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DFB: Sechs Erkenntnisse aus der Vorrunde

Die Stimmung passt, die sportlichen Leistungen nicht immer - Die deutsche Mannschaft spielte eine durchwachsende Vorrunde. Was sich nun ändern muss.

Trotz der durchwachsenen Gruppenphase ist die Stimmung in der Mannschaft gut. Im Achtelfinale treffen Timo Werner, Thomas Müller, Bernd Leno, Kevin Volland (v.l.n.r.) und Co. nun auf England.
Trotz der durchwachsenen Gruppenphase ist die Stimmung in der Mannschaft gut. Im Achtelfinale treffen Timo Werner, Thomas Müller, Bernd Leno, Kevin Volland (v.l.n.r.) und Co. nun auf England. © dpa

München. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat die "Todesgruppe" F bei der EM überlebt und trifft im Achtelfinale am Dienstag (18 Uhr/ARD und Magenta TV) in Wembley auf England. "Wir haben schwankende Leistungen gezeigt in dieser Gruppenphase", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Die sechs Erkenntnisse der Vorrunde:

1. System

Auf die Diskussion über Dreier- oder Viererkette, sagte Joachim Löw mehrfach, "lasse ich mich nicht ein". Beim begeisternden Triumph über Portugal (4:2) zahlte sich die Sturheit des Bundestrainers aus - gegen Ungarn grenzte sie an Ignoranz.

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"Taktische Kniffe", sagte er, seien beim Nervenspiel nicht mehr gefragt gewesen. Auf der Zielgeraden seiner Ära muss er beweisen, dass er den Griff in die Trickkiste nicht verlernt hat.

2. Rückkehrer

Thomas Müller und Mats Hummels seien im Kreise ihrer Teamkollegen aufgetreten, "als wären sie nie weggewesen", lobte Löw. "Radio" Müller war sofort wieder Wort- und Anführer, vor dem Ungarn-Spiel bangte Deutschland zurecht um die "Kapsel der Nation". Hummels, von dauernden Patellasehnenproblemen geplagt, zeigte Licht und Schatten.

Sein Eigentor gegen Frankreich (0:1) war unglücklich, gegen Ungarn sah er beim ersten Gegentreffer schlecht aus. Schneller wird er nicht mehr. Aber Auge, Kopfball- und Stellungsspiel überzeugen meist.

3. Defensive Stabilität

Fünf Gegentreffer in drei Spielen, das ist "in der Vielzahl bei so einem Turnier echt schwierig", sagte Manuel Neuer. Am Kapitän lag das am wenigsten. Zu häufig passte die Tiefenstaffelung nicht.

Ungarns zweiter Treffer direkt nach dem Anstoß, laut Joshua Kimmich ein "ganz billiger", darf auf diesem Niveau nicht passieren. Dasselbe gilt für den ersten Treffer der Portugiesen nach eigener Ecke. "Das Gute", sagte Neuer: "Wir können uns verbessern."

4. Durchschlagskraft

Sechs Tore in der "Todesgruppe" F - das klingt ordentlich. Doch auch hier ist viel Luft nach oben. Über Standards ist der Ertrag gleich null, obwohl Löw darauf einen "Schwerpunkt" setzen wollte.

Mit Ausnahme des Portugal-Spiels, als der neue Publikumsliebling Robin Gosens wirbelte, wirkte das Angriffsspiel ideenlos, gegen Frankreich und Ungarn fehlte jede Tiefe. Leroy Sane, der die EM zu "seinem" Turnier machen wollte, ist überhaupt kein Faktor.

5. Stimmung

Die Gitarristen Kimmich, Kevin Volland, Jonas Hofmann und Serge Gnabry spielen mit den Sängern Mats Hummels und Kevin Trapp als "Boyband". Freie Stunden werden mit Brett- oder Kartenspielen, anderen Sportarten und gemeinsamen Fernsehabenden gefüllt.

Nicht nur Hummels hat wegen der guten Stimmung ein "deutlich besseres Gefühl" als 2018. Dabei ist nicht immer alles eitel Sonnenschein, "man kann sich auch mal anschreien", sagte der Dortmunder. Löw lobte die "klasse Mentalität" seiner Elf. Die kann weit tragen.

6. Potenzial

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"Wir wissen, wenn wir das abrufen, was wir können, dann sind wir stark", betonte Löw mit Blick auf das "absolute Highlight" gegen England. "Wenn wir aber manche Dinge nicht so umsetzen, kriegen wir Schwierigkeiten", ergänzte er warnend. Diese Mannschaft, aber auch ihr Trainer, bleiben eine Wundertüte. (sid)

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