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Dynamo

Kauczinski: Bringt nichts, beleidigt zu sein

Vor dem Spiel am Montag bei 1860 München spricht Dynamos Trainer über eine grausame Statistik, die Kaderplanung - und eine Wettbewerbsverzerrung.

Trainer Markus Kauczinski xxxx
Trainer Markus Kauczinski xxxx © Foto: dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Es wird alles so ablaufen wie die beiden Male zuvor. Anreise, Hotel, Essenszeiten - wie gehabt. "Ich sehe da kein Potenzial für Veränderungen", sagt Markus Kauczinski. Er gehört zur Kategorie Trainer, die selbst bei noch so unschönen Statistiken nicht in die Versuchung geraten, abergläubisch zu werden. So hält er es auch diesmal, dabei weiß er, "dass wir dort in dieser Saison noch nicht so viel geholt haben". Dort ist das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße, wo Dynamo gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern und auch Türkgücü München verloren hat. Null Punkte, 0:4 Tore - für einen Spitzenreiter ist das zumindest eine bemerkenswerte Statistik.

Aber es ist trotzdem keine, mit der sich Kauczinski länger befassen will. Das macht er vielmehr mit dem Gegner vom Montagabend, dem Tabellenvierten 1860 München. "Wir erwarten stürmische Sechziger. Sie haben ein ähnliches Torverhältnis wie wir. Allein an den Zahlen erkennt man, dass beide Mannschaften eng beieinander sind", findet er. Zudem ist es für die Löwen wohl die letzte Chance, noch einmal an die drei Aufstiegsränge heranzukommen, wie es Münchens Verteidiger und Ex-Dynamo Dennis Erdmann formuliert hat.

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Der Vorsprung der Dresdner ist beachtlich, 13 Punkte trennen sie schon vom TSV 1860 und damit von einem Nichtaufstiegsplatz. Und das zehn Spieltage vor dem Saisonende. Angesichts dieser Konstellation könnte man sich ja schon mal Gedanken machen über den Kader der nächsten Saison eine Klasse höher. Kauczinski macht das "tatsächlich nicht", erklärt er. "Und das ist keine Floskel. Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, mit dem Kopf in den Wolken zu hängen." Es seien immer noch 30 Punkte zu vergeben, da gäbe es für viele Mannschaften die Möglichkeit, noch ranzukommen. "Man muss immer wieder auf der Hut sein, sich immer wieder neu beweisen."

Wird der Vertrag von Kwadwo verlängert?

Also muss sich auch Leroy Kwadwo, der bei der Pressekonferenz am Freitag neben Kauczinski sitzt, noch etwas gedulden. Der Verteidiger war in der Winterpause von Zweitligist Würzburger Kickers gekommen, sein Vertrag läuft Ende Juni aus, Dynamo hat wohl die Option, ihn zu verlängern. Aber macht das die sportliche Leitung auch? "Schauen wir mal", sagt Kauczinski und klingt fast ein bisschen wie Franz Beckenbauer. "Jetzt ist der Zeitpunkt, wo man Dinge vorbereitet, aber noch nichts finalisiert." Kwadwo selbst würde gerne bleiben, das lässt er durchblicken, selbst wenn der 24-Jährige nach fünf Startelf-Einsätzen nun vier Mal in Folge nur auf der Bank saß. Der Trainer hätte ihm das in "ein, zwei Gesprächen" erklärt, erzählt Kwadwo. "Ich bin ein Mensch, der Entscheidungen von einem Trainer gerne hinterfragt, um sie zu verstehen. Aber es war klar, dass er auf die setzt, die schon länger da waren." Gemeint ist die Dreierkette mit Sebastian Mai, Kevin Ehlers und Tim Knipping. "Es war eng, ich werde mich auch wieder für ihn entscheiden", sagt Kauczinski.

Für Niklas Kreuzer kann er sich am Montag in München nicht entscheiden. Der Rückkehrer fällt wegen muskulärer Probleme neben den langzeitverletzten Marco Hartmann, Robin Becker und Patrick Weihrauch aus. Der Trainer hat am freien Wochenende also Zeit, die Konkurrenz zu beobachten und will beim Heimspiel von Hansa Rostock ganz genau hinschauen. Dort dürfen erstmals seit rund fünf Monaten wieder Zuschauer ins Stadion, genau 777. Kauczinski wird gefragt, ob er darin eine Wettbewerbsverzerrung sieht. "Wir brauchen nicht anfangen, beleidigt zu sein, nur weil ein Bundesland schneller war", findet er. "Wenn das der Silberstreif am Horizont, ein Schritt zurück zur Normalität ist und es die Tür für andere öffnet, dann bitte gerne." Dieses Thema interessiert ihn jedenfalls mehr als Dynamos verheerende Saison-Statistik an der Grünwalder Straße.

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