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Fußball-EM: Das trauen wir der deutschen Elf noch zu

Neun Menschen aus dem Landkreis Bautzen sagen, wie sie den Auftritt der Nationalmannschaft sehen - und was sie vom Spiel gegen Portugal erwarten.

Neun Menschen aus dem Landkreis Bautzen sagen, was sie vom Auftritt der deutschen Elf bei der Fußball-WM halten.
Neun Menschen aus dem Landkreis Bautzen sagen, was sie vom Auftritt der deutschen Elf bei der Fußball-WM halten. ©  Archiv

Bautzen. Sonnabend, 18 Uhr, beste Fußballzeit - und dann spielt auch noch Deutschland sein zweites Spiel der Fußball-Europameisterschaft gegen Portugal. Gegen den amtierenden Europameister ist es ohnehin schon schwer. Dazu kommt, dass die Deutschen ihr erstes Spiel gegen Frankreich verloren haben. Gegen Portugal sollte sich also einiges ändern. Eine weitere Niederlage bei insgesamt nur drei Vorrundenspielen würde das Weiterkommen enorm erschweren, auch wenn neben den beiden Erstplatzierten die vier besten Gruppendritten ins Achtelfinale einziehen.

Sächsische.de hat neun Fußball- und Sportexperten aus dem Landkreis Bautzen gefragt: Was denken Sie über den Auftritt der deutschen Elf und was trauen Sie ihr gegen Portugal und bei der EM noch zu?

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„Sie sollten sich an der U21 orientieren“

Sarah Wilsch ist Stürmerin der Frauen-Regionalligamannschaft des Bischofswerdaer FV 08.
Sarah Wilsch ist Stürmerin der Frauen-Regionalligamannschaft des Bischofswerdaer FV 08. © Bischofswerdaer FV 08

„Das erste Spiel der deutschen Elf hat mich nicht überzeugt. Es fehlte an Leidenschaft und Kampfgeist. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Jungs heiß auf die EM und den Titel sind. Mit dieser Leistung wird das Team nicht über die Gruppenphase hinauskommen. Gegen Portugal rechne ich maximal mit einem Unentschieden und gegen Ungarn muss ein Sieg Pflicht sein. Ich würde mir wünschen, dass die Jungs in den nächsten zwei Spielen ein anderes Gesicht zeigen und dem Ruf einer Turniermannschaft gerecht werden. Sie sollten sich an der U21 orientieren.“

„Jogi Löw muss sich einiges einfallen lassen“

Thomas Hentschel ist Trainer der ersten Mannschaft der FSV Budissa Bautzen. Am 26. Juni spielt sein Team gegen den SC Freital um den Aufstieg in die Oberliga.
Thomas Hentschel ist Trainer der ersten Mannschaft der FSV Budissa Bautzen. Am 26. Juni spielt sein Team gegen den SC Freital um den Aufstieg in die Oberliga. © Archiv/SZ/Uwe Soeder

„Der erste Auftritt gegen Frankreich, für mich der Turnierfavorit, war nicht so schlecht. Aber das Spiel nach vorn war zu wenig. Wenn man im Spiel nur eine Chance hat, dann kann man gegen Frankreich nicht gewinnen. Da muss sich Jogi Löw einiges einfallen lassen. Die Portugiesen werden das spielen wie die Franzosen: tief stehen und schnell kontern. Da stehen wir vor der gleichen Aufgabe. Wenn Deutschland das nicht lösen kann, im Angriff viel variabler zu sein und mehr Torchancen zu kreieren, dann wird es auch nicht reichen, das Spiel zu gewinnen.“

„Mit einem Punkt können wir zufrieden sein“

René Kindermann ist in Bautzen geboren und als Sportmoderator bekannt.
René Kindermann ist in Bautzen geboren und als Sportmoderator bekannt. © Archiv/Sven Ellger

„Joachim Löw hat seinen alten Stiefel weitergespielt. Die Dreier-Kette hinten hat nicht funktioniert. Die Rolle von Toni Kroos muss überdacht werden. Die Positionierung von Joshua Kimmich war eine völlige Fehleinschätzung. Ich habe gegen Frankreich ein Spiel ohne eine echte Torchance für Deutschland gesehen. Das deutsche Spiel unter Joachim Löw ist ausrechenbar, ohne Überraschungen. Eine Spielidee war nicht da. Ich bin mir nicht sicher, ob Löw aus der falschen Aufstellung gelernt hat und sich besinnt. Ich glaube, mit einem Punkt können wir zufrieden sein.“

„Mehr Tempo als gegen Frankreich“

Patricia Wissel (CDU) aus Neukirch/Lausitz ist Mitglied des Sächsischen Landtages und Schirmherrin der Regionalliga-Frauenmannschaft des .Bischofswerdaer FV 08.
Patricia Wissel (CDU) aus Neukirch/Lausitz ist Mitglied des Sächsischen Landtages und Schirmherrin der Regionalliga-Frauenmannschaft des .Bischofswerdaer FV 08. © Patricia Wissel

„Die Stärke unserer Nationalelf ist ihr großer Teamgeist. Das zeigte auch die Reaktion von Manuel Neuer nach dem Eigentor von Hummels - er hat Hummels sofort gepackt und versucht, ihn wiederaufzurichten und aus seinem Schock herauszuholen. Das war eine starke Geste. Diese Einstellung zeichnet unsere Elf aus. Ich bin sehr optimistisch, dass wir gegen Portugal gewinnen können. Mit Teamgeist und Leidenschaft - und vielleicht ein bisschen mehr Tempo als gegen Frankreich - können wir den amtierenden Europameister bezwingen. Nun heißt es Daumen drücken für unsere Jungs.“

„Der letzte Schliff im Abschluss fehlt“

Richard Hempel ist Schiedsrichter der SG Großnaundorf, er pfeift ab der kommenden Saison in der dritten Liga.
Richard Hempel ist Schiedsrichter der SG Großnaundorf, er pfeift ab der kommenden Saison in der dritten Liga. © PICTURE POINT

„Ich sehe die Mannschaft als ein Team mit viel Potenzial, individueller Klasse und Kampfgeist. Jedoch fehlt meiner Meinung nach der letzte Schliff in Sachen Abschluss. In den kommenden Partien müssen sie zeigen, dass Wege bis hin zur Grundlinie fast immer zu einer großen Torchance führen und letztendlich auch zu den erhofften Siegen. Für uns Schiedsrichter, gerade auch für die Jüngeren, ist so ein Turnier natürlich eine gute Fortbildungsmöglichkeit. Viele Spiele, viele Situationen, viele Erfahrungswerte.“

"Auch in den K.o.-Spielen wäre noch alles möglich"

Gojko Sinde ist Geschäftsführer des Westlausitzer Fußball-Verbandes.
Gojko Sinde ist Geschäftsführer des Westlausitzer Fußball-Verbandes. © privat

„Vom ersten Spiel unserer Mannschaft war ich aufgrund der vielen Beschwörungen für eine tolle EM etwas enttäuscht. Nur eine echte Chance und wenig vielversprechende Ideen in der Offensive brachten die Franzosen zu keiner Zeit in Bedrängnis. Jetzt hoffe ich, eventuell mit einer Systemumstellung sowie neuem Personal, auf eine deutliche Steigerung, um gegen Portugal erfolgreich zu sein. Jetzt schon bei einer erneuten Niederlage und einem Sieg gegen Ungarn auf ein Weiterkommen als Dritter zu hoffen, entspricht nicht unserem Selbstverständnis. Natürlich wäre auch dann in den K.o.-Spielen alles möglich.“

„Bin optimistisch, dass wir das Ruder noch rumreißen“

Ines Pröhl ist Präsidentin des MSV Bautzen, des größten Sportvereins der Stadt.
Ines Pröhl ist Präsidentin des MSV Bautzen, des größten Sportvereins der Stadt. © Archiv/Steffen Unger

„So ein Fehlstart kann immer mal passieren. Erst recht gegen so ein starkes Team wie Frankreich. Ich bin optimistisch, dass wir das Ruder noch rumreißen. Die deutsche Mannschaft hat zuletzt schließlich viermal gegen Portugal gewonnen. Genau mit diesem Optimismus sollten die Männer jetzt ins zweite Gruppenspiel gehen. Wir sind eine Turniermannschaft! Jetzt braucht es eine geschlossene Mannschaftsleistung – jeder muss alles geben. Dann ist so Einiges möglich – vielleicht ja sogar der Einzug ins Finale?!“

„Sie müssen auf Sieg spielen“

Dirk Rettig ist Co-Trainer der ersten Männermannschaft des SV Einheit Kamenz in der Sachsenliga.
Dirk Rettig ist Co-Trainer der ersten Männermannschaft des SV Einheit Kamenz in der Sachsenliga. © Matthias Schumann

„Bei der verdienten Niederlage gegen Frankreich hat die deutsche Mannschaft zu ängstlich und mutlos gespielt. Ich erwarte gegen Portugal die nötige Konsequenz und Leidenschaft. Es ist eine Drucksituation und fast schon ein Alles-oder-nichts-Spiel. Sie müssen auf Sieg spielen. Anders hat man keine Chance. Sie müssen mutiger auftreten, mal ein Risiko eingehen, auch auf die Gefahr hin, in einen Konter zu laufen. Das hat gegen Frankreich gefehlt, auch Überzahlsituationen zu schaffen und hinten nicht nur auf Absicherung zu bauen, sondern selbst Angriffsfußball zu zeigen.“

"Gegen Portugal sind die Deutschen der Favorit"

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Lars Bauer ist Geschäftsführer des Kreissportbundes Bautzen. © Kreissportbund Bautzen

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