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EM: Gosens überragt - die Einzelkritik

Die DFB-Auswahl gewinnt das zweite EM-Spiel gegen Portugal. Robin Gosens feiert eine überragende Leistung. Die Spieler in der Einzelkritik.

Zwei Vorlagen und ein Tor: Mit drei Torbeteiligung war Robin Gosens gegen Portugal der Spieler des Spiels.
Zwei Vorlagen und ein Tor: Mit drei Torbeteiligung war Robin Gosens gegen Portugal der Spieler des Spiels. © dpa/Philipp Guelland

Von Arne Richter, Klaus Bergmann und Jan Mies

München. Jetzt ist Deutschland im Turnier - und wie! Mit großem Mut und der von Joachim Löw geforderten Durchschlagskraft ist der EM-Express gerade rechtzeitig richtig ins Rollen gekommen. Angetrieben von den als verkappten Außenstürmern überragenden Robin Gosens und Joshua Kimmich hat die deutsche Nationalmannschaft mit Spaß- und Powerfußball beim 4:2 (2:1) gegen Lieblingsgegner Portugal das erste große Sommerfest in der Münchner Arena gefeiert - trotz manch defensiver Wackler.

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Die beseelten deutschen Fans sangen so schon vor dem Schlusspfiff „Oh, wie ist das schön“, als der rauschende Abend zu Ende gegangen war, skandierten sie inbrünstig „Sieg“. Sie hatten auch allen Grund, begeistert zu sein: Die deutsche Mannschaft ist dem Achtelfinale sehr nah gekommen. „Das war“, sagte Bundestrainer Joachim Löw erstaunlich unaufgeregt und lapidar, „eine Klasseleistung unserer Mannschaft.“

Diesen Siegeswillen von Joshua Kimmich zeigte beim 4:2-Sieg gegen Portugal die gesamte Mannschaft.
Diesen Siegeswillen von Joshua Kimmich zeigte beim 4:2-Sieg gegen Portugal die gesamte Mannschaft. © dpa/Christian Charisius

Sprechchöre der begeisterten deutschen Zuschauer hatte es bereits in der 62. Minute gegeben - für den Mann des Spiels: „Robin Gosens“, hallte es durch die mit 14.000 Besuchern besetzte Arena. Der herausragende Dampfmacher auf der linken Seite war an drei deutschen Toren beteiligt: am Eigentor durch Ruben Dias (35. Minute) ebenso wie an jenem des hervorragenden Kai Havertz (51.) - und an seinem eigenen (60.).

Das Eigentor von Raphael Guerreiro (39.) leitete Gosens zudem mit einer herausragenden Pass ein. Die Drohkulisse eines frühen Turnier-K.o. und bitteren Endes der Ära von Bundestrainer Löw ist plötzlich wie weggeblasen.

Trotz der Tor-Premiere von Cristiano Ronaldo (15.) gegen Deutschland und dem Treffer von Diogo Jota (67.) kann die DFB-Elf im letzten Gruppenspiel am Mittwoch mit einem Sieg gegen Ungarn sogar den ersten Platz in der Hammergruppe F noch schaffen.

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Gosens ist Mann des Spiels - die Einzellritik:

Manuel Neuer: Freuen konnte sich der Kapitän über den Sieg. Ärgern musste er sich über zwei Gegentore. Im Glück beim Pfostenhammer von Sanches.

Matthias Ginter: Defensiv sehr aufmerksam. Das musste er aber auch sein gegen den guten Diogo Jota. Bestätigte seinen Ruf als „Mister Zuverlässig“.

Mats Hummels: Im Zentrum gut postiert, klärte mehrfach, gut im Kopfball. War in den Zweikämpfen meist der Sieger. Humpelte nach 63 Minuten aber raus.

Antonio Rüdiger: Leitete das 2:1 mit einem öffnenden Pass auf Gosens ein. Gute Rettungstat gegen Pepe. Robust, aber nicht immer souverän.

Joshua Kimmich: Löw braucht ihn rechts. Gegen Portugal wurde klar, warum. Bildete eine Super-Flügelzange mit Gosens, drei Torbeteiligungen.

Ilkay Gündogan: Störte Bernardo Silva nicht beim Konter zum 0:1. Er findet im Nationaltrikot Rolle und Funktion im Mittelfeld irgendwie nicht.

Toni Kroos: Diesmal wieder mehr Ballverteiler. Seinen Schuss blockte Ruben Dias (12.). Nach dem 4:1 konnte er nicht Ruhe in das Spiel bringen.

Robin Gosens: Der Turnierneuling entpuppt sich als Hauptgewinn. Volldampf auf links, an drei Toren beteiligt, köpfte das 4:1. Mann des Spiels.

Kai Havertz: Löw hielt an ihm fest - und wurde belohnt. An drei Toren maßgeblich beteiligt. Besetzte die Box. Viertes Länderspieltor zum 3:1.

Serge Gnabry: Arbeitete enorm im Angriff. Viel unterwegs, versuchte viel. Starkes Solo gegen Pepe, aber der Torwart hielt. Vorne gesetzt.

Thomas Müller: Noch müllert es nicht. Aber der Rückkehrer beißt sich ins Turnier. Zwei wichtige Torbeteiligungen. Vorbild an Einsatzfreude.

Marcel Halstenberg: Löste den bärenstarken Gosens ab (63.), aber nicht wie gewünscht. Fand gar nicht ins Spiel, brauchte in seinen Aktionen zu lange.

Emre Can: Kam beim Stand von 4:1 für den humpelnden Hummels. Rückte aber schnell vor ins Mittelfeld. Sollte dort Körperlichkeit einbringen, schleppte sich aber mehr übers Feld.

Leon Goretzka: Sechs Wochen nach einem Muskelfaserriss gab er ein kurzes, engagiertes Comeback. Dynamisch im Konter, Abschluss zu hoch (83.).

Niklas Süle: Kam für Gündogan - und übernahm die zentrale Position in der Dreierkette. Gestattete Frankfurts André Silva kein Joker-Tor.

Leroy Sané: Erlebte den Sieg in den letzten Minuten noch auf dem Platz mit. Der Künstler muss auf seinen Turniermoment weiter warten.

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Alles Wichtige zur deutschen Mannschaft und zur Fußball-EM 2021 - kompakt und übersichtlich in unserem EM-Newsblog.

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