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Dynamo-Rückkehrer Kreuzer feiert Traum-Comeback

Der Spitzenreiter bezwingt den Tabellenletzten mit 3:1, obwohl Lübeck zwei Elfmeter bekommt. Und schon wieder fällt ein Stammspieler aus - wohl länger.

Alle kommen, um zu gratulieren: Niklas Kreuzer (Mitte) krönt sein Comeback mit seinem Tor zum 3:0.
Alle kommen, um zu gratulieren: Niklas Kreuzer (Mitte) krönt sein Comeback mit seinem Tor zum 3:0. © Foto: dpa/Robert Michael

Dresden. Es gibt viele Möglichkeiten, die Geschichte dieses Spiel zu erzählen. Man könnte mit dem tagelangen Kampf gegen den Schnee und dem matschigen Rasen beginnen sowie dem Bangen, ob überhaupt angepfiffen wird. Man könnte von dem ungleichen Duell zwischen dem Spitzenreiter und dem Schlusslicht schreiben, das nicht nur in der Tabelle deutlich wird, sondern mindestens auch eine Halbzeit lang. Oder man berichtet von Paul Will, der die Führung mit seinem Eckball einleitet, dann sein erstes Tor für Dynamo erzielt und ein überragendes Spiel macht.

Und doch sind das an diesem Sonntag nur Randgeschichten, die größte bei Dynamos 3:1-Sieg gegen den VfB Lübeck schreibt Niklas Kreuzer. Am 28. Juni 2020 hatte er sein vorerst letztes Spiel bestritten und dann 231 Tage keins. Auf ein Mannschaftstraining musste er als Vereins- und Arbeitsloser fast ebenso lange verzichten. Sein Comeback als Schwarz-Gelber war gerade deshalb ein bemerkenswertes.

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Er spielte, als wäre er nie weg gewesen – diese Formulierung liegt nahe, aber sie stimmt nicht. „Ich weiß, dass ich letztes Jahr meine Leistung überhaupt nicht gebracht habe“, sagte er hinterher. Hätte er da so gespielt wie am Sonntag, wäre im vergangenen Sommer wohl auch das erhoffte Angebot aus der 2. Liga gekommen. So aber wartete Kreuzer vergeblich, wurde vertröstet und hingehalten. Erst als sich bei Dynamo Rechtsverteidiger Robin Becker das Kreuzband riss, und es kaum Alternativen im Kader gab, bekam der 27-Jährige eine Chance bei seinem Ex-Verein.

Kauczinskis über Kreuzer: Hat richtig geiles Spiel gemacht

Gegen den Aufsteiger durfte er das erste Mal ran – und dann gleich in der Startelf. Kreuzer rannte, was er schon immer leidenschaftlich gemacht hat, grätschte, vor allem aber flankte er. Diese mit viel Effet geschlagenen Eingaben aus dem Halbfeld oder der Strafraumnähe sind eine Komponente, die dem Dynamo-Spiel in dieser Saison bisher fehlte. „Er hat ein richtig geiles Spiel gemacht“, befand Trainer Markus Kauczinski, der wohl am wenigsten überrascht war vom Auftritt des Rückkehrers. „Er hat vom ersten Training an gezeigt, dass er keine Anlaufzeit braucht“, erzählte er und fand dafür auch eine Erklärung. „Durch seine Erfahrung hat er seine Nerven im Griff. Das ist ein Punkt, der bei anderen schon mal reingrätscht.“

Die konditionellen Defizite waren ab Mitte der zweiten Halbzeit dennoch nicht zu übersehen. Kurz bevor die Beine zu schwer wurden für die langen Sprints die Außenlinie entlang, traf er nach feiner Vorarbeit von Christoph Daferner noch zum vorentscheidenden 3:0. „Das war natürlich ein kleines Träumchen“, sagte Kreuzer, der mit den Tränen kämpfte, als er von der WhatsApp-Nachricht von Michael Hefele berichtete, mit dem er 2016 gemeinsam den Zweitliga-Aufstieg mit Dynamo gefeiert hatte. „Es ist schön, so was zu hören. Nach meinem Tor sind wirklich alle angerannt gekommen, haben sich mit mir gefreut, weil sie wissen, dass ich eine schwere Zeit hinter mir habe.“

Doch bevor die Euphorie rund um sein Comeback zu große Wellen schlägt, bremste er vorsichtshalber selbst mal. Er sei noch nicht bei 100 Prozent und es ja nur ein Spiel gewesen. „Man sollte das nicht so hoch hängen.“ Diese Einschränkung ist angebracht, schließlich steht der Gegner nicht grundlos am Tabellenende der 3. Liga. In der ersten Halbzeit spielte Lübeck auch so, wobei die Bedingungen beim Aufsteiger gerade auch denkbar schlecht sind. In den letzten Tagen pendelte die Mannschaft zwischen Kraftraum und Soccer-Arena, eine gezielte Spielvorbereitung war so kaum möglich.

Paul Will erzielt gegen Lübeck sein erstes Tor für Dynamo.
Paul Will erzielt gegen Lübeck sein erstes Tor für Dynamo. ©  Foto: dpa/Robert Michael

Und trotzdem hätte es kurz vor der Pause in dieser bis dahin einseitigen Partie noch einmal spannend werden können, was vor allem an Schiedsrichter Robert Schröder lag, der das Einsteigen von Tim Knipping beim Kopfballduell mit Ersin Zeher als elfmeterwürdiges Foul wertete. Eine strittige Entscheidung. Den Strafstoß hämmerte Yannick Deichmann weit übers Tor, was irgendwie zur Situation der Lübecker passt.

Nach gut einer Stunde, als es dank Kreuzer schon 3:0 stand, machte es Ersin Zehir dann besser. Allerdings war das vorangegangene Foul von Julius Kade diesmal auch unstrittig. „Da darf er nicht so hingehen“, grantelte Kauczinski. Mit der gesamten zweiten Hälfte war der Trainer unzufrieden, Daferner, der das 1:0 erzielt hatte, ordnete sie unter „schwere Kost“ ein, was es ganz gut trifft. Die Dresdner ließen den Gästen zu viele Räume, störten nicht mehr so engagiert und hatten Glück, dass die Lübecker im Abschluss harmlos waren.

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Vor dem Spiel musste Kauczinksi die nächste schlechte Nachricht verkraften. Im Abschlusstraining hatte sich Yannick Stark die Schulter ausgekugelt. „Es gibt da Schädigungen, wir wissen aber noch nicht, wie schlimm. Falls er operiert werden muss, fällt er natürlich lange aus.“ Es wäre die die erste schlechte Nachricht in den letzten Wochen.

Den Liveticker zum 3:1-Sieg lesen Sie hier.

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