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Sport

EM: Deutschland muss sich steigern

Nach dem 2:2 gegen Ungarn rettet sich die deutsche Mannschaft bei der Fußball-EM geradeso ins Achtelfinale. Die Spieler in der Einzelkritik.

Leroy Sane (l.) und Ungarns Attila Fiola kämpfen um den Ball. Das Engagement des Münchner stimmte, die Effektivität nicht.
Leroy Sane (l.) und Ungarns Attila Fiola kämpfen um den Ball. Das Engagement des Münchner stimmte, die Effektivität nicht. © dpa/Lukas Barth

Von Oliver Mucha und Marco Mader

München. Joachim Löw nickte nur ganz blass und pustete im Jubelsturm durch, dem Bundestrainer fiel ein gigantischer Stein vom Herzen. Gut und gerne hätte in einem nervenzerfetzenden Zitterspiel seine Karriere als Bundestrainer nach 15 Jahren blamabel enden können - doch Super-Joker Leon Goretzka rettete mit Ach und Krach ein 2:2 (0:1) gegen Ungarn und den Sprung ins EM-Achtelfinale. Am Dienstag geht es in Wembley mit einem Kracher gegen den alten Rivalen England weiter.

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"Das war ein Nervenkrimi", sagte Kapitän Manuel Neuer erleichtert. "Das war eine vielbeinige Abwehrkette, die alles dichtmachen wollte." England, versicherte er, werde "ein ganz anderes Spiel. Wir wollen weitergehen. Und Wembley liegt uns!" Joshua Kimmich findet den Gegner "einfach geil".

Eine Halbzeit brauchte die sehr uninspirierte deutsche Mannschaft, um den Schock des 0:1 durch Adam Szalai (11.) zu verdauen. Es drohten ein Desaster wie bei der WM 2018 und ein peinlicher Abschied für Löw - doch dann die Erlösung: Kai Havertz (66.) und Goretzka (84.) wendeten alles ins Gute. "Ich bin überglücklich", sagte Goretzka und behauptete: "Wir haben keine Zweifel und sind voller Selbstvertrauen."

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Das EM-Spiel gegen Ungarn lässt viele deutsche Fußballfans an das legendäre WM-Finale 1954 denken. Damals war Ungarn klarer Favorit, heute Deutschland.

Andras Schäfer (68.) hatte nur 15 Sekunden nach dem 1:1 wieder für Ungarn getroffen - und Deutschland damit an den Abgrund geschoben. Hilfreich beim Sprung auf Platz zwei war freilich auch, dass gleichzeitig Portugal trotz zweier Treffer von Cristiano Ronaldo nur unentschieden gegen Frankreich spielte (2:2). (sid, mit dpa)

Musiala ist die Überraschung - die Einzelkritik:

Manuel Neuer: Die Gegentore schmerzten, der Kapitän konnte nichts dagegen tun. Glück beim Pfostenschuss (63.). Resolut bei Faustabwehr.

Matthias Ginter: Fehlabspiele, und zu weit weg beim 0:1. Nach vorn hatte der Gladbacher mehr Raum als andere, nutzte ihn aber viel zu wenig.

Mats Hummels: Licht und Schatten. Nach Eigentor zum EM-Start nun passiver Zuschauer bei beiden Gegentoren. Starke Kopfball-Vorarbeit zum 1:1.

Antonio Rüdiger: Kämpfte, gab nie auf, klärte einmal stark im letzten Moment (34.). Er gehörte noch zu den besseren in einer schwachen Mannschaft.

Joshua Kimmich: Begann enorm präsent, forderte immer wieder den Ball, rieb sich an Gegenspieler Fiola auf. War aber immer wieder anspielbereit.

Ilkay Gündogan: Der Wille war da, Zugriff zur Spielorganisation fand er kaum. Arbeitete bis zu seiner Auswechslung viel, aber glücklos.

Toni Kroos: Seine klaren Pässe fehlten. Seine Standards blieben alle harmlos. Nach Doppelpass vergab der Routinier die Ausgleichs-Chance.

Robin Gosens: Der Held gegen Portugal war praktisch aus dem Spiel. Keine Durchbrüche zur Grundlinie, keine Flanken. Eine bittere Erfahrung.

Kai Havertz: Eigentlich ein Mann für die engen Zonen. Doch lange nicht in Kombinationen drin. Spekulierte vor seinem 1:1 gut, musste dann raus.

Leroy Sané: Stürmte für Müller, sein Engagement stimmte, die Effektivität nicht. Vor dem 1:2 störte er zu zaghaft. Viel zu unentschlossen.

Serge Gnabry: Holte sich die Bälle weit hinten, ging weite Wege. Im Strafraum aber kam er nicht in Position. Hat seine Torgefahr verloren.

Leon Goretzka: Von vielen in der Startelf erwartet, wurde er von der Bank zum Retter. Gleich auf Betriebstemperatur - und traf entschlossen.

Thomas Müller: In der Not musste er nach 67 Minuten trotz Knieblessur ran. Trieb an, rackerte - und feierte am Ende kräftig mit.

Timo Werner: Sollte in der Endphase noch zum Retter werden. Sein 17. Länderspieltor schaffte er aber nicht.

Kevin Volland: Löw brachte ihn acht Minuten vor dem Ende. Ging direkt in die Spitze und in die Zweikämpfe.

Jamal Musiala: Der 18-Jährige kam in der Schlussphase zu seinen ersten EM-Minuten. Abgezockt: War an Goretzkas Ausgleich beteiligt.

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