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Real bezwingt glückliche Gladbacher

Die Borussia musste zwar lange zittern, doch erstmals seit sechs Jahren haben wieder vier Bundesligisten das Achtelfinale der Champions League erreicht.

Real Madrids Karim Benzema (l) duelliert sich hier mit Mönchengladbachs Stefan Lainer und traf zweimal per Kopf gegen den Bundesliga-Vertreter.
Real Madrids Karim Benzema (l) duelliert sich hier mit Mönchengladbachs Stefan Lainer und traf zweimal per Kopf gegen den Bundesliga-Vertreter. © Bernat Armangue/AP/dpa

Madrid/München. Historischer Erfolg dank Schützenhilfe: Borussia Mönchengladbach hat trotz einer mutlosen Vorstellung mit fremder Unterstützung erstmals das Achtelfinale in der Champions League erreicht. Die Mannschaft von Trainer Marco Rose unterlag bei Real Madrid verdient mit 0:2 (0:2), profitierte nach einer insgesamt starken Gruppenphase aber vom Unentschieden im Parallelspiel zwischen Inter Mailand und Schachtjor Donezk. Die letzten Sekunden in Mailand verfolgten die Gladbacher Spieler gebannt vor dem Fernseher.

Kopfballungeheuer Karim Benzema (9., 32.) schien mit seinem Doppelpack die Gladbacher Träume von der sportlich attraktiven und finanziell lukrativen K.o.-Runde schon zerstört zu haben, doch dann kam die erlösende Botschaft. Bei der Auslosung am Montag drohen zwar Topgegner wie der FC Liverpool und Paris St. Germain, doch weitere 9,5 Millionen Euro an Prämie sind den Rheinländern sicher. Mit Gladbach, Titelverteidiger Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig haben zudem erstmals seit sechs Jahren vier Fußball-Bundesligisten das Achtelfinale der Champions League erreicht.

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Eine gute Nachricht erreichte Rose vor dem Anpfiff. Innenverteidiger Nico Elvedi stand nach überstandener Muskelverletzung wieder zur Verfügung. "Wir müssen mutig sein", hatte Nationalspieler Matthias Ginter vor dem Auftritt im kleinen Estadio Alfredo Di Stefano gefordert.

Doch davon war in der Anfangsphase nichts zu sehen. Lucas Vazquez hatte auf der rechten Seite viel zu viel Platz, seine präzise Flanke köpfte Benzema zur frühen Führung ein. Der französische Torjäger hatte sich Ginter und Stefan Lainer geschickt davongeschlichen.

Die Gäste legten ihren Respekt nach dem Rückstand kurzzeitig ab. Marcus Thuram prüfte erstmals Real-Torhüter Thibaut Courtois (10.), dann bot sich Alassane Plea nach schönem Zuspiel von Nationalspieler Florian Neuhaus die große Chance zum Ausgleich. Der Franzose setzte den Ball frei vor Courtois aber neben das Tor und schlug danach fassungslos die Hände vors Gesicht (25.).

In der Folge übernahm Real aber wieder das Kommando. Toni Kroos, Luka Modric und Co. ließen den Ball zirkulieren, die Gladbacher liefen häufig nur hinterher. Zudem fehlte die Zuordnung in der Defensive. Elvedi verhielt sich gegen Rodrygo viel zu passiv, dessen Flanke köpfte erneut Benzema aus kurzer Distanz ein. Ginter hatte den Mittelstürmer erneut aus den Augen verloren. Torhüter Yann Sommer verhinderte gegen Modric (39.) einen noch höheren Pausenrückstand.

Rose reagierte und veränderte mit Wiederanpfiff sein Personal und System. Denis Zakaria und Valentino Lazaro ersetzen den unsicheren Oscar Wendt und den wirkungslosen Breel Embolo. Doch Real war weiter spielbestimmend. Benzema scheiterte per Kopf an Sommer (49.).

Während die Gladbacher im Hinspiel (2:2 nach 2:0) immer wieder Nadelstiche gesetzt hatten, kamen sie auf dem Platz der zweiten Mannschaft von Real nur selten zu ihrem gefürchteten Umschaltspiel. Das legendäre Bernabeu-Stadion ist wegen Umbauarbeiten aktuell gesperrt.

Gladbach war zwar im zweiten Durchgang bemüht, es fehlte aber an Ideen und Durchschlagskraft, um die von Sergio Ramos organisierte Abwehr der Gastgeber ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Plea schoss aus der Drehung zudem vorbei (65.). Aber Real blieb weiterhin gefährlicher. Sommer rettete glänzend gegen Ramos, Benzema traf beim Nachschuss die Latte (73.). Vazquez traf den Pfosten (79.).

Münchner B-Elf bezwingt Moskau

In München hielt Premierentorschütze Niklas Süle den Triple-Express des FC Bayern auch im letzten Champions-League-Spiel des Jahres gegen Lokomotive Moskau auf Kurs und führte eine bessere B-Elf des Titelverteidigers zum nächsten Erfolg. Der Nationalspieler ebnete dem deutschen Rekordmeister mit seinem ersten Treffer in der Königsklasse überhaupt (63.) gegen den russischen Vize-Champion den Weg zum verdienten 2:0 (0:0). Eric Maxim Choupo-Moting sorgte für den Endstand (80.).

Die Bayern mit Rückkehrer Alphonso Davies waren bereits zuvor als Gruppensieger für das Achtelfinale qualifiziert, bei der Auslosung am Montag warten knifflige Aufgaben. Mögliche Gegner sind unter anderem der FC Barcelona mit Weltstar Lionel Messi, Sevilla, Bergamo, Porto oder Lazio Rom. Gespielt wird von 16. Februar bis 17. März.
Für den fünften Sieg im sechsten Spiel bei einem Unentschieden gab es weitere 2,7 Millionen Euro an UEFA-Prämie. Insgesamt hat der sechsmalige Champion in der Vorrunde 14,4 Millionen Euro kassiert, mit Startgeld (15,25) und Achtelfinal-Preisgeld (9,5) sind es über 39 Millionen.

Das Duell mit Lok war für die Bayern ein besseres Trainingsspiel unter Wettkampfbedingungen; Trainer Hansi Flick ging es folgerichtig nicht mit der bestmöglichen Aufstellung an und brachte mit zunehmender Spieldauer weitere Reservisten. Abwehrchef David Alaba stand aus Gründen der Belastungssteuerung wie der leicht angeschlagene Toptorjäger Robert Lewandowski gar nicht erst im Kader.

Eric Maxim Choupo-Moting von München jubelt über sein Tor zum 2:0.
Eric Maxim Choupo-Moting von München jubelt über sein Tor zum 2:0. ©  dpa/Sven Hoppe

Ihre Vertreter ließen es nicht an Engagement mangeln. Lok kam nur höchst selten aus der eigenen Hälfte heraus, bot in seiner dicht gestaffelten Abwehr aber lange nur sehr wenig Raum. Immer wieder blieben Münchner Torschüsse schon vor dem Ziel hängen. Sturmspitze Choupo-Moting, der Lewandowski vertrat, bekam kaum Bälle. Das wurde nur etwas besser, als er sich tiefer fallen ließ.

Rückkehrer Davies, der nach seiner Knöchelverletzung erstmals seit Ende Oktober auflief, spielte links hinten mit hohem Einsatz, aber wenig Ertrag. Weil auch die offensiven Außen Leroy Sane und Douglas Costa Probleme hatten, lahmte das für die Bayern so wichtige Flügelspiel beträchtlich.

Bis zum ersten Schuss aufs Tor durch Costa dauerte es eine geschlagene halbe Stunde. Antreiber Thomas Müller traf das Außennetz (39.). Lok traute sich mit Ende der ersten Halbzeit nach vorne und sorgte ein ums andere Mal für Gefahr.

Mit Müller, der für Serge Gnabry Platz machte, nahm Flick zur Pause auch noch einen der Aktivposten raus. Doch Gnabry brachte Schwung mit: Nach einer Ecke des Nationalspielers scheiterte Süle zunächst noch per Kopf (50.). Kurz darauf vergab Choupo-Moting per Hacke (53.), dann Gnabry selbst bei der bis dahin besten Chance (57.).

Süle verwertete wenig später eine Ecke von Costa aus sieben Metern wuchtig per Kopf. Nach Vorarbeit von Gnabry machte Choupo-Moting den Deckel drauf. (dpa, sid)

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