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„Deutschland ist das kompletteste Team“

Willi Orban, der in Kaiserslautern geborene und für RB Leipzig spielende Abwehrchef der Ungarn, über das für ihn ganz besondere EM-Gruppenspiel.

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Jetzt steht auch er im Fokus: RB-Profi Willi Orban, seit drei Jahren ungarischer Nationalspieler.
Jetzt steht auch er im Fokus: RB-Profi Willi Orban, seit drei Jahren ungarischer Nationalspieler. © dpa/Robert Michael

Budapest/München. Erst im Herbst 2018 debütierte Willi Orban im ungarischen Nationalteam. Der Verband hatte zuvor lange um den Bundesligaprofi von RB Leipzig gebuhlt, dessen Vater aus Ungarn stammt und dort lebt.

In seiner Kindheit war Orban häufiger dort zu Besuch, versteht auch das Meiste auf Ungarisch, doch bei einem Medientermin nahe dem EM-Trainingscamp im Budapester Vorort Telki sprach der 28-Jährige ausschließlich Deutsch, eine Dolmetscherin übersetzte ins Ungarische.

Zur Bedeutung des Spiels für ihn

„Natürlich ist das ein spezielles Spiel für mich, ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Es ist auch etwas Besonderes, dass es für uns um unheimlich viel geht. Wir können mit einer guten Leistung in einer unheimlich schweren Gruppe weiterkommen. Aus meiner Sicht gab es bei einer EM noch nie eine schwierigere Gruppe. Es ist erstmal herausragend, dass wir noch die Chance haben, ins Achtelfinale zu kommen. Hinzu kommt, dass ich viele Spieler persönlich kenne. Mit meinen Leipziger Mannschaftskameraden hatte ich vor der EM Späße gemacht, wer wen besiegt.“

Zur Qualität des Gegners Deutschland

„Ich glaube, dass in der Gruppe Deutschland aktuell die kompletteste Mannschaft ist. Sie haben eine unheimlich gute Mentalität, sind sehr gut organisiert. Hinzu kommt individuelle Einzelspieler-Qualität, die auch herausragend ist. Gerade auch das Pressing ist außergewöhnlich. Die Deutschen sind auch bekannt dafür, dass sie im Kollektiv aggressiv nach vorn verteidigen.“

Zu fehlenden eigenen Fans

„Die Atmosphäre bei unseren Spielen gegen Portugal und Frankreich war herausragend. Großes Kompliment an unsere Fans, das war wirklich grandios. Am Anfang waren wir sogar überfordert, damit umzugehen, aber Portugiesen und Franzosen hatten mehr Probleme, nach langer Zeit wieder in einem vollen Stadion zu spielen. Deshalb macht das schon viel aus. Jetzt wird es natürlich eine andere Nummer in München: Es wird eine gute Stimmung sein, aber nicht vergleichbar mit Budapest.“

Zur Debatte um die Regenbogenfarben

„Ich habe das nur über die Medien mitbekommen. Mir persönlich würde es gefallen, wenn das Stadion bunt wäre. Ich habe es bisher nur blau gesehen in der zweiten Liga gegen 1860 München und rot gegen den FC Bayern. Von daher würde ich mich freuen, wenn die Lampen auch mal bunt leuchten dürfen.“

Zur historischen Komponente

„Das WM-Finale 1954 gegen Deutschland war definitiv ein großes Spiel mit großen Mannschaften – auch von Ungarn. Die Namen sind uns alle ein Begriff. Aber aktuell spielt das jetzt weniger eine Rolle, dafür ist zu viel Zeit vergangen. Damals war Ungarn der Favorit, heute ist es umgekehrt. Wir wollen versuchen, unsere eigene Geschichte schreiben und sehen dieses Spiel als große Chance, ein Ausrufezeichen zu setzen.“

Aufgezeichnet von Frank Hellmann.