merken
PLUS Sport

Warum RB jetzt im Titelkampf kapituliert

Die Leipziger leisten sich einen Ausrutscher in Mainz und verlieren den Anschluss an die Bayern. Danach reden Trainer und Spieler Klartext.

Der Mainzer Danny Latza (R) im Zweikampf mit Tyler Adams (L) aus Leipzig.
Der Mainzer Danny Latza (R) im Zweikampf mit Tyler Adams (L) aus Leipzig. © dpa/Hasan Bratic

Von Frank Hellmann

Mainz. Der FC Bayern München hat die kollektiven Patzer seiner Pseudo-Verfolger wieder mal genutzt und kann seine neunte Meisterfeier in Folge planen. Im ungleichen Duell des Tabellenführers mit Schlusslicht Schalke 04 präsentierten sich die Münchner zwar erneut nicht so souverän wie gewohnt, kamen aber zum standesgemäßen 4:0-Erfolg.

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Somit hat der Serienmeister nach dem ersten Rückrundenspiel schon sieben Zähler Vorsprung auf RB Leipzig als erstem und wohl noch einzigen Verfolger. Doch der verliert bei Abstiegskandidat Mainz und sendet danach klare Signale der Kapitulation im Titelkampf.

Mangelnde Aktivität war zumindest dem Trainer an diesem widrigen Wintertag nicht vorzuwerfen. Fast im Akkord warf Julian Nagelsmann mit seinen schwarzen Handschuhen fleißig alle Bälle zurück, die in seiner unmittelbaren Umgebung ins Seitenaus geflogen waren. Ansonsten versuchte der RB-Fußballlehrer fortwährend, mit hektischem Fingerzeigen oder lautstarken Anweisungen noch Korrekturen anzubringen, was die 2:3-Niederlage ebenso wenig verhinderte wie eine längere Beschwerde bei Schiedsrichter Christian Dingert nach Schlusspfiff.

Die Bayern sitzen im ICE

Dabei hatten sich die Leipziger den kaum einkalkulierten Rückschlag zum Rückrundenauftakt selbst zuzuschreiben. „Die Schärfe und die Aggressivität bei Mainz war größer. Das war kein super anschauliches Spiel, aber mit drei Punkten für Mainz, die nicht unverdient sind“, räumte Nagelsmann nach dem Aussetzer ein – und mehr noch: „Grundsätzlich müssen wir nicht über die Bayern sprechen, wenn wir die Spiele verlieren. Wenn wir solche Spiele nicht gewinnen, werden wir, auch wenn die Bayern Punkte abgeben, nicht Meister. Das ist ganz simpel.“ Nagelsmanns zynischer Unterton verlieh seinen Statements einen giftigen Klang.

„Der Zug ist natürlich abgefahren“, erklärte Kapitän Marcel Sabitzer in der ARD. Passenderweise bemühte sein Trainer im ZDF dieselben Sinnbilder: „Zumindest sitzt Bayern im ICE und wir in der Regionalbahn. Es gibt wenige Regionalbahnen, die einen ICE noch einholen.“

Vieles beim Brauseklub hörte sich vor dem nächsten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen bereits nach einer Selbstaufgabe im Titelkampf an. Zumal wenige Erklärungen griffen. Dass Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool am 16. Februar ist zu lange hin, als dass es als Ausrede hätte gelten können. Die hohe Taktung im Januar wollte der Trainer nicht anführen, denn alle Leistungsdaten würden aussagen, „dass wir nicht megaplatt oder megamüde“ sind.

Forsberg: Leidenschaft und Wille nicht voll da

Im Grunde leistete sich seine Mannschaft den typischen Hänger des leichtsinnigen Favoriten, der sich nach einer zweimaligen Führung –1:0 durch Tyler Adams, 2:1 durch Marcel Halstenberg – in trügerischer Sicherheit wähnte. „Solche Spiele gewinnt man nur mit 100 Prozent Leidenschaft und Wille. Das haben wir nicht gemacht“, räumte der ausgebremste Edeltechniker Emil Forsberg im ZDF-Sportstudio ein.

In der Sendung am Samstagabend war auch der schwächelnde Torwart Peter Gulacsi zu Gast, der vor allem beim listig über die Linie gespitzelten Mainzer Siegtreffer von Leandro Barreiro nicht aufgepasst hatte. Überhaupt konterkarierten die Leipziger ihren Ruf als abwehrstärkstes Bundesliga-Team der Hinrunde mit Unkonzentriertheiten bei Standardsituationen, die der aufgerückte Verteidiger Moussa Niakhaté zweimal bestrafte.

„Zwei von den drei Gegentoren darfst du einfach nicht kriegen“, schimpfte Nagelsmann, der sich kurz vor der Pause eine unpassende Entgleisung in Richtung des Schiedsrichters („Was pfeift der denn für eine Scheiße?“) leistete. Da wirkte einer mächtig gefrustet, selbst keinen Zugriff zu bekommen. Alle fünf Einwechslungen für die Offensive verpufften. Ebenso misslang es dem 33-Jährigen, den Spielern eine Anpassung seines Matchplans zu vermitteln. Dass der furchtbar zerfurchte Rasen in der Mainzer Arena kein Kombinationsspiel ermöglicht, sollte eigentlich bekannt sein.

Die Bayern machten es gegen weiterhin kriselnde Schalker besser. Mal wieder.

Mehr zum Thema Sport