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Leipzig müht sich ins Achtelfinale des DFB-Pokals

RB Leipzig setzt sich beim SV Babelsberg knapp durch. Schalke blamiert sich in München, der Hamburger SV und der SC Freiburg setzen sich erst vom Punkt durch.

Die Profis von RB Leipzig jubeln nach dem 1:0 durch Dominik Szoboszlai (3.v.r).
Die Profis von RB Leipzig jubeln nach dem 1:0 durch Dominik Szoboszlai (3.v.r). © dpa/Andreas Gora

Von Florian Krebl

Babelsberg. RB Leipzig hat mit einem mühsamen Arbeitssieg das Achtelfinale des DFB-Pokals erreicht. Beim wacker kämpfenden Regionalligisten SV Babelsberg 03 gewann der Bundesliga-Vizemeister am Dienstagabend sein Zweitrunden-Duell glanzlos mit 1:0 (1:0). Der Pokalfinalist der vergangenen Saison darf weiter von der erneuten Endspiel-Teilnahme am 21. Mai in Berlin träumen.

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Dominik Szoboszlai (45.) brachte den haushohen Favoriten mit seinem goldenen Treffer in die Runde der letzten 16 (18. und 19. Januar 2022). Für die viertklassigen Babelsberger endete eine erfolgreiche Pokal-Saison, in der ersten Runde hatte das Team um den Ex-Leipziger Daniel Frahn Erstliga-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth im Elfmeterschießen ausgeschaltet.

Vor dem Spiel hatte Frahn angekündigt, gewiss nicht "die weiße Fahne hissen" zu wollen. Und selbst RB-Trainer Jesse Marsch warnte: "Wir dürfen Babelsberg nicht unterschätzen." Während die Babelsberger Fans in der Anfangsphase immer wieder Bengalos abbrannten, war Leipzig um gepflegtes Aufbauspiel über Kevin Kampl bemüht. Die Spitzen Andre Silva und Yussuf Poulsen hatten gegen die wachen und aggressiven Babelsberger viel Laufarbeit zu leisten.

Ihr Offensivpotenzial ließ die RB-Mannschaft vor 6218 Zuschauern im ausverkauften Karl-Liebknecht-Stadion jedoch schnell aufblitzen. Der heranrauschende Benjamin Henrichs (9.) schoss nach Freistoß-Flanke von Szoboszlai recht frei drüber. Sieben Minuten später der Schreckmoment für Leipzig: Josep Martinez, der Kapitän Peter Gulacsi im Tor vertrat, hatte sich im Herauslaufen verschätzt und wurde von Robin Müller überspurtet. Dieser brachte jedoch keine gute Hereingabe mehr zustande.

Leipzigs Tyler Adams (l) kämpft gegen Daniel Frahn (M) von SV Babelsberg um den Ball.
Leipzigs Tyler Adams (l) kämpft gegen Daniel Frahn (M) von SV Babelsberg um den Ball. © dpa/Andreas Gora

Leipzig wurde nun etwas zwingender, blieb oft jedoch zu ungenau. Und ihre Großchancen vergaben sie im ersten Durchgang lange. Henrichs fand Poulsen (20.) im Strafraum, dessen Schuss parierte Babelsberg-Torwart Jannick Theißen zwar, doch konnte der Ball erst vor der Linie von Verteidiger Marcus Hoffmann geklärt werden.

Und Theißen war gleich wieder gefragt. Als Leipzigs erst 18 Jahre alter Startelfdebütant Hugo Novoa (29.) von links frei auf ihn zu lief, rettete der Schlussmann die Gastgeber vor dem Rückstand. Besser machte es Szoboszlai unmittelbar vor der Halbzeit, als der 21-jährige Ungar von Poulsen am Strafraumrand angespielt wurde und Theißen beim Abschluss tunnelte.

Nach der Pause wollte RB unbedingt schnell für klare Verhältnisse sorgen und setzte Babelsberg noch stärker unter Stress. Szoboszlai (49.) hätte nach Poulsen-Vorlage sein zweites Tor machen müssen, scheiterte jedoch aus kurzer Distanz an Theißen. Der agile Henrichs verzog zehn Minuten danach ebenfalls knapp. Leipzig verwaltete das Spiel nun gegen Gastgeber, die weiter auf Konter lauerten. Einen solchen nutzte beinahe Müller (71.) zum Ausgleich, sein Schuss ging nur ans Außennetz.

Pleite für Schalke, Eigentor-Doppelpack in Sinsheim

1860 München hat für eine faustdicke Überraschung gesorgt und Schalke 04 ausgeschaltet, die Erstligisten ließen dagegen die Außenseiter abblitzen: Während Borussia Dortmun, RB Leipzig, Hertha BSC und die TSG Hoffenheim den Sprung ins Achtelfinale des DFB-Pokals schafften, patzte das Zweitliga-Spitzenteam aus Gelsenkirchen empfindlich beim Drittligisten von der Grünwalder Straße.

Der fünfmalige Cup-Champion um Coach Dimitrios Grammozis unterlag mit 0:1 (0:1) und verpasste erstmals seit sechs Jahren den Sprung in die Runde der letzten 16. Ohne den erst in der zweiten Halbzeit eingewechselten Torjäger Simon Terodde tat sich Schalke von Beginn an schwer, eine Rote Karte gegen Malick Thiaw (48.) wegen einer Notbremse machte die Aufgabe noch komplizierter. Die Münchner, nur Tabellen-16. in Liga drei, brachten ihren frühen Treffer von Stefan Lex (5.) über die Zeit und jubelten danach ausgelassen.

Die Anzeige zeigt den Endstand im Grünwalder Stadion - für Schalke ist die Pokalsaison gelaufen.
Die Anzeige zeigt den Endstand im Grünwalder Stadion - für Schalke ist die Pokalsaison gelaufen. © dpa/Angelika Warmuth

Bei Hertha lebt die Hoffnung aufs Finale im eigenen Stadion ebenfalls weiter durch einen hart erschufteten 3:1 (1:1)-Erfolg beim Regionalligisten Preußen Münster. Vor 11.037 Zuschauern im ausverkauften Preußenstadion brachte Stevan Jovetic (3.) den Favoriten früh in Führung. Thorben Deters schlug für Münster zurück (41.), eine Gelb-Rote-Karte nach einer Schwalbe gegen Nicolai Remberg (45.+1) schwächte den Außenseiter dann jedoch erheblich und die Joker Ishak Belfodil (79.) und Marco Richter (83.) trafen für die Gäste.

Auch Hoffenheim setzte sich durch und der kriselnde Vorjahres-Halbfinalist Holstein Kiel verlor auch im DFB-Pokal seinen Schrecken. Die Störche, die in der 2. Liga auf den viertletzten Tabellenplatz abgestürzt sind, unterlagen 1:5 (0:2) beim Bundesligisten und schossen die Tore für den Gegner auch noch teilweise selbst.

Johannes van den Bergh (3.) und Hauke Wahl (31.) trafen ins eigene Netz. Zwei Eigentore im DFB-Pokal hatte es zuletzt 1977 bei der Partie zwischen der TuS Rosenberg und dem MSV Duisburg (1:11) gegeben. Nach dem Anschlusstreffer von Phil Neumann (47.) sorgten Angelo Stiller (59.), Munas Dabbur (72.) sowie Jacob Bruun Larsen (84.) für klare Verhältnisse. In der vergangenen Saison hatte Holstein noch sensationell Bayern München aus dem Wettbewerb geworfen. Daraus wird diesmal nichts.

In Dortmund führte Blitz-Joker Thorgan Hazard die Borussia an einem tristen Pokalabend über eine denkbar niedrige Hürde. Gegen das Zweitliga-Schlusslicht FC Ingolstadt verzettelte sich der Titelverteidiger lange mit einer besseren B-Elf, zog aber beim 2:0 (0:0) dank zweier Tore des spät eingewechselten Belgiers wieder ins Achtelfinale ein.

Nicht mehr als 25.130 Zuschauer wollten das erste von drei BVB-Heimspielen innerhalb von acht Tagen sehen - wer zu Hause geblieben war, verpasste wenig. Dem 120 Sekunden zuvor aufs Feld gekommenen Hazard (72./81.) gelangen nach zwei Dortmunder Lattentreffern die entscheidenden Tore für eine Mannschaft, die ohne zehn verletzte Profis lange fruchtlos den gegnerischen Strafraum belagert hatte.

"Es war kompliziert mit der massiven Abwehr im Strafraum. Wir hätten früher das 1:0 machen können, dadurch haben wir es uns selbst schwer gemacht", sagte Matchwinner Hazard bei Sky. Gäste-Coach Andre Schubert lobte sein Team. "Wir haben Dortmund eine ganze Menge Ärger bereitet. Meine Jungs haben das gut gemacht."

Mainz nach Verlängerung, HSV und Freiburg im Elfmeterschießen

In Mainz schoss Joker Marcus Ingvartsen den FSV erstmals seit vier Jahren wieder ins Achtelfinale und versetzte Arminia Bielefeld einen weiteren sportlichen Tiefschlag. Der Däne traf am Dienstagabend vor 9.000 Zuschauern in der 114. Minute zum 3:2 (0:1, 2:2) nach Verlängerung und entschied damit das rasante Zweitrundenduell mit dem Bundesliga-Vorletzten.

Masaya Okugawa (2.) hatte die Ostwestfalen früh in Führung gebracht. Jonathan Burkardt (53.) und Karim Onisiwo (59.) drehten nach der Pause die Partie, ehe der erst 22 Minuten zuvor eingewechselte Torgarant Fabian Klos (89.) die bis zur letzten Sekunde kämpfenden Gäste in die Verlängerung köpfte. Dort hatte Mainz dank Ingvartsen aber das bessere Ende für sich.

Erst im Elfmeterschießen haben die Bundesliga-Himmelsstürmer des SC Freiburg ihre Erfolgsserie auch im Pokal fortgesetzt. Die Mannschaft von Trainer Christian Streich gewann beim Drittligisten VfL Osnabrück unerwartet mühsam mit 3:2 in den Duellen vom Punkt und erreichten im Nachsitzen das Achtelfinale. Nach der Verlängerung hatte es 2:2 (1:1, 1:0) gestanden. SC-Torhüter Benjamin Uphoff hielt drei Elfmeter.

Keven Schlotterbeck (120.) hatte Freiburg kur vor Ende der Verlängerung in die Elfmeterduelle gerettet. Zuvor hatte Sebastian Klaas mit seinem Treffer in der 108. Spielminute den VfL ganz nach an den Sieg herangebracht. Die Niedersachsen hatten mit der letzten Aktion der regulären Spielzeit durch einen Treffer von Lukas Gugganig (90.+7) den Ausgleich erzwungen. Torschütze für die Gäste war Vincenzo Grifo, der in der 33. Minute einen Patzer von Torhüter Philipp Kühn nutzte. Osnabrücks Ba-Muaka Simakala (116.) sah kurz vor Schluss der hektischen Verlängerung noch Gelb-Rot.

Der Hamburger SV zitterte sich in einem rassigen XXL-Duell gegen den 1. FC Nürnberg weiter. Im von zwei minutenlangen Verletzungspausen überschatteten Cup-Fight voller Emotionen setzte sich die Mannschaft von Trainer Tim Walter am Dienstagabend erst im Elfmeterschießen mit 4:2 beim ebenbürtigen Zweitligarivalen durch. Die Nürnberger Lino Tempelmann und Asger Sörensen vergaben vor 19 267 Zuschauern ihre Strafstöße.
Nach 120 packenden Minuten hatte es 1:1 (0:1) gestanden. Jonas David hatte den offensiv zwingenderen HSV in der 45. Minute in Führung geschossen, Taylan Duman (59.) bescherte dem FCN den Ausgleich.

Eine bittere Rückkehr erlebte der langjährige "Club"-Linksverteidiger Tim Leibold. Der 27-Jährige wurde bei jeder Aktion ausgepfiffen und verletzte sich nach einem Zweikampf an der Seitenlinie mit Tom Krauß auch noch am rechten Knie. Leibold musste lange behandelt werden und wurde in der 22. Minute mit vor sein Gesicht geschlagenen Händen auf einer Trage in den Stadioninnenraum gebracht.

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Die zweite Hälfte begann mit dem nächsten beängstigenden Moment. Krauß und Leibolds Ersatz Miro Muheim krachten zusammen (46.). Referee Bastian Dankert winkte sofort die Sanitäter herbei, um den zunächst offensichtlich regungslosen Nürnberger behandeln zu lassen. Krauß wurde abtransportiert. (sid, dpa)


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