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Ingolstadts Sportchef erklärt Dynamo zum Favoriten

Michael Henke spricht vor dem Spitzenspiel über Aufstiegschancen der beiden Vereine, die Rolle von Stefan Kutschke und ein Angebot aus Dresden.

Michael Henke (r.) kennt Dynamo-Coach Markus Kauczinski aus gemeinsamen Zeiten in Ingolstadt. Als Kauczinski dort 2016 Trainer war, kümmerte sich Henke um internationale Beziehungen – und wurde sein Nachfolger.
Michael Henke (r.) kennt Dynamo-Coach Markus Kauczinski aus gemeinsamen Zeiten in Ingolstadt. Als Kauczinski dort 2016 Trainer war, kümmerte sich Henke um internationale Beziehungen – und wurde sein Nachfolger. © Foto: Eibner-Pressefoto

Dresden. Es gibt kaum einen Titel im Vereinsfußball, den Michael Henke noch nicht gewonnen hat. Als langjähriger Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld stemmte er mit Borussia Dortmund und Bayern München viele Pokale in die Höhe. Nach Stationen in Kaiserslautern, Saarbrücken, beim 1. FC Köln, Aston Villa und im Iran arbeitet der Westfale seit 2013 – mit einer Unterbrechung und einer Station in China – beim FC Ingolstadt. Dort war er Co- und Interimstrainer, nach dem Abstieg in die 3. Liga wurde er Sportdirektor. Im SZ-Interview spricht der 63-Jährige über das Top-Spiel am Samstag gegen Dynamo, ein Angebot von Ralf Minge und die finanziellen Sorgen der Drittligisten.

Herr Henke, wer ist denn beim Spitzenspiel der Favorit?

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Dynamo. Die stehen oben, haben ein paar Punkte mehr als wir. Wenn man eine Favoritenrolle vergeben will, muss man die also nach Dresden schieben. Aber klar ist: Nach den 90 Minuten wird noch nicht entschieden sein, wer am Ende Erster, Zweiter, Dritter oder Vierter ist, weil es noch so viele Spiele bis zum Saisonfinale sind.

Stehen mit Dresden und Ingolstadt nicht auch die beiden Favoriten oben?

Mit Dynamo hatte ich von Beginn an gerechnet, bei uns war ich optimistisch. Wobei man die Situation nach einem Abstieg nicht unterschätzen sollte. Das zeigen Beispiele wie Duisburg und Kaiserslautern, die in großen Schwierigkeiten stecken. Und man sollte nicht glauben, dass Ähnliches dem FC Ingolstadt oder Dresden nicht auch passieren könnte. Aber Dynamo hat das sehr gut in den Griff bekommen und wir auch, weil wir seit dem Abstieg 2019 oben mitspielen.

Werden die beiden Vereine am Ende auch aufsteigen?

Das hoffe ich, aber es haben noch vier, fünf Mannschaften gute Chancen.

Für Stefan Kutschke sind Duelle gegen seinen Verein immer etwas besonderes. Zuletzt fehlte er allerdings verletzt. Kann er überhaupt spielen?

Das entscheidet sich erst auf dem letzten Drücker. Er hat muskuläre Probleme aufgrund der Belastungen. Es ist nichts Schlimmes, aber er musste einige Tage mit dem Training aussetzen.

Welche Bedeutung hat der Kapitän Stefan Kutschke für diese Mannschaft?

Wir hatten uns nach dem Abstieg ein klares Konzept überlegt. Wir wollten mit der Perspektive 2. Bundesliga eine junge, hungrige Mannschaft aufbauen und diese mit Leitplanken, also erfahrenen Spielern, stützen. Zu diesen Führungsspielern gehören neben Stefan noch zwei, drei andere, doch ihm kommt in diesem Konstrukt schon eine besondere Rolle zu.

Welche?

Wir brauchen Spieler, die die Kabine im Griff haben. Das ist uns sehr wichtig, damit nicht der Trainer bei jeglichem Problem direkt aktiv werden muss. Im besten Fall übernehmen das bei uns einzelne Spieler, und da ist Stefan neben Marcel Gaus eine ganz wichtige Person.

Der Vertrag von Kutschke läuft am Saisonende aus. Er selbst sagt, dass er sich ab einer bestimmten Anzahl von Einsätzen verlängert. Steht also schon fest, ob er ein weiteres Jahr bleibt?

Davon gehe ich aus. Aber wir haben grundsätzlich noch keine Gespräche geführt, weil wir alles dem Ziel Aufstieg unterordnen. Das sehen wir so und die Spieler auch.

Ein ganz anderes Thema: Es kursierte vor zwei Jahren das Gerücht, dass Sie in Dresden Co-Trainer unter Cristian Fiel werden sollten. Was ist da dran?

Ich habe schon lange einen guten und engen Draht zu Ralf Minge (bis Juni 2020 Sportdirektor/Anm. d. A.). Er hielt viel von Cristian Fiel, und hatte die Idee, dem jungen und relativ unerfahrenen Trainer einen Assistenten zur Seite zu stellen, der schon einige Jahre im Geschäft ist. Darüber hat er mit mir gesprochen. Ich fand das grundsätzlich ganz spannend, weil ich Dynamo für einen interessanten Verein halte. Aber der Zeitpunkt passte nicht, deshalb kam es nie zu konkreten Verhandlungen.

Die 3. Liga ist nicht nur an der Spitze spannend, sondern auch unfreiwillig. Bis zum Ende müssen offensichtlich auch einige Vereine ums finanzielle Überleben kämpfen. Derzeit sorgt da der KFC Uerdingen für Schlagzeilen. Sind das nur Auswirkungen der Corona-Pandemie?

Die 3. Liga ist wirtschaftlich schwierig, das wissen alle Vereine, die dabei sind. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass solchen Enwicklungen wie in Uerdingen vorgebaut wird . Beim KFC war ja nicht Corona der Auslöser, da hatte der Geldgeber schlichtweg keine Lust mehr. Solche Konstellationen sehe ich daher grundsätzlich kritisch, und da steht auch der DFB in der Verantwortung, dies vor der Saison so zu klären, dass es gar nicht erst soweit kommen kann.

Fürchten Sie eine Wettbewerbsverzerrung, falls Uerdingen den Spielbetrieb einstellen müsste und Ergebnisse gelöscht würden?

Das wäre die Folge. Der faire Wettbewerb ist das höchste Gut in einer Liga, da muss man alles für tun. Es ist ja schon etwas anderes, wenn man bisher zu den Heimspielen der Uerdinger nach Düsseldorf gefahren ist oder jetzt nach Lotte muss. Ich finde schade, dass so etwas möglich ist. Man sollte alles dafür tun, dass sich Vergleichbares nicht wiederholt und dass Uerdingen die Saison jetzt zu Ende spielen kann.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Drittligisten resultieren vor allem aus dem TV-Geld, das viel niedriger ausfällt als in der 2. Bundesliga. Ist der Aufstieg auch für Ingolstadt deshalb so wichtig?

Auf jeden Fall. Ich plädiere mit Blick auf das von Ihnen genannte Ungleichgewicht auch dafür, an einer Annäherung zu arbeiten. Denn die 3. Liga ist für die Nachwuchsschulung die wohl wichtigste Liga im deutschen Fußball. Und das wird meiner Meinung nach nicht genügend honoriert. Die Verantwortlichen sollten weiter nach Lösungen suchen, damit man die 3. Liga besser aufstellt, auch wenn ich weiß, dass dies nicht einfach ist.

Zum Spitzenspiel am Samstag wären sicherlich 30.000 Zuschauern gekommen, wenn es Corona nicht gäbe. Wie lange kann sich die Liga Spiele ohne Fans noch leisten?

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Im Prinzip können wir uns das jetzt schon nicht, weil die Einnahmen aus den Ticketverkäufen viel wichtiger sind als in der 1. und 2. Bundesliga. Das Finanzielle ist aber nur ein Aspekt. Obwohl es für uns ein Auswärtsspiel ist, und es nicht einfacher machen würde, haben wir hier in Ingolstadt in den vergangenen Tagen oft gesagt: Wie schön wäre es doch, dieses Spiel in Dresden vor Zuschauern austragen zu können.

Das Spitzenspiel im Liveticker.

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