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Ein großes Missverständnis oder Dynamos System-Opfer?

Seit Monaten hat Panagiotis Vlachodimos nicht mehr gespielt, gehörte zuletzt nicht mal mehr zum Kader. Er selbst hat zwei Ideen, wie sich das ändern könnte.

Als das Foto im August im Trainingslager entstand, ahnte Panagiotis Vlachodimos noch nicht, dass die Bank Monate später eine passende Kulisse sein wird.
Als das Foto im August im Trainingslager entstand, ahnte Panagiotis Vlachodimos noch nicht, dass die Bank Monate später eine passende Kulisse sein wird. © Lutz Hentschel

Dresden. Das Geheimnis lüftet Markus Kauczinski immer einige Stunden vor dem Anpfiff. Dann erfährt die Mannschaft vom Trainer, wer in der Startelf steht und wer nicht. Ein spannender Moment also – für Panagiotis Vlachodimos ist er das aber schon lange nicht mehr. Wer es in den 18-köpfigen Spieltagskader schafft, wird dem Team bereits einen Tag vorher mitgeteilt. Seit zwei Monaten ist sein Name nicht dabei. Sieben Partien in Folge hat er sich nicht umziehen und nicht aufwärmen dürfen, sondern nur zuschauen.

Dabei fing alles so gut an für den Neuzugang, der im Sommer von Sonnenhof Großaspach gekommen war. Beim berauschenden Pokalsieg gegen den Hamburger SV gehörte Vlachodimos zu den Auffälligsten, war kaum zu stoppen auf der linken Seite, bereitete zwei Tore vor. „Genauso wollte ich in die Saison starten – mit einem persönlichen Erfolgserlebnis und mit einem Sieg für die Mannschaft“, sagt er rückblickend. In der Liga stand er noch zweimal 90 Minuten auf dem Platz, dann wurden die Einsatzzeiten kürzer, seit Anfang November gab es gar keine mehr – mal abgesehen von den zehn Minuten Anfang Januar gegen Türkgücü München.

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„Die Mannschaft hatte eine Schwächephase, der Trainer wollte deshalb was verändern“, so sieht es Vlachodimos. „Leider hat es mich getroffen.“ Dabei fällt auf, dass sein Dauerreservisten-Dasein beginnt, als Kauczinksi von einer Vierer-Abwehrkette auf eine Dreierkette umstellte. Damit änderte sich auch die Aufteilung in der Offensive. „Bei einer Dreierkette hat man einen Außenbahnspieler, der zurückgezogener agiert, mehr verteidigt, die Linie hoch und runter rennt“, erklärt der 29-Jährige und fügt gleich an: „Ich bin überzeugt, dass ich diese Position auch ausfüllen kann.“

Der Trainer sieht das offenbar anders. „Er bemüht sich, aber er muss auf sich aufmerksam machen“, sagte Kauczinski Ende vergangenen Jahres. „Es kommt darauf an, diese Situation anzunehmen. Das verlangt ein anderes Verhalten – offensiv wie defensiv. Die Spieler müssen jetzt dazulernen. Bei dem einen geht es schneller, bei anderen dauert es länger.“

In der Vorbereitung ist er noch gesetzt

Bei Vlachodimos dauert es offenbar schon sehr lange. „Ich denke, dass mich der Trainer als klassischen Flügelstürmer sieht und er glaubt, dass ich in dieses System nicht wirklich reinpasse“, erklärt der Deutsch-Grieche. Ist er also ein Systemopfer? Es spricht zumindest einiges dafür. In der Vorbereitung bot der Trainer ausschließlich eine Vierer-Abwehrkette auf, Vlachodimos kämpfte mit Ransford-Yeboah Königsdörffer um den Platz auf der linken Seite und gewann diesen Zweikampf. Königsdörffer hat längst die Seiten gewechselt und ist dort Stammkraft, die andere Bahn beackert Dauerläufer Jonathan Meier.

Dynamo ist für Vlachodimos bereits die zehnte Profistation, alle seine Mannschaften hätten bisher mit Viererkette gespielt, versichert er. Das wird auch den Dynamo-Scouts nicht entgangenen sein. Wurde er also ausschließlich als Außenstürmer verpflichtet? Die Situation scheint festgefahren zu sein, ein Ausweg nicht erkennbar. Dass Kauczinksi zum alten System zurückkehrt, ist sehr unwahrscheinlich, dagegen spricht schon die Statistik: Mit Viererkette verlor Dynamo bisher fünf Spiele, mit Dreierkette nur eins. „Der Trainer hat auch keinen Grund, etwas zu ändern, die Jungs sind ja sehr erfolgreich“, weiß Vlachodimos. Wie also soll es nun weitergehen?

Er selbst hat zwei Argumente in eigener Sache: Bei seinen Einsätzen, vor allem gegen Kaiserslautern, als die Dresdner eine Halbzeit lang in Unterzahl spielen mussten, habe er gezeigt, dass er defensiv gut stehen und verteidigen könne, sagt er. „Und es gäbe sicher die Möglichkeit, mich als einen von zwei Stürmern aufzubieten oder im zentralen, offensiven Mittelfeld.“ Bis der Trainer auf den Vorschlag eingeht, muss er sich weiter in Geduld üben.

Neu ist die Situation für ihn nicht. 2018 war er mit Olympique Nimes aufgestiegen, in der ersten französischen Liga stand er dann keine einzige Minute auf dem Platz. Eine ganze Saison lang nur Bank oder Tribüne. Vom Kopf her sei das natürlich schwierig, sagt er. „Man darf nicht in ein Loch fallen und sich nicht einreden, dass es aussichtslos ist. Wenn man sich dagegen motiviert, indem man versucht, im Training ein richtig guter Konkurrent für die Position zu sein, fällt es einfacher. Ich will es dem Trainer in dieser Hinsicht so schwer wie möglich machen.“

Sein Vertrag läuft noch bis 2022 - mindestens

Die Stimmung in der Kabine, das erzählen die Spieler selbst ungefragt, sei richtig gut. Das lässt sich auch als Kompliment in Richtung der Reservisten interpretieren. „Ich kann der Mannschaft nur helfen, wenn ich positiv bleibe. Dann fällt es mir auch leichter, Spaß zu haben und die gemeinsame Zeit mit den Jungs zu genießen“, findet Vlachodimos, der seine Frau und die gemeinsame Tochter nach Dresden geholt hat. „Ich gebe jedenfalls in jeder Einheit mein Bestes.“

Doch wenn das weiterhin nicht reichen sollte? Würde er dann am Saisonende das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen? Einer direkten Antwort weicht er aus. „Stand jetzt ist es so, dass ich weiterhin alles geben werde für den Verein und die Mannschaft. Und ich weiß, dass es im Fußball schnell gehen kann und meine Chance sicherlich kommen wird. Dann möchte ich bereit sein“, sagt der gebürtige Stuttgarter.

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