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Vor 30 Jahren: Das letzte DDR-Länderspiel

Als es am 12. September 1990 gegen Belgien ging, hatten 22 von 36 Spielern ihre Teilnahme abgesagt. Der damalige Nationaltrainer Eduard Geyer erinnert sich.

Uwe Rösler (M, unten) im Angriffszug, der belgische Abwehrspieler Albert (Nr. 13) verpasst den Ball.
Uwe Rösler (M, unten) im Angriffszug, der belgische Abwehrspieler Albert (Nr. 13) verpasst den Ball. © dpa

Köln. Eduard „Ede“ Geyer kann sich noch genau an den Schlusspunkt für die Fußball-Auswahl der DDR erinnern. Am 12. September 1990 in Brüssel fiel der letzte Vorhang für die Mannschaft der Deutschen Demokratischen Republik, die nach dem Mauerfall am 9. November 1989 nicht einmal mehr zehn Monate Bestand hatte.

Geyer hatte für den letzten Auftritt 36 Spieler eingeladen, aber 22 sagten ab. „Da hätte ich mir gewünscht, dass sich die Spieler etwas charakterfester verabschiedet hätten“, sagte Geyer später. Immerhin: Die stark ersatzgeschwächte DDR-Auswahl gewann durch zwei Treffer von Kapitän Matthias Sammer mit 2:0 gegen Belgien.

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„Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass dieser Tag auch eine gewisse historische Bedeutung hatte. Im Vorfeld und an dem Tag selbst ging es nur darum, dass wir gewinnen“, berichtete Geyer später in einem Interview in seinem Buch „Eduard Geyer - Einwürfe“ zu diesem speziellen Match.

Angeführt von Kapitän Matthias Sammer (M, vorn) betritt die DDR-Fußballnationalmannschaft mit Torhüter Jens Schmidt (dahinter) und Verteidiger Andreas Wagenhaus (l., damals Dynamo Dresden) das Feld des Brüsseler Constant-Vandenstock-Stadions. 
Angeführt von Kapitän Matthias Sammer (M, vorn) betritt die DDR-Fußballnationalmannschaft mit Torhüter Jens Schmidt (dahinter) und Verteidiger Andreas Wagenhaus (l., damals Dynamo Dresden) das Feld des Brüsseler Constant-Vandenstock-Stadions.  © dpa
Aufstellung für die Hymne: Kapitän Matthias Sammer, Jens Schmidt, Andreas Wagenhaus, Uwe Rösler, Heiko Peschke, Detlef Schößler, Dariusz Wosz, Heiko Bonan, Jörg Schwanke, Jörg Stübner, Heiko Scholz (v.l.)
Aufstellung für die Hymne: Kapitän Matthias Sammer, Jens Schmidt, Andreas Wagenhaus, Uwe Rösler, Heiko Peschke, Detlef Schößler, Dariusz Wosz, Heiko Bonan, Jörg Schwanke, Jörg Stübner, Heiko Scholz (v.l.) © dpa
Nationaltrainer Eduard Geyer führte die DDR-Auswahl in ihrem letzten Spiel zu einem 2:0-Erfolg. Sauer war er aber trotzdem. 
Nationaltrainer Eduard Geyer führte die DDR-Auswahl in ihrem letzten Spiel zu einem 2:0-Erfolg. Sauer war er aber trotzdem.  © dpa
Aufstellung für das Mannschaftsfoto. Stehend (v.l.)\ Jörg Schwanke, Uwe Rösler, Detlef Schößler, Andreas Wagenhaus, Heiko Peschke, Jens Schmidt; Hockend (v.l.)\ Jörg Stübner, Heiko Bonan, Matthias Sammer, Heiko Scholz, Dariusz Wosz.
Aufstellung für das Mannschaftsfoto. Stehend (v.l.)\ Jörg Schwanke, Uwe Rösler, Detlef Schößler, Andreas Wagenhaus, Heiko Peschke, Jens Schmidt; Hockend (v.l.)\ Jörg Stübner, Heiko Bonan, Matthias Sammer, Heiko Scholz, Dariusz Wosz. © dpa

Zu den Unentwegten, die sich entschlossen, noch einmal das DDR-Trikot überzustreifen, gehörten neben Sammer Uwe Rösler, Dariusz Wosz, Heiko Scholz, Heiko Bonan und Torsten Kracht.

Besonders angetan war der langjährige Coach von Energie Cottbus vom Matchwinner Sammer: „Matthias war manchmal nicht ganz leicht, er war ein bisschen kompliziert, hatte zuweilen völlig andere Ansichten. Grundsätzlich machte er sich aber immer Gedanken über Fußball. Mit ihm konntest du stundenlang darüber reden und diskutieren. Er ist schon ein besonderer Spezi, sonst hätte er es auch nicht so weit gebracht.“

In Brüssel traf Sammer in der 74. und 89. Minute für die Geyer-Truppe im Constant-Vanden-Stock-Stadion vor nur 12.000 Zuschauern. Am 19. Dezember 1990 stand Sammer auch im Wiedervereinigungs-Länderspiel in Stuttgart gegen die Schweiz (4:0) als erster DDR-Spieler in der Anfangsformation der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB); später wurde Andreas Thom als zweiter Kicker aus dem Osten für Sammer eingewechselt (74.).

Geyer: "Es war beschämend"

Enttäuscht war Geyer über die Spieler, die ihm für das Spiel einen Korb gegeben hatten. Viele hatte mit der DDR-Auswahl abgeschlossen. Aber auch die Spieler aus dem Osten, die in Brüssel zugegen waren, waren bei den Westklubs heiß begehrt. „Ich weiß noch sehr genau, wie nach dem Spiel plötzlich diverse Spielerberater um uns herumturnten. Es war beschämend, wie sich einige von denen aufführten“, berichtete Geyer.

Ähnliches hatte sich schon am 15. November 1989 in Österreich zugetragen, als die DDR wenige Tage nach dem Mauerfall noch um das Ticket für die WM 1990 in Italien kämpfte. Aber vergebens, der Traum von der zweiten Teilnahme an einer WM-Endrunde nach 1974 in der Bundesrepublik Deutschland platzte wie eine Seifenblase. Dies konnte der Fußballlehrer und Dresdner Meisterspieler, der im September 1989 die DDR-Auswahl übernommen hatte, nicht ändern.

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„Für einen Trainer, der unbedingt mal eine WM miterleben wollte, war es eine Katastrophe“, meinte Geyer. Vor 55.000 Zuschauern ging sein Team in Wien mit 0:3 unter. „Wenn die Mauer ein paar Wochen später gefallen wäre, hätten wir das Spiel gewonnen“, betonte Geyer später. (sid)

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