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Wolfsburg siegt trotz fünf Quarantänefällen

Vor dem Spiel gegen Stuttgart werden die positiven Corona-Tests zweier Profis bekannt. Auch ein Ex-Dynamo gehört dazu. Sein Trainer kann es nicht erklären.

Am Mittwoch war Maximilian Arnold (r.) für den VfL Wolfsburg noch in München aufgelaufen. Am Sonntag gegen Stuttgart fehlte der gebürtige Riesaer wegen eines positiven Corona-Tests.
Am Mittwoch war Maximilian Arnold (r.) für den VfL Wolfsburg noch in München aufgelaufen. Am Sonntag gegen Stuttgart fehlte der gebürtige Riesaer wegen eines positiven Corona-Tests. © Archiv: dpa/Matthias Balk

Wolfsburg. Königsklassen-Coup nach dem Corona-Schrecken: Der VfL Wolfsburg hat trotz des kurzfristigen Ausfalls von vier Leistungsträgern vor den Feiertagen noch Champions-League-Platz vier erobert. Das Team von Trainer Oliver Glasner schlug den VfB Stuttgart im letzten Bundesliga-Spiel des Jahres mit 1:0 (0:0) und schob sich an Borussia Dortmund vorbei. Die Schwaben starten trotz des Dämpfers als starker Siebter in die zweite Saisonphase Anfang 2021.

"Das war ganz knapp und nicht der beste Fußball. Es war eigentlich ein Unentschieden-Spiel", sagte VfL-Torjäger Wout Weghorst bei Sky: "Angst hatten wir wegen der positiven Tests nicht, aber die Vorbereitung war schon gestört. Daher war das eine ganz starke Mannschaftsleistung."

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Josip Brekalo traf in der 50. Spielminute per direktem Freistoß, den VfB-Angreifer Silas Wamangituka entscheidend abfälschte. Die Niedersachsen hatten ohne die positiv auf COVID-19 getesteten Jerome Rousillon und den bei Dynamo Dresden ausgebildeten Maximilian Arnold sowie deren Kontaktpersonen Xaver Schlager und Maximilian Philipp antreten müssen. Für den so auswärtsstarken VfB war es am 13. Spieltag die erste Niederlage auf des Gegners Platz.

Von einer "relativ turbulenten Vorbereitung" auf die Partie sprach Glasner vor dem Anpfiff bei Sky. Seit Samstag wusste der Österreicher von den neuen Infektionen, seine betroffenen Spieler begaben sich umgehend in häusliche Quarantäne. Auch Nachwuchsmann Tim Siersleben musste sich wie seine Mitspieler auf Anweisung des Gesundheitsamt separieren.

Die Häufung von Coronafällen beim VfL konnte sich Glasner nicht erklären. "Wir haben hier ein strenges Hygienekonzept. Wir testen sehr viel und die Spieler halten sich auch sehr engmaschig daran", sagte der 46-Jährige in einem Sky-Interview. In den vergangenen Wochen und Monaten waren bereits die Spieler Kevin Mbabu, Josip Brekalo, Renato Steffen und Marin Pongracic positiv getestet worden.

Wolfsburgs Josip Brekalo (r) jubelt nach seinem Freistoßtor zum 1:0 mit Renato Steffen.
Wolfsburgs Josip Brekalo (r) jubelt nach seinem Freistoßtor zum 1:0 mit Renato Steffen. © dpa/Swen Pförtner

Fraglich war vor allem, wie die Wölfe ohne ihre zentralen Taktgeber Arnold und Schlager auskommen würden - insgesamt recht ordentlich. Wolfsburg, mit den ebenfalls erfahrenen Josuha Guilavogui und Yannick Gerhardt im defensiven Mittelfeld, kam nach einer Ecke per Kopfball von Maxence Lacroix sofort zur ersten Chance (1.). "Ich sehe es als Chance zu zeigen, was für eine geschlossene Mannschaft wir sind", hatte Glasner kurz zuvor gesagt.

Die Hausherren legten den Vorwärtsgang ein, doch auch der VfB machte von Beginn an mit und es ging rasant hin und her. In der neunten Spielminute forderten die Gäste nach einem resoluten Rempler von Ridle Baku gegen Nicolas Gonzalez einen Strafstoß - doch Referee Florian Badstübner war das zu wenig. Fast im Gegenzug tauchte dann Gerhardt frei vor VfB-Keeper Gregor Kobel auf, er blieb mit seinem Heber jedoch hängen (11.). Kurz bevor ein Treffer von Wolfsburgs Gerhardt wegen eines vermeintlichen Fouls keine Anerkennung fand (31.), scheiterte Wamangituka frei vor Koen Casteels (24.).

In der zweiten Hälfte kontrollierte der Gastgeber das Geschehen zunächst nach dem schnellen Treffer und staffelte sich tief, um dem VfB die Räume für das Tempospiel zu nehmen. Die Stuttgarter Offensive blieb allerdings kreativ und hätte den Ausgleich erzielen müssen, doch der eingewechselte Roberto Massimo traf aus sechs Metern das freie Tor nicht (70.). Der VfB stemmte sich bis zum Schluss gegen die Niederlage, es fehlte aber auch etwas Fortune.

Hertha-Coach Labbadia nach Pleite in Freiburg bedient

In Freiburg war Bruno Labbadia zuvor restlos bedient in seinem hellbraunen Mantel über den Rasen gestapft. Nach der nächsten trostlosen Vorstellung von "Big City Club" Hertha BSC am Ende eines enttäuschenden Jahres 2020 hatte auch sein zum Glücksbringer erkorenes Kleidungsstück ausgedient. "Heute haben wir einfach ein Gesicht gezeigt, was überhaupt nicht funktioniert. Der eine oder andere meint, dass er sein Ding alleine durchziehen kann", schimpfte Labbadia nach dem deutlichen 1:4 (0:1) beim SC Freiburg.

Mit 13 Punkten aus 13 Spielen hängen die Berliner in der kurzen Winterpause der Fußball-Bundesliga im Tabellenkeller fest. "Mich ärgert weniger, wo wir gerade stehen. Mich ärgert mehr, wo wir hätten stehen können", ergänzte der Berliner Coach. Das Traumziel Europa ist ganz weit weg. Und im neuen Jahr wartet gleich am 2. Januar das große Krisentreffen mit dem Tabellenletzten FC Schalke 04. "Wir müssen nach der Winterpause besser zurückkommen. Wir haben ein wichtiges Spiel vor der Brust. Wir müssen die Fehler analysieren und endlich punkten", sagte Herthas Maximilian Mittelstädt beim TV-Sender Sky.

Speziell die erste Halbzeit hat Labbadia mächtig geärgert. Da habe man gesehen, "wie man es nicht machen soll. So reichten 20 gute Minuten nach der Pause nicht aus, um einen Punkt aus dem Schwarzwald-Stadion zu entführen. Die Freiburger dagegen vergrößerten durch das fünfte Spiel nacheinander ohne Niederlage ihren Abstand auf die Abstiegsregion.

Hertha-Trainer Bruno Labbadia nahm sich nach dem 1:4 im Breisgau vor allem einen Spieler zur Brust.
Hertha-Trainer Bruno Labbadia nahm sich nach dem 1:4 im Breisgau vor allem einen Spieler zur Brust. © dpa/Philipp von Ditfurth

"Ich bin wahnsinnig froh und extrem glücklich, dass wir 17 Punkte haben. Es ist manchmal verrückt im Fußball. Wir haben jetzt gefühlt in einer Woche mehr Punkte gemacht als zuvor in drei Monaten", sagte Freiburgs Trainer Christian Streich und Vincenzo Grifo ergänzte: "Wir wollten 2020 genauso abschließen. Die Englische Woche mit neun Punkten abzuschließen, ist auch nicht normal."

Der Italiener war es auch, der die Gastgeber per Kopf in Führung gebracht hatte. Kurz nach der Pause gelang Dodi Lukebakio (52.) der zwischenzeitliche Ausgleich. Anschließend drückte die Hertha, ließ aber beste Gelegenheiten durch Niklas Stark (55.), Jordan Torunarigha (56.) und Krzysztof Piatek (57.) aus - und wurde dafür bestraft. Ermedin Demirovic (59.) schockte die Berliner mit seinem ersten Bundesliga-Tor zum 2:1, Verteidiger Manuel Gulde (67.) legte nach einer Ecke per Kopfball nach. Den Schlusspunkt setzte Nils Petersen per Foulelfmeter (90.+3).

Was Labbadia besonders geärgert hatte, war die blutleere Vorstellung einiger seiner Spieler. Sinnbildlich für den schwachen Auftritt im ersten Durchgang stand Matheus Cunha: Der Brasilianer trat gerade im Spiel gegen den Ball auf, als hätte er keine Lust. Mehrfach brüllte Labbadia den brasilianischen Nationalspieler an und forderte eine andere Körpersprache. Es änderte sich aber auch danach nichts. Folgerichtig nahm Labbadia ihn zur Halbzeit raus.

"Er zieht sich selber runter, bringt seine Leistung nicht, zieht die Mannschaft runter. Es ist sehr selten, dass ich so was mache, aber ich sage es ganz ehrlich: Ich bin total verärgert", kritisierte Labbadia. Der 21-Jährige hatte auch die Freiburger Führung eingeleitet, nachdem er im Mittelfeld einen Zweikampf leichtfertig gegen Jonathan Schmid verloren hatte.

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Die Hertha knüpfte nahtlos an ihren ernüchternden Auftritt zuvor gegen Mainz (0:0) an, wo sie genau wie der Gegner keinen einzigen Schuss aufs Tor abgegeben hatte. Besser wurde es erst, als Cunha nicht mehr auf dem Platz stand. In der Pause hatte Labbadia ihn durch Dilrosun ersetzt, was schnell Wirkung zeigte. Nach wenigen Minuten setzte sich der Flügelstürmer im Strafraum durch und flankte auf Lukebakio, der aus kurzer Distanz ins Tor schoss. Anschließend drückte die Hertha, doch wie aus dem Nichts kam Freiburg zurück und feierte am Ende einen deutlichen Sieg. (sid, dpa)

Die Profis des SC Freiburg jubeln nach einem Tor.
Die Profis des SC Freiburg jubeln nach einem Tor. © dpa/Philipp von Ditfurth

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