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RB wirft Wolfsburg aus dem Pokal

In der Meisterschaft nur zwei Punkte hinter den Bayern, im Pokal bereits im Halbfinale - Leipzig winkt in dieser Saison der erste Titel. In Essen ärgert sich der Außenseiter.

Leipzigs Spieler feiern das Tor zum 1:0 durch Stürmer Yussuf Poulsen (verdeckt).
Leipzigs Spieler feiern das Tor zum 1:0 durch Stürmer Yussuf Poulsen (verdeckt). ©  dpa/Jan Woitas

Von Tom Bachmann, Stefan Tabeling und Holger Schmidt

Leipzig. RB Leipzig hat die Defensiv-Könige des VfL Wolfsburg entthront und ist nur noch zwei Siege vom größten Erfolg der Vereinsgeschichte entfernt. Die Sachsen gewannen am Mittwoch im Viertelfinale des DFB-Pokals 2:0 (0:0) gegen die zuvor acht Spiele ohne Gegentor gebliebenen Wölfe. Yussuf Poulsen (63.) und Hee-chan Hwang (88.) schossen Leipzig mit ihren Toren zum zweiten Mal nach 2019 ins Halbfinale. Für Poulsen, der dem VfL das erste Gegentor nach 818 Minuten bescherte, war es schon der fünfte Pokal-Treffer in dieser Saison.

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"Pokal ist All or Nothing. Und wir wollen All!", hatte Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner als Devise ausgegeben. Entsprechend lieferten sich die beiden seit Wochen so stark auftretenden Teams ein intensives, umkämpftes Spiel und unterstrichen, warum sie in der Bundesliga auf den Plätzen zwei und drei liegen. Vollen Einsatz zeigte auch RB-Coach Julian Nagelsmann, der lautstark die ein oder andere Schiedsrichter-Entscheidung anprangerte.

Mit der stolzen Bilanz von acht Pflichtspielen ohne Gegentor war der VfL nach Leipzig gereist. Warum Wolfsburgs Keeper Koen Casteels so schwer zu bezwingen ist, bewies der Belgier in der elften Minute, als er mit einer Wahnsinnsparade den Kopfball von Christopher Nkunku noch entschärfte. Bei der zweiten Leipziger Großchance hatte Casteels indes Glück, dass Justin Kluiverts Kopfball aus kurzer Entfernung eher einer Rückgabe glich (18.).

RB ließ sich die Ausfälle der Leistungsträger Marcel Sabitzer, Angeliño und Marcel Halstenberg nicht anmerken und agierte äußerst druckvoll und fand durchaus Lücken in der starken VfL-Defensive. Die Wolfsburger setzten indes auf schnelle Umschaltmomente und erwiesen sich als ein unbequemer Gegner.

Freut sich: Hee-Chan Hwang hat gerade zum 2:0 für seine Leipziger getroffen.
Freut sich: Hee-Chan Hwang hat gerade zum 2:0 für seine Leipziger getroffen. © dpa-Zentralbild

Dabei verhinderte nur ein Ausrutscher von Weghorst die Führung der Gäste in der 26. Minute. Der Niederländer setzte den Foulelfmeter weit über das Tor, als er ausgerechnet beim Schuss mit dem Standbein wegrutschte. Zuvor hatte der Video-Schiedsrichter eingegriffen, denn beim Schuss von Kevin Mbabu wurde er von Nkunku am Fuß getroffen. Weitere gute Möglichkeiten von Xaver Schlager (38.) und Renato Steffen (45.) entschärfte Leipzigs Keeper Peter Gulacsi.

Die zweite Hälfte begann wie die erste - mit einer Parade von Casteels, der beim Schuss von Poulsen die Oberhand behielt (51.). Wenig später war der Keeper dann aber doch geschlagen. Nach einem starken Konter und einem doppelten Doppelpass mit dem kurz zuvor eingewechselten Alexander Sörloth traf Poulsen mit einem abgefälschten Schuss. Wolfsburg versuchte noch einmal alles, mehr als eine Chance von Josip Brekalo sprang aber nicht mehr heraus (78.). Stattdessen machte Hwang alles klar.

Essens Vorstandschef spricht nach aus von "Skandal"

Holstein Kiels Trainer Ole Werner stieß nach dem vereinshistorischen Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale nur einen kurzen Jubelschrei aus, der geschlagene Gegner Rot-Weiss Essen haderte mit einem Skandal-Elfmeter. Der Bayern-Schreck beendete das Cup-Märchen des Regionalligisten am Mittwoch an der Hafenstraße und erreichte erstmals in der Vereinsgeschichte die Vorschlussrunde des DFB-Pokals. "Ich bin im Moment einfach nur platt und leer", sagte Kiels Fin Bartes, natürlich sei er aber auch glücklich nach dem 3:0 (2:0) gegen die Essener: "Wir stoßen einmal an und trinken ein, zwei Bier."

Im zweiten Viertelfinalversuch nach 2012 klappte es mit dem Einzug in die Vorschlussrunde. Die Kieler trafen gegen den forschen Außenseiter vorentscheidend mit einem Doppelschlag innerhalb von 113 Sekunden durch Alexander Mühling (26./Foulelfmeter) und Janni Serra (28.). Allerdings schien der Elfmeter-Pfiff zum 0:1 eine klare Fehlentscheidung gewesen zu sein. Kiels Finn Porath war schon im Fallen, als Essens Dennis Grote ihn berührte.

Kiels Janni Serra (2.vl) erzielt gegen die Essener Daniel Heber (l) und Torwart Daniel Davari das Tor zum 0:2.
Kiels Janni Serra (2.vl) erzielt gegen die Essener Daniel Heber (l) und Torwart Daniel Davari das Tor zum 0:2. © Martin Meissner/AP Pool/dpa

"Für mich ist das ein Riesen-Skandal", schimpfte Essens Vorstandschef Marcus Uhlig schon zur Pause bei Sky: "Da fragt man sich schon, ob da alle geschlafen haben. Und ich bin sicher: Wenn es den Elfer nicht gibt, fällt auch das 0:2 nicht." Auch Trainer Christian Neidhart verstand nicht, warum der Video-Referee nicht eingriff, betonte aber: "Wir können alle ganz stolz sein auf die Pokalserie, die wir gespielt haben." Für das dritte Gegentor sorgte Joshua Mees in der 90. Minute.

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"Wir haben bestanden, wo andere gescheitert sind und etwas erreicht, was für unseren Verein einmalig ist. Deshalb sind wir happy", sagte Werner: "Es sind noch vier Kugeln in der Trommel und wir sind dabei. Damit hätten wir vor der Saison nicht gerechnet."
Essen, 1953 erster Pokalsieger nach dem Zweiten Weltkrieg und 1994 Finalist, verpasste es, trotz guter Leistung als zweiter Viertligist nach dem 1. FC Saarbrücken im Vorjahr ins Halbfinale einzuziehen und kann sich nun auf den Aufstiegs-Kampf konzentrieren. Aktuell ist RWE mit drei Punkten Rückstand und einer weniger ausgetragenen Partie Zweiter der Regionalliga West hinter der U23 von Borussia Dortmund. (dpa)

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