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Sport

Bayern holen sich Tabellenführung zurück

Am Samstag zog RB Leipzig dank Keeper Gulacsi an den Münchnern vorbei. Die scheinen gegen Mainz davon beeindruckt und liegen zur Halbzeit 0:2 zurück.

Die Bayern-Profis Corentin Tolisso (l-r), Torschütze Robert Lewandowski, Leroy Sane und Thomas Müller jubeln über das Tor zum 5:2.
Die Bayern-Profis Corentin Tolisso (l-r), Torschütze Robert Lewandowski, Leroy Sane und Thomas Müller jubeln über das Tor zum 5:2. ©  dpa/Sven Hoppe

München/Dortmund/Stuttgart. Mit einem Kraftakt haben die Titelsammler des FC München gegen den Abstiegskandidaten FSV Mainz 05 einen krachenden Fehlstart ins neue Jahr doch noch meisterlich abgewendet. Trainer Hansi Flick stand beim 5:2 (0:2) am Sonntagabend erst fluchend an der Seitenlinie, bevor er nach den Toren von Joshua Kimmich (50. Minute), Leroy Sané (56.), Niklas Süle (70.) und dem zweimal erfolgreichen Weltfußballer Robert Lewandowski (76./Fouelelfmeter/83.) doch noch eine tolle Münchner Aufholjagd bejubeln konnte.

Die defensiv weiter anfälligen Bayern, die Welttorhüter Manuel Neuer mit Paraden im Spiel halten musste, setzten sich damit wieder an die Tabellenspitze, zwei Punkte vor RB Leipzig. Beflügelt vom großen Stühlerücken auf der Führungsebene und bestens eingestellt von Aushilfscoach Jan Siewert stand der lange wie verwandelt auftretende Tabellenvorletzte aus Mainz bis kurz nach der Pause vor einem Paukenschlag.

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Die bissigen, griffigen und entschlossenen Gäste belohnten sich zunächst mit den Toren von Jonathan Burkardt (32. Minute) und Alexander Hack (44.) für einen starken Auftritt in der Allianz Arena. Kapitän Danny Latza hatte in der 48. Minute sogar die 3:0-Führung auf dem Fuß. Doch Welttorhüter Neuer parierte seinen Schuss mit einem tollen Reflex. Es war ein Schlüsselmoment, danach drehten die Bayern die Partie - und die Mainzer gingen im großen Münchner Druck unter.

Da sah alles noch nach einer Sensation aus: Die Mainzer Profis feiern das 2:0 durch Alexander Hack.
Da sah alles noch nach einer Sensation aus: Die Mainzer Profis feiern das 2:0 durch Alexander Hack. ©  dpa/Sven Hoppe

Im Tor vertrat U21-Nationalkeeper Finn Dahmen bei seinem Bundesligadebüt den verletzten Robin Zentner (Rückenprobleme) lanbge sehr abgeklärt. Später war er dann machtlos bei allen Gegentoren.

Bei den Bayern war nach dem kurzen Weihnachtsurlaub von der von Flick im Training erlebten neuen Frische erst spät etwas zu sehen. Auch die defensiven Schwächen aus der Endphase des Fünf-Titel-Jahres 2020 waren wieder feststellbar. Zum achten Mal nacheinander geriet man in Rückstand. Beim 0:1 ließ sich Jérôme Boateng nach einem langen Ball von FSV-Kapitän Danny Latza vom 20-jährigen Burkardt mit einem leichten Rempler düpieren. Danach überwand der Angreifer Neuer mit einem strammen Schuss. Hack konnte noch vor der Pause nach einem Freistoß von Daniel Brosinski nahezu ungestört einköpfen.

Auch die Rückkehr von Nationalspieler Kimmich in die Startelf sorgte nicht für mehr defensive Stabilität beim Triple-Gewinner. Der zur Pause auf die rechte Verteidigerposition gewechselte Kimmich gab dann aber mit seinem Kopfball das Signal für die Aufholjagd. Er vollendete einen Angriffszug über den später verletzt ausgewechselten Serge Gnabry und Lewandowski mit dem Kopf. Danach waren die Bayern im Spiel. Sané zog entschlossen mit dem Ball nach innen und traf mit einem präzisen Flachschuss aus 20 Metern zum 2:2. Danach lief der Ball, die weiteren Tore fielen fast zwangsläufig.

Dortmund bezwingt Heimfluch

Zuvor hatte Borussia Dortmund den Heimfluch vertrieben und einen Champions-League-Platz zurückerobert. Nach zuletzt drei Niederlagen im eigenen Stadion blieb dem Revierclub beim hart erkämpften 2:0 (0:0) über den VfL Wolfsburg ein weiterer Rückschlag in der Fußball-Bundesliga erspart. Dank der Treffer von Manuel Akanji (66. Minute) und Jadon Sancho (90.+1) verbesserte sich das Team von Lucien Favres Nachfolger Edin Terzic am Sonntag auf den vierten Tabellenrang.

"Ich bin einfach froh, dass der Ball reinging", sagte Torschütze Akanji zu seinem Kopfballtor, das als Brustlöser wirkte. Dagegen blieben die Norddeutschen im elften Ligaspiel in Serie gegen den BVB sieglos. "Das ist sehr, sehr bitter für uns. Wir werden das Spiel aufarbeiten und versuchen, es nächste Woche besser zu machen", sagte VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer nach der zweiten Saison-Niederlage der Niedersachsen, die nun Sechster sind.

Gulacsi und Olma machen RB froh

Am Samstagabend hätte Peter Gulacsi allen Grund gehabt, sich ausgiebig feiern zu lassen. 86 Minuten waren bereits gespielt, RB Leipzig führte beim VfB Stuttgart trotz zahlreicher bester Chancen gerade mal mit 1:0, da stand plötzlich Waldemar Anton mutterseelenallein vor dem Torhüter der Roten Bullen. Doch was der Ausgleich hätte sein können, wenn nicht müssen, geriet zu einer grandiosen Rettungstat von Gulasci, zu einem "big save", wie Trainer Julian Nagelsmann hernach betonte.

Gulacsi aber tat nach seinem 200. Pflichtspiel für Leipzig, als sei es das Normalste der Welt gewesen, seiner Mannschaft einen Sieg zu retten, der zu diesem Zeitpunkt längst hätte feststehen müssen: Die Glückwünsche der Mitspieler quittierte der uneitle Ungar nur mit einem verschmitzten Lächeln. "Er ist sehr wichtig fürs Team", betonte Nagelsmann und verwies dabei auf die Erfahrung des 30 Jahre alten Schlussmanns. Doch vor allem lobte er, welche Entwicklung Gulacsi genommen hat.

Seine Nummer eins, sagte Nagelsmann, habe "einen Werdegang, der total interessant ist", will heißen: "Er hat auch schon Täler erlebt, und das zeichnet ihn als Typ auch aus". Genau genommen imponiert dem Leipziger Trainer, dass Gulacsi sich von Widrigkeiten nicht aufhalten lässt, dass er "beständig an etwas arbeitet". Derzeit sei es vor allem die Spieleröffnung in einem "völlig anderen Spielstil" als in den Jahren zuvor, "das muss man ihm schon hoch anrechnen", sagte Nagelsmann.

RB-Trainer Julian Nagelsmann (l.) freut sich mit Peter Gulacsi über den Auswärtssieg beim VfB Stuttgart, an dem der Torhüter mit einem „big save“, wie Nagelsmann sagte, einen entscheidenden Anteil besaß.
RB-Trainer Julian Nagelsmann (l.) freut sich mit Peter Gulacsi über den Auswärtssieg beim VfB Stuttgart, an dem der Torhüter mit einem „big save“, wie Nagelsmann sagte, einen entscheidenden Anteil besaß. © dpa/Tom Weller

Im 150. Bundesliga-Spiel von RB Leipzig erfüllte Gulacsi aber vor allem die Hauptaufgabe eines Torhüters ausgezeichnet, noch dazu im entscheidenden Moment. Dass der Stuttgarter Trainer Pellegrino Matarazzo später die Abwehr der Sachsen lobte und hervorhob, dass diese erst neun Gegentreffer zugelassen habe, wovon zudem drei aus dem 3:3 gegen Bayern München stammten, lag eben auch an Gulacsi. Und diesmal auch ein wenig an Lukas Klostermann, der ein neunminütiges Comeback feierte.

Und es lag auch an Dani Olmo, der auf Vorlage des starken Angelino endlich mal wieder einen Treffer erzielte, seinen zweiten erst (67.). Was umso wichtiger war, weil Leipzig zum Haareraufen miserabel mit seinen Chancen umging und zudem der hervorragende Stuttgarter Torhüter Gregor Kobel einen Elfmeter von Emil Forsberg parierte (22.). "Am Ende", sagte Nagelsmann, "war es ein hochverdienter Sieg, der zu knapp war." Er lobte zudem, "das die Jungs ihr Herz auf dem Platz gelassen haben".

Tatsächlich gab es wenig zu meckern an der durchweg starken Leistung der Leipziger - mit einer Ausnahme: Im Fernduell mit Titelverteidiger Bayern München täten ein paar mehr Tore schon gut. Womit Nagelsmann wieder beim selten treffsicheren Dani Olmo war. "Er kann an seiner Torgefahr arbeiten", sagte er und riet dem 22 Jahre alten Spanier, künftig weniger verspielt zu sein und nicht zu viel zu wollen: "Einfachheit ist oft das Geniale."

Leipzigs Dani Olmo (M) empfängt die Glückwünsche für sein spielentscheidendes Tor in Stuttgart von Vorlagengeber Angelino (r).
Leipzigs Dani Olmo (M) empfängt die Glückwünsche für sein spielentscheidendes Tor in Stuttgart von Vorlagengeber Angelino (r). © dpa/Tom Weller

Die Samstagsspiele im Überblick

Für den FC Schalke 04 geht die Sieglos-Serie auch mit dem neuen Trainer Christian Gross weiter. Der Tabellenletzte unterlag am Samstag 0:3 (0:1) bei Hertha BSC und wartet nun schon seit 30 Ligaspielen auf einen Sieg.

Bayer Leverkusen verlor mit 1:2 (1:1) bei Eintracht Frankfurt. Union Berlin setzte seinen Höhenflug mit einem 2:0 (2:0) bei Werder Bremen fort, die Köpenicker sind vorerst sogar Tabellenvierter. Stark startete auch der SC Freiburg ins neue Jahr. Die Breisgauer gewannen am 14. Spieltag 3:1 (3:0) bei der TSG 1899 Hoffenheim. Borussia Mönchengladbach hielt durch einen 1:0 (0:0)-Pflichtsieg bei Aufsteiger Arminia Bielefeld Anschluss an die Europapokal-Plätze. Der 1. FC Köln steckt nach dem 0:1 (0:0) gegen den FC Augsburg weiter im Tabellenkeller fest.

Schlusslicht bleiben die Schalker, die im ersten Spiel unter Coach Gross alte Schwächen offenbarten. Matteo Guendouzi brachte die Hertha in der 36. Minute in Führung. Jhon Cordoba (52.) und Krzysztof Piatek (80.) erhöhten für die Berliner, die mit dem Sieg den Abstand zur Abstiegszone ausbauten.

Für die ambitionierten Leverkusener war es in Frankfurt zunächst nach Plan gelaufen, als Nadiem Amiri schon in der zehnten Minute per Hackentrick zur Führung traf. Dann aber drehten die Gastgeber auf. Amin Younes erzielte den Ausgleich (22.), dann unterlief Bayer-Verteidiger Edmond Tapsoba auch noch sein erstes Eigentor in der Bundesliga (54.). Zwei Wochen nach dem 1:2 im Topspiel gegen die Bayern ein erneuter Dämpfer für Leverkusen.

Auch die Bremer mussten einen weiteren Rückschlag verkraften. Die Berliner Sheraldo Becker (12.) und Taiwo Awoniyi (28.) bestraften schon in Hälfte eins die Nachlässigkeiten der Werder-Defensive. Während Bremen immer mehr in Bedrängnis gerät, setzt sich Union weiter oben fest.

Ziemlich viel Mühe mussten die Gladbacher für den erwarteten Erfolg in Bielefeld aufwenden. Schon vor der Pause hatten die Borussen massenweise gute Gelegenheiten, doch erst in der 58. Minute erlöste Breel Embolo sein Team mit dem einzigen Tor des Tages.

Bereits beim Seitenwechsel alles klar war in Sinsheim. Baptiste Santamaria mit seinem ersten Bundesliga-Treffer (7.), Vincenzo Grifo per Handelfmeter (34.) und ein Eigentor von Kasim Adams (42.) sorgten für die klare Führung der Freiburger. Dazu mussten die Hoffenheimer auch noch früh Sebastian Rudy, der sich in seinem 300. Ligaspiel am Knie verletzte, und Kevin Akpoguma ersetzen. Das 1:3 durch Ihlas Bebou (58.) brachte keine Wende mehr.

Richtig zäh war die Partie in Köln. Für die Entscheidung sorgte Augsburgs Iago mit seinem Tor in der 77. Minute. (dpa)

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