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Die Diskussion über Fans wurde vom Alltag überholt

Bei Dynamos DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV erlebt Dresden die größte Kulisse in Corona-Zeiten. Ein Kommentar von SZ-Sportredakteur Sven Geisler.

© Robert Michael

So macht das wirklich keinen Spaß. Der Pokal und seine eigenen Gesetze – außer Kraft gesetzt wegen der Corona-Pandemie. Kaum ein Amateurverein konnte die 90 Seiten langen Auflagen aus dem Hygienekonzept des Deutschen Fußball-Bundes umsetzen, die meisten gaben deshalb ihr Heimrecht an die höherklassigen Klubs ab. Dabei macht es den besonderen Reiz aus, wenn sich die Favoriten auf dem Dorfsportplatz blamieren.

Der Überraschungsfaktor in dieser ersten Runde am Wochenende tendierte gegen Null, auch wenn der Chemnitzer FC gegen Hoffenheim ganz nah dran war. Die Zuschauerzahlen sind regional unterschiedlich, aber immerhin: Es dürfen wieder Fans ins Stadion. Wie viele es am Montagabend bei Dynamos Heimspiel gegen den Hamburger SV sein werden, steht noch nicht fest. Es dürfte die bislang größte Kulisse sein. Trotzdem ist es so etwas wie die Pokalsensation vor dem Anpfiff, dass es am Spieltag noch einen freien Kartenverkauf gibt. Normalerweise wäre dieses Duell im Handumdrehen ausverkauft gewesen.

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Das Zögern beim Zugriff auf die Tickets hat sicher viele Gründe, die Infektionsgefahr dürfte ein wichtiger sein. Auch deshalb sind jene, die im Stadion sein werden, besonders gefordert, sich an die Regeln zu halten. Andererseits: Wer am Samstag im Dresdner Zentrum unterwegs war, braucht keine Massenansammlung mehr zu fürchten. Längst gilt in Einkaufszentren, was für Fußballstadien gefürchtet ist: unbegrenzter Zugang. Die Maskenpflicht nehmen zu viele zu leicht.

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Der Alltag hat die Diskussion um die Rückkehr von Zuschauern bei Sport- und anderen Veranstaltungen überholt. Wenn die Länder jetzt Vorschläge für eine bundesweit einheitliche Regelung unterbreiten, ist das früher als angekündigt. Die Ministerrunde mit der Bundeskanzlerin hatte diese Entscheidung auf Ende Oktober verschoben. Doch inzwischen sind einige Länder vorgeprescht wie Sachsen, haben bereits Zuschauer auch bei Bundesligaspielen und anderen Sportveranstaltungen genehmigt.

Und genau das ist der richtige Weg: nach regionaler Lage und mit der Kompetenz vor Ort entscheiden. Wenn das für Schulen praktiziert wird, wieso sollte es für den Sport nicht klappen? 

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