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Deutsche Elf enttäuscht gegen England

Achtelfinal-Aus und Abschied: Joachim Löw ist auf seiner letzten Mission vorzeitig gescheitert. Seine Spieler haben ihn dabei im Stich gelassen - die Einzelkritik.

Thomas Müller hatte die Chance, dem Spiel eine andere Richtung zu geben. Doch er schoss den Ball neben das Tor.
Thomas Müller hatte die Chance, dem Spiel eine andere Richtung zu geben. Doch er schoss den Ball neben das Tor. © dpa/Christian Charisius

London. Joachim Löw verschwand fassungslos in den Katakomben von Wembley, sein letzter Gang als Bundestrainer nach 15 Jahren tat weh. Bye-bye Jogi, aus der Traum - Löw ist auf seiner finalen Mission vorzeitig gescheitert. Die lange Zeit erfolgreiche Ära des Weltmeistertrainers ging im Klassiker gegen England jäh zu Ende: Deutschland unterlag im EM-Achtelfinale durch Tore von Raheem Sterling (75.) und Harry Kane (86.) mit 0:2 (0:0).

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Es war im 198. Spiel unter Löw die 34. Niederlage - und eine der bittersten: Drei Jahre nach der Blamage bei der WM in Russland kam eine von ihm betreute DFB-Auswahl bei einer EM-Endrunde zum ersten Mal nicht mindestens ins Halbfinale. Thomas Müller vergab in der 81. Minute nach einem Spurt über das halbe Feld die Riesenchance zum Ausgleich, es fehlten Zentimeter. Kanes erstes Turniertor machte alle Hoffnung zunichte. Joshua Kimmich weinte nach dem Abpfiff an der Schulter von Manuel Neuer.

Die Ära von Bundestrainer Joachim Löw endet nach 15 Jahren.
Die Ära von Bundestrainer Joachim Löw endet nach 15 Jahren. © dpa/Christian Charisius

"Das ist sehr, sehr bitter. Die Effektivität hat gefehlt. Das 1:0 hat alles verändert, bis dahin haben wir ein ordentliches Spiel gemacht", sagte Toni Kroos. "Wenn du im Achtelfinale rausgehst, ist das enttäuschend, obwohl wir uns in einer schwierigen Gruppe durchgesetzt haben."

Am 5477. und nunmehr auch letzten Tag von Löws Amtszeit scheute die deutsche Mannschaft nach einer flotten und vielversprechenden Anfangsphase zunehmend das Risiko - ebenso wie die Engländer. Richtig dominant war keine der beiden Mannschaften, zu sehr waren sie darauf bedacht, ja kein Gegentor zu kassieren.

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Zu wenig, zu ideenlos, zu viele Fehler - die Einzelkritik:

Manuel Neuer: Die Gegentore trafen ihn ins Mark, der Kapitän konnte sie aber nicht verhindern. Bei beiden Treffern chancenlos.

Matthias Ginter: Der Unauffälligste in der Dreierkette. Solide, aber unscheinbar. Wurde kurz vor Schluss für Can ausgewechselt.

Mats Hummels: Bester deutscher Spieler. Gewann seine Zweikämpfe, rettete einmal in der Not - konnte die Gegentore aber auch nicht verhindern.

Antonio Rüdiger: Fleißig, kämpferisch und unangenehm als Gegenspieler. Im Aufbauspiel aber meist wirkungslos.

Joshua Kimmich: Ohne die gewünschte Bindung zum Spiel. Kam auf rechts kaum zur Entfaltung, wäre im Zentrum vielleicht besser aufgehoben gewesen.

Leon Goretzka: Konnte seine offensiven Stärken nur selten einbringen. Immer wieder dynamische Antritte, kam aber nicht zur Entfaltung.

Toni Kroos: Zentrum des deutschen Spiels, aber (zu) viele Quer - und auch Fehlpässe. Sein Patzer leitete das 0:1 ein. Schwacher Auftritt.

Robin Gosens: Fast nur mit Defensivaufgaben beschäftigt. Gegen tief stehende Engländer kaum Zug nach vorne. Insgesamt wirkungslos.

Kai Havertz: Seine Direktabnahme in der 48. Minute wäre fast drin gewesen. Immer für eine gefährliche Aktion gut - aber ohne Topchance.

Timo Werner: Sollte seine Geschwindigkeit einbringen, zündete aber nicht. Vergab seine beste Chance in der 32. Minute, später ausgewechselt.

Thomas Müller: Vergab in der 81. Minute die Riesenchance zum Ausgleich. Anfangs viel im leeren Raum, dazu schwerer Fehlpass vor der Pause.

Serge Gnabry: Kam in der 68. Minute für Werner. Technischer Fehler vor dem 0:2 durch Kane. Unglücklicher Auftritt des Stürmers.

Leroy Sané: Kurz vor Schluss für Gosens eingewechselt. Wenige Minuten reichten ihm nicht, um noch etwas zu bewirken.

Emre Can: Rückte in der 87. Minute für Ginter in die Verteidigung, da war das Spiel schon entschieden.

Jamal Musiala: Seine Hereinnahme in der Nachspielzeit hatte keine Wirkung mehr auf die Partie.

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