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Die Corona-Frage: Wer ist Profi und wer nicht?

Die 2. Volleyball-Bundesliga darf und soll trotz des Sportverbotes weiterspielen. Das bringt drei sächsischen Klubs reichlich Stress.

Sie müssen spielen, können aber nicht trainieren.
Sie müssen spielen, können aber nicht trainieren. © dpa/Silas Stein

Dresden. Der Lockdown trifft Amateure wie Freizeitsportler für mindestens einen Monat. Nur Profis dürfen dieser Tage in Mannschaftsstärke trainieren. Diese Ausnahmeregelung, die auch für Sport allein oder zu zweit gilt, sichert die Fortsetzung der umsatzstärksten und besucherträchtigsten Teamsportarten Deutschlands: die ersten und zweiten Ligen im Fußball, Handball, Basketball, Eishockey und Volleyball. Bei den Fußballern und Basketballern können sogar die dritthöchsten Männerligen weiterspielen.

Sachsen hat, wie alle anderen Bundesländer, dafür eine eigene Corona-Schutzverordnung fixiert. Die Passage für den Profisport aber ist so missverständlich formuliert worden, dass einer ganzen Spielklasse das Terminchaos droht: der 2. Volleyball-Bundesliga, die mit Abstand über die kümmerlichsten professionellen Strukturen und kleinsten Etats der genannten Ligen verfügt. Mit den L.E. Volleys aus Leipzig, der GSVE Delitzsch und dem VC Dresden sind drei Vereine betroffen. Deren Mannschaften dürfen seit Montag nicht mehr in die jeweilige Trainings- und Spielstätte, obwohl der Spielbetrieb weitergeht. Die drei Klubs erwirkten inzwischen beim Ligaverband VBL eine Verlegung ihrer für dieses Wochenende geplanten Punktspiele.

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Weil es auch in Hessen und im Saarland ähnliche Regelungen gibt, sind mittlerweile sieben von neun Partien in der Zweitliga-Staffel Süd abgesagt. Einleuchtend ist das nicht, einheitlich gleich gar nicht. Persönlich ist Dresdens Vereinschef Sven Dörendahl ohnehin wenig überzeugt, „dass wir das auf Teufel komm raus durchdrücken sollten. Ich sehe es nicht so, dass wir weiterspielen dürfen, sondern dass wir es müssen. Das ist gerade vom moralischen Aspekt her nicht richtig. Unsere Kinder und Hobbysportler müssen alles stilllegen“, argumentiert der Ex-Profi. Doch die Liga habe sich nun mal entschlossen, weiterzuspielen. „Das tragen wir mit. Wir müssen also trainieren“, sagt Dörendahl.

Sven Dörendahl führt den VC Dresden durch die Corona-Zeit.
Sven Dörendahl führt den VC Dresden durch die Corona-Zeit. © Robert Michael

Dass die Dresdner, aber auch Leipziger und Delitzscher nicht in die Halle dürfen, liegt an Sachsens Schutzverordnung. Darin ist auch das Sportverbot festgelegt samt aller Ausnahmen. Die eine gilt „für Sportlerinnen und Sportler, für die ein Arbeitsvertrag besteht, der sie zu einer sportlichen Leistung gegen ein Entgelt verpflichtet und dieses überwiegend zur Sicherung des Lebensunterhalts dient“. Das trifft auf das sächsische Trio nicht zu. „Ja, es gibt einige Profis in der 2. Liga, bei uns nicht“, stellt Dörendahl klar. Die Mannschaft besteht aus sechs Schülern und sechs Berufstätigen. Kapitän Paul Schneider arbeitet beispielsweise Vollzeit als Industriekaufmann. Martin Kroß ist Dachdecker. Einige Spieler erhalten eine Anerkennungsprämie.

Auch die zweite Ausnahme geht am VC Dresden vorbei: die „für Bundeskader oder die Kader in einem Nachwuchsleistungszentrum im Freistaat Sachsen“, wenngleich Junioren-Nationalspieler Karl-Lennart Klehm und Sebastian Rösler einen Kaderstatus haben. Die Konsequenz: Der Sportstättenbetrieb Dresden hat die angestammte Heimstätte des VC Dresden, die Sporthalle des Gymnasiums Bürgerwiese, für die Volleyballer geschlossen. „So wie wir das lesen, bekommen sie keine Hallenzeit“, erzählt Dörendahl von seinem Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Sportstättenbetriebs, deren Interpretation er unterstützt. „Und wenn die mich fragen: Verdienen ihre Spieler ihren Lebensunterhalt damit, sage ich: natürlich nicht.“

Sebastian Rösler hat einen Kaderstatus.
Sebastian Rösler hat einen Kaderstatus. © Robert Michael

Die Lösung des Dilemmas liegt nahe und ist zum Beispiel in Brandenburg zu finden. In der dort geltenden Schutzverordnung wird bei den Ausnahmeregelungen unter anderem explizit der Begriff „Bundesligateams“ genannt. In Sachsen heißt es bislang nur, dass kein Verbot des Spielbetriebs in den Profiligen besteht. Nach SZ-Informationen wird nun an einer Konkretisierung gearbeitet. Noch ist für den VC Dresden aber nichts klar. Dabei stehen im November fünf Spiele an, davon drei in eigener Halle – natürlich ohne Zuschauer. Das regelt die Schutzverordnung eindeutig. „Die Kosten steigen. Die Einnahmen werden immer geringer“, sagt Dörendahl und verweist auf die Corona-Tests, die in der Liga nun vor jedem Spieltag verpflichtend sind. Sowohl sein Verein als auch der VC Olympia Dresden, eine Bundesstützpunkt-Mannschaft mit den besten weiblichen Talenten der Region, absolvieren regelmäßig Schnelltests. Auf 150 bis 160 Euro belaufen sich die Kosten dafür pro Testreihe.

Bei den jungen Dresdnerinnen greift indes die Ausnahmeregelung. Sie dürfen trainieren und können auch ihre Spiele in der 2. Bundesliga bestreiten – genauso wie die Frauen des VV Grimma, die von einer Sondergenehmigung ihrer Stadt profitieren.

Christiane Fürst führt seit anderthalb Jahren die Geschäfte vom VC Olympia Dresden.
Christiane Fürst führt seit anderthalb Jahren die Geschäfte vom VC Olympia Dresden. © dpa/Sebastian Kahnert

Thomas Kettmann, Vize-Chef des Bundesstützpunkt-Teams vom VC Olympia, erklärt: „Keines unserer Mädchen bekommt finanzielle Zuwendungen.“ Der Klub ist vielmehr Unterbau des Erstligisten DSC. Um als Nachwuchsteam in der zweiten Liga spielen zu dürfen, musste aber ein neuer Verein gegründet werden. Der hat professionelle Strukturen, fest angestellte Trainer und seit anderthalb Jahren mit Christiane Fürst auch eine hauptamtliche Geschäftsführerin. Die 15- bis 19-jährigen Spielerinnen, alle schulpflichtig, trainieren bis zu zehnmal pro Woche. Zum Vergleich: Die VC-Männer kommen auf vier Einheiten.

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„Für uns ist die Regelung in der Schutzverordnung ein Segen. Wir brauchen die Spiele, den Wettkampf“, betont Kettmann, und er sagt: „Um tatsächlich Geld mit dem Volleyball verdienen zu können, müssen die Spielerinnen den Weg gehen, den wir ihnen anbieten.“ Und dann wären sie irgendwann wirklich echte Profis.

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