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Gladbacher Gala: Bayern fliegt hochkant aus dem Pokal

Die Bayern kassieren in Mönchengladbach die höchste Pokalniederlage der Vereinsgeschichte. Auch Leverkusen fliegt raus, Rostock macht es spannend.

So geknickt sieht man die Münchner Stars Thomas Müller (l) und Robert Lewandowski eigentlich nie. Doch im Angesicht der höchsten Pokalpleite der Vereinsgeschichte ist der Frust verständlich.
So geknickt sieht man die Münchner Stars Thomas Müller (l) und Robert Lewandowski eigentlich nie. Doch im Angesicht der höchsten Pokalpleite der Vereinsgeschichte ist der Frust verständlich. © dpa/Marius Becker

Von Erik Roos

Mönchengladbach. Schlampig, schläfrig, schauderhaft: Bayern München ist nach einer grausigen Vorstellung bei Borussia Mönchengladbach hochkant mit 0:5 (0:3) aus dem DFB-Pokal geflogen. Der desolate Rekord-Titelträger kassierte mitten in der hitzigen Impfdebatte um Joshua Kimmich die höchste Pokal-Niederlage seiner Geschichte und schied wie schon im Vorjahr in der zweiten Runde aus.

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"Ich bin absolut schockiert. Wie waren einfach nicht da", sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic nach der Münchner 0:5 (0:3)-Packung bei Borussia Mönchengladbach in der ARD. 90 Minuten lang hatten die Bayern eine grausige Vorstellung abgeliefert und waren hochkant aus dem DFB-Pokal geflogen, die erste Titelchance ist damit futsch. "Wir haben uns in jeder Situation den Schneid abkaufen lassen. Ein kollektiver Blackout", sagte Salihamidzic.

Manu Kone (2.) und Ramy Bensebaini (15./21., Foulelfmeter) sorgten in einer furiosen Anfangsphase für ein schnelles 3:0 für die wie entfesselt beginnenden Gladbacher, die im siebten Versuch erstmals den alten Rivalen aus dem Pokal warfen. Breel Embolo (51./57.) legte nach der Pause einen Doppelpack nach. Zuvor war das 1:5 im Viertelfinale 1971/72 gegen Köln Bayerns höchste Niederlage im Pokal gewesen.

"Man träumt ab und zu von so etwas. Aber das so etwas mal Realität wird, glaubt man nicht. Das war eine großartige Leistung", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl in der ARD.

Vor 48.500 Zuschauern im Hexenkessel Borussia-Park traten die Münchner vor allem vor der Pause erschreckend harmlos auf und schieden völlig verdient aus. Zwei Achtelfinals in Folge ohne die Münchner hatte es zuletzt 1994 und 1995 gegeben.

Mönchengladbachs Torschützen Ramy Bensebaini (unten) und Kouadio Koné (r) nach dem Treffer zum 2:0.
Mönchengladbachs Torschützen Ramy Bensebaini (unten) und Kouadio Koné (r) nach dem Treffer zum 2:0. © dpa/Marius Becker

Die Borussia verdiente sich den Sieg in einem denkwürdigen Pokalfight durch eine spielerisch bärenstarke Leistung sowie einen überragenden Bensebaini. Am Ende gelang ein furioser Erfolg gegen die Bayern, die erneut ohne Julian Nagelsmann auskommen mussten. Der Cheftrainer zog aus seiner Corona-Quarantäne die Fäden und wurde am Niederrhein von Dino Toppmöller vertreten.

Von der "schwersten Aufgabe, die es in dieser Pokalrunde geben kann", hatte Nagelsmann vor dem Anstoß aus der heimischen Isolation gewarnt. Und er behielt recht: Gerade einmal 80 Sekunden waren gespielt, als der erst 20 Jahre alte Kone einen schlampigen Pass von Alphonso Davies abfing, nach Zusammenspiel mit Embolo erneut an den Ball kam und überlegt zur Führung abschloss. Für den Franzosen war es das erste Tor im Gladbach-Dress.

Und der Sturmlauf der Borussia ging weiter. Während die Bayern kaum wussten, wie ihnen geschah und in der Abwehr wie ein Hühnerhaufen wirkten, erspielte sich die Hütter-Elf eine Chance nach der anderen. Als Bensebaini einen Angriff wie aus dem Lehrbruch über Embolo und Nationalspieler Jonas Hofmann gegen die Laufrichtung von Manuel Neuer zum 2:0 abschloss, erfroren auf der Bayern-Bank bei Toppmöller und Co. die Mienen.

Fassungslos: Angesichts der Leistung seiner Bayern beim Pokalspiel in Mönchengladbach kann sich auch Joshua Kimmich nur noch an den Kopf fassen.
Fassungslos: Angesichts der Leistung seiner Bayern beim Pokalspiel in Mönchengladbach kann sich auch Joshua Kimmich nur noch an den Kopf fassen. © dpa

Und damit nicht genug. Lucas Hernandez, der wenige Stunden vor Anpfiff mit einem Einspruch gegen seine drohende Haftstrafe Erfolg gehabt hatte, foulte Embolo im Strafraum, Bensebaini verwandelt den fälligen Elfmeter locker. Erstmal in ihrer Geschichte lagen die Bayern im DFB-Pokal so früh so hoch zurück. "Es könnte auch 4:0 oder 5:0 stehen", sagte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger in der Pause.

Nach dem Wechsel legte die Borussia, die in der Bundesliga drei der letzten fünf Heimspiele gegen Bayern gewonnen hatte, durch Embolo sogar die Tore Nummer vier und fünf nach. Damit platzten auch die letzten zarten Bayern-Hoffnungen an einem denkwürdigen Abend.

Leverkusen unterliegt Zweitliga-Vertreter aus Karlsruhe

In Stuttgart überragte Torjäger Anthony Modeste. Beim 2:0 (0:0) des 1. FC Köln beim VfB traf der Franzose binnen fünf Minuten doppelt (72./77.). Er war erst etwa 30 Sekunden vor seinem ersten Tor eingewechselt worden.

Bayer Leverkusen schied bereits zuvor überraschend aus. Der Finalist von 2020 scheiterte am Karlsruher SC und unterlag mit 1:2 (0:1). Der Zweitligist aus Nordbaden nutzte die personellen Probleme der Hausherren aus und überrumpelte Bayer nach gerade einmal vier Minuten durch Lucas Cueto. Leverkusen meldete sich zwar durch Jeremie Frimpong zurück (54.), doch nur zehn Minuten später lud Torwart Lukas Hradecky Karlsruhe mit einer missglückten Spieleröffnung noch einmal ein. Kyoung-Rok Choi war der Nutznießer.

Der 1. FC Union Berlin tat sich beim SV Waldhof Mannheim aus der 3. Liga ebenfalls schwer, hatte aber das bessere Ende beim 3:1 (1:1, 1:1)-Sieg nach Verlängerung auf seiner Seite. Die Mannheimer, bei denen die Spieltagsvorbereitung durch die Trennung vom Sportlichen Leiter Jochen Kientz gestört wurde, legten durch Alexander Rossipal vor (4.). Für den Club aus der Hauptstadt traf zunächst Kevin Behrens (18.) und in der Verlängerung retteten Taiwo Awoniyi (94.) und erneut Behrens (117.) die Unioner vor dem Aus.

Der FC Augsburg verpasste bei der 4:5-Niederlage im Elfmeterschießen beim VfL Bochum indes einen Befreiungsschlag. Der Bundesliga-16. wartet nun seit fünf Pflichtspielen auf ein Erfolgserlebnis. Nach dem Doppelpack von Milos Pantovic (12./54.) glichen Reece Oxford (56.) und Ruben Vargas (58.) für den FCA aus. Die Aufholjagd wurde aber nicht belohnt, weil im Elfmeterschießen der eingewechselte Torwart Manuel Riemann den entscheidenden Versuch für den VfL verwandelte.

In die nächste Runde zog auch Hannover 96 ein. Die Niedersachsen jubelten dank eines 3:0 (1:0) gegen Fortuna Düsseldorf. Sebastian Kerk (30.) und Maximilian Beier (90.+2/90.+5) trafen.

Damian Roßbach (2.v.r.) jubelt mit Torschütze Julian Riedel von Hansa Rostock über den Treffer zum 0:1. Doch die Ostseestädter setzten sich am Ende erst im Elfmeterschießen durch.
Damian Roßbach (2.v.r.) jubelt mit Torschütze Julian Riedel von Hansa Rostock über den Treffer zum 0:1. Doch die Ostseestädter setzten sich am Ende erst im Elfmeterschießen durch. © dpa/Matthias Balk

Als letztes Team zog der FC Hansa Rostock ins Achtelfinale ein. Die Norddeutschen setzten sich im Elfmeterschießen mit 4:2 bei Jahn Regensburg durch. Dabei hatte das Team von Trainer Jens Härtel in der regulären Spielzeit einen 2:0-Vorsprung verspielt und in der Verlängerung mit 2:3 zurückgelegen. Kurz vor dem Abpfiff - quasi mit der letzten Aktion - rettete sich der FCH ins Elfmeterschießen.

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In einer vor allem von schlechten Sichtverhältnissen durch den starken Nebel geprägten Partie trafen Julian Riedel (9.), Streli Mamba (56.) und Pascal Breier (120.+1) für Hansa. Sarpreet Singh (71.) und Joel Zwarts (90.+1) hatten die Gastgeber vor 7360 Zuschauern in die Verlängerung gerettet. In dieser sorgte Steve Breitkreuz (101.) für die Führung, doch Breier schlug spät zurück. Rostock-Keeper Markus Kolke avancierte mit zwei abgewehrten Elfmetern zum Matchwinner. (sid, mit dpa)

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