millionen Euro, hinzu kommen 400.000 Euro aus der Auslandsvermarktung der Bundesligen. Das macht zusammen garantierte 7,3 Millionen. Doch nun wird es kompliziert, die Klubs erhalten zudem Erträge aus den Säulen Nachwuchs und Interesse.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) honoriert damit den Einsatz der im Verein ausgebildeten Talente in der Profimannschaft sowie die deutschlandweite Popularität der Klubs. Dafür befragt das Institut für Demoskopie Allensbach 23.000 Personen nach ihrem Interesse für einen bestimmten Verein. 2019 lag Dynamo mit 17,9 Prozent im oberen Mittelfeld der Zweitligisten. Zum Vergleich: Der FC Bayern München kommt 2020 auf 51,7 Prozent, RB Leipzig auf 25,6. „Die Frage ist, an wem wir uns da orientieren. Der FC St. Pauli sollte es sicher nicht sein, der SV Sandhausen aber auch nicht, sondern irgendwo unter den Top 20“, erklärt Wehlend. „Ich gehe bei den beiden Säulen von zusammen 1,2 bis 1,5 Millionen Euro aus, das wären im besten Fall also 8,8 Millionen.“ Und damit 7,8 Millionen mehr als bei einer weiteren Saison in der 3. Liga.

Der Sprung ist gewaltig, doch der in Dresden geborene Geschäftsführer warnt zugleich davor, dass in der 2. Bundesliga „auch nicht mehr alles Gold ist, was glänzt“. So werden in der neuen Rechteperiode nicht mehr wie zuletzt geplant 1,4 Milliarden Euro pro Saison aus den TV-Erlösen an die 36 Bundesliga-Klubs verteilt. „2021/22 geht die Summe auf 1,03 Milliarden national runter“, erklärt der 55-Jährige.

Egal, wie hoch das Fernsehgeld tatsächlich ausfallen wird, es könnte im Aufstiegsfall bei den Schwarz-Gelben zur wichtigsten Einnahmequelle werden – vor allem dann, wenn durch die Pandemie auch in der neuen Saison keine oder nur wenige Zuschauer ins Stadion dürfen. Das hätte zudem Auswirkungen auf die Bereiche Werbung, Sponsoring und Hospitality. Bei Geisterspielen kann Dynamo keine VIP-Tickets verkaufen und die Werbeschilder, die außerhalb der TV-Kameras positioniert sind, sieht niemand.

Würden in der kommenden Saison wieder Bundesliga-Kameras im Harbig-Stadion stehen, bekäme Dynamo mehrere Millionen mehr als in der 3. Liga.
Würden in der kommenden Saison wieder Bundesliga-Kameras im Harbig-Stadion stehen, bekäme Dynamo mehrere Millionen mehr als in der 3. Liga. © Foto: Jan Huebner

„Geplant hatten wir die laufende Saison in diesem Bereich mit 6,7 Millionen Euro“, erklärt Wehlend. „Bis zum zweiten Lockdown hatten wir bereits 8,4 Millionen Euro vertraglich fixiert.“ Doch es gibt dabei einen Haken, bis zu 30 Prozent der Summe könnte wegfallen, da Dynamo bei Geisterspielen nicht die vereinbarten Leistungen erbringen kann. Der Verein bemüht sich darum, Sponsoren davon zu überzeugen, auf Rückforderungen zu verzichten oder Kompensationsgeschäften zuzustimmen.

Die Zahlen für die kommende Saison kennt Wehlend schon, schließlich müssen die Lizenzierungsunterlagen bis zum 1. März abgegeben werden. Verraten will er sie jedoch noch nicht, da diese vorher den Vereinsgremien präsentiert werden. Dynamo hat dabei sowohl einen Etat für die 2. Bundesliga als auch für die 3. Liga aufgestellt. Klar ist, dass die Sponsoringeinnahmen bei einem weiteren Jahr in der 3. Liga geringer ausfallen würden als nach einem Aufstieg. Das gilt auch fürs Merchandising, den Verkauf von Fanartikeln. Doch wie groß wäre der Unterschied? Erst dann ließe sich abschätzen, was der Nichtaufstieg Dynamo in Summe kosten würde.

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Wobei Corona immer noch für genügend Unbekannte sorgt. Von den weiteren Einschränkungen hängt auch ab, wie stark Dynamo weiter sparen muss. In Kurzarbeit mussten schon jetzt Mitarbeiter aus den Bereichen Nachwuchsfußball, Geschäfts- und Spielbetrieb gehen. Bei einem weiteren Jahr in Liga drei wären auch Stellenkürzungen möglich. „Schon jetzt werden befristete Verträge nicht verlängert, Stellen für Werksstudenten und Praktikanten vorübergehend nicht besetzt. Es sei denn, es handelt sich um soziale Projekte“, so Wehlend. „Aber oberstes Ziel ist immer der Erhalt möglichst aller Arbeitsplätze.“

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