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Dynamo: Eine schlichte Feier und ein emotionaler Gruß

Nach dem 1:0-Sieg gegen Wiesbaden wird der Drittliga-Meister im kleinen Rahmen geehrt. Ein Spieler fehlt aus familiären Gründen - die Analyse und Reaktionen.

Kapitän Sebastian Mai stemmt den Pokal in die Höhe und grüßt auf dem Trikot den abwesenden Tim Knipping.
Kapitän Sebastian Mai stemmt den Pokal in die Höhe und grüßt auf dem Trikot den abwesenden Tim Knipping. © Foto: Picture Point

Als Kevin Broll den Kopfball von Hakan Nilsson in der Nachspielzeit entschärft, ist es vollbracht und Dynamo zum zweiten Mal nach 2016 Drittliga-Meister. "Wir haben den Titel verdient geholt", findet nicht nur Stürmer Pascal Sohm und verweist auf die "überragende Bilanz des Schlussspurtes". Die ist tatsächlich eindrucksvoll. Seit dem Trainerwechsel hat die Mannschaft unter Alexander Schmidt in sechs Partien 16 Punkte geholt und dabei 10:0 Tore erzielt.

Auch beim 1:0-Sieg gegen den SV Wehen Wiesbaden kassieren die Dresdner kein Gegentor und gewinnen verdient das Saisonfinale. "Es war ein brutal intensives Spiel gegen einen guten Gegner. Die Mannschaft hat das wieder hervorragend umgesetzt, früh attackiert und aktiv verteidigt und ist mit Herzblut in jeden Zweikampf gegangen", lobte Schmidt. "Ich habe in ihre Gesichter geschaut - sie waren fix und fertig."

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Wie wird Dynamo als Drittliga-Meister geehrt?

Coronakonform - und deshalb schlicht. Es gibt keine Bühne, kein Konfetti - und natürlich keinen einzigen Fan. Die Medaillen müssen sich die Spieler selbst aus der Schatulle nehmen. Hermann Winkler, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) und damit höchster Funktionär im Fußball-Osten, wurde nach Vorgabe des DFB zum Heimspiel von Hansa Rostock geschickt - mit dem Original-Pokal im Gepäck. In Wiesbaden steht lediglich eine Kopie, was die Spieler aber kaum gewusst haben dürften. Selbst wenn, wäre es ihnen wohl egal gewesen.

Der verletzte Kapitän Sebastian Mai stemmt als Erster den futuristischen Pokal in die Höhe. Physiotherapeut Tobias Lange versprüht ein bisschen Sekt, viel mehr Emotionen gehen kaum in einem leeren Stadion. "Wir konnten uns auf eine Siegerehrung ohne Applaus vorbereiten. Aber klar ist das irgendwie schade", meint Yannick Stark, der Mai während des Spiels wieder als Kapitän vertreten hatte.

Gefeiert werden soll vor allem auf der stundenlangen Rückfahrt mit dem Mannschaftsbus. "Der emotionale Ballast ist zwar vorige Woche schon abgefallen, aber heute haben wir auch was in der Hand", meint Chris Löwe. Für ihn geht damit "eines der schönsten Jahre, die ich als Profi hatte" zu Ende. "Und das trotz meiner schweren Verletzung." Auch für Schmidt ist es eines "der schönsten Momente meiner Trainerkarriere".

Wie schwer hat sich Königsdörffer verletzt?

Das konnte der Trainer direkt nach dem Spiel noch nicht abschätzen, zumindest konnte er aber leichte Entwarnung geben. "Ich habe die Info bekommen, dass es nicht so schwer sein soll, dass es recht glimpflich ausgehen könnte ", sagt er. Die Bilder ließen anfangs nichts Gutes vermuten. Ohne Einwirkung des Gegners war Ransford-Yeboah Königsdörffer in der 50. Minute weggerutscht und hat sich am linken Knie verletzt. Sofort zeigt der 19-Jährige an, dass es für ihn nicht weitergeht. Er kann nicht richtig auftreten und wird deshalb von Betreuern und Mitspielern Richtung Kabine getragen, bis die Sanitäter endlich mit einer Trage übernehmen. Bei der Meisterehrung steht er allerdings schon wieder auf dem Rasen und kann sogar leicht joggen. Eine genaue Diagnose wird es erst nach der Rückkehr nach Dresden und einer Untersuchung geben.

Ransford-Yeboah Königsdörffer mag gar nicht hinschauen, während sich die Betreuer um sein linkes Knie kümmern. Der 19-Jährige muss ausgewechselt werden.
Ransford-Yeboah Königsdörffer mag gar nicht hinschauen, während sich die Betreuer um sein linkes Knie kümmern. Der 19-Jährige muss ausgewechselt werden. © Foto: Picture Point

Wie fällt das entscheidende Tor?

Nach einem Standard. Jonathan Meier, der über das gesamte Spiel gefährliche Ecken schlägt, findet Julius Kade, dessen nicht voll getroffene Direktabnahme Pascal Sohm über die Linie drückt (21.). "Ich glaube, ich muss das erst mal ein paar Tage sacken lassen", erklärt der Torschütze hinterher. "Die Meisterschaft ist das I-Tüpfelchen auf eine Saison, in der wir viele Rückschläge einstecken mussten. Am Ende war es die geschlossene Mannschaftsleistung, die den Ausschlag gegeben hat, auch wenn das klischeehaft klingt."

Hätte Dynamo noch höher gewinnen können?

Auf jeden Fall. Es gibt nicht nur mehrere Chancen (Freistoß Panagiotis Vlachodimos/11., Schuss von Meier/12, Schuss von Löwe/63.), sondern auch eine strittige Elfmeterszene und ein Fast-Eigentor. Nach einer Eingabe von Meier springt der Ball Javov Medic erst an den Oberschenkel und von dort an die Hand - und das im Strafraum. Doch Schiedsrichter Patrick Hanslbauer pfeift keinen Elfer (25.). Das 2:0 hätten die Wehener dann in der 38. Minute beinahe selber erzielt. Florian Carsten spielt einen Katastrophen-Rückpass, der erst vom Pfosten aufgehalten wird. Torhüter Tim Boss, zwei Jahre in Dresden mit lediglich einem Einsatz, kann gerade noch klären.

Nach der Pause gibt es zwar kaum noch Höhepunkte, doch Dynamo hat die Partie jederzeit im Griff. "Der unglaublicher Charakter der Mannschaft hat sich heute wieder gezeigt, weil wir trotz der Feierlichkeiten nach dem Aufstieg vor einer Woche wieder um diesen Pokal gekämpft haben", findet Löwe.

Warum war Tim Knipping nicht im Kader?

Er ist Dynamos Dauerläufer. 3.143 Minuten - kein Feldspieler stand in der 3. Liga häufiger auf dem Platz als Tim Knipping. Lediglich wegen Sperren fehlte er zweimal in der Startelf. Beim Saisonfinale fehlte der Innenverteidiger nun "aus familiären Gründen", wie Pressesprecher Henry Buschmann mitteilt. Es könnte der gleiche Grund sein, warum Knipping nach dem Sieg gegen Viktoria Köln in Tränen ausgebrochen war. Danach erklärte er, dass es mit einer Corona-Erkrankung in seiner Familie zusammenhing. "Es ist eine sehr nahestehende Person. Die Situation ist seit letzter Woche sehr kritisch. Das belastet mich", sagte der 28-Jährige vor 14 Tagen.

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In Wiesbaden hielt die Reservisten nach dem Tor zum 1:0 demonstrativ Knippings Trikot hoch. "Tim wäre gerne hier gewesen, das weiß ich", sagt Sohm nach dem Spiel. "Ich wünsche ihm viel Kraft." Die restlichen Spieler, auch die, die nicht zum Kader gehörten, verfolgten das letzte Saisonspiel von der Tribüne aus - bis auf den verletzten Marco Hartmann, der in Dresden zum Kinderdienst eingeteilt war.

Das Saisonfinale im Liveticker zum Nachlesen.

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