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EM 2021: Die Fans sind zurück - was nun?

Nach mehr als einem Jahr mit Geisterspielen sind bei der Euro wieder Zuschauer dabei. Das ist jedoch nicht unproblematisch.

Eine Luftnummer? Mit einem Ballon in Form des EM-Pokals steht eine Anhängerin der italienischen Nationalmannschaft im Olympiastadion von Rom, die Squadra Azzurra traf im Eröffnungsspiel des Turniers auf die Türkei.
Eine Luftnummer? Mit einem Ballon in Form des EM-Pokals steht eine Anhängerin der italienischen Nationalmannschaft im Olympiastadion von Rom, die Squadra Azzurra traf im Eröffnungsspiel des Turniers auf die Türkei. © dpa/Matthias Balk

Von Frank Hellmann

Budapest. Auch die nach der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puskas benannte Arena in Budapest gehört zu jenen Schmuckkästchen in der Stadion-Landschaft, die den ursprünglich veranschlagten Kostenrahmen dieses Europameisterschaftsturniers sprengten. Fast 600 Millionen Euro teuer war der Tempel schlussendlich, der am 15. November 2019 eingeweiht wurde. Mit einem Freundschaftsspiel der ungarischen Nationalelf gegen Uruguay.

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Weitaus größere Aufmerksamkeit wird allerdings der nächste Spieltermin erfahren: Am Dienstag wird hier das EM-Gruppenspiel der Ungarn gegen Portugal steigen, und es ist deswegen ein Meilenstein, weil es die erste große internationale Partie in der Pandemie vor ausverkauftem Haus sein wird – mit mehr als 67.000 Zuschauern. Nirgendwo sind mehr Fans zugelassen. Auch Baku und St. Petersburg wagen sich bislang nur an eine 50-prozentige Auslastung.

Die ungarischen Behörden argumentieren: Die Sieben-Tage-Inzidenz der Donaumetropole lag zuletzt bei elf. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist dank des Einsatzes von chinesischen und russischen Vakzinen geimpft. Die Stadionzuschauer müssen getestet sein. Das Signal, das der rechtskonservative Ministerpräsident Viktor Orban mit seiner engen Verflechtung speziell in den Fußball senden will: Seht her, was möglich ist.

Uefa-Partien eindeutig als Superspreader identifiziert

Ob es verantwortungsbewusst ist, nach mehr als einem Jahr mit Geisterspielen die Stadiontore gleich wieder so weit zu öffnen, kann nicht mal Ungarns Nationaltorwart Peter Gulacsi sagen. „Wir müssen im Fußball die gleichen Schritte machen wie die ganze Gesellschaft im Leben. Wir dürfen nicht zwei Schritte vorauseilen. Die generelle Situation in Ungarn ist sehr gut. Von daher kann ich das gut nachvollziehen und unser Land verstehen: Es ist eine einmalige Gelegenheit“, sagte der Profi von RB Leipzig kürzlich im Fachmagazin Kicker. Er hoffe, dass alles gut über die Bühne geht und alle gesund bleiben.

Als Ausrichter trägt Europas Fußball-Union (Uefa) letztlich die Verantwortung. Es waren schließlich zwei Partien unter Uefa-Hoheit Anfang 2020, die als Superspreader eindeutig identifiziert worden sind: Die Champions-League-Achtelfinals zwischen Atalanta Bergamo und FC Valencia in Mailand sowie FC Liverpool gegen Atletico Madrid sind unrühmliche Beispiele, wie Fanbewegungen die Virusverbreitung befeuerten, weil jeweils tausendfach angereiste Anhänger zusammenkamen, die sich vor und nach dem Spiel in Kneipen, Pubs und Restaurants zu Gruppen versammelten.

Fanmeilen in der Kritik

Ob es eine gute Idee ist, in Kopenhagen auf dem Ofelia-Platz nahe dem Hafen Nyhavn ein Fußballdorf oder im Budapester Stadtwäldchen eine Fanzone zu planen?

Amsterdam beispielsweise will hingegen selbst Videoschirme im Freien und in Kneipen verbieten. Dass es immer noch gefährlich ist, drinnen in größeren Gruppen zu trinken, zu singen und zu feiern, müsste sich eigentlich von selbst verstehen.

Sicherheitshalber hat Turnierchef Martin Kallen eindringliche Hinweise formuliert. „Die erste Priorität, zweite Priorität und dritte Priorität bei einem Turnier ist immer die Sicherheit der Fans. Damit bitten wir die Fans, im Voraus zu planen. Kommen Sie pünktlich; hetzen Sie nicht zum Stadion“, schrieb der besonnene Schweizer auf der Uefa-Homepage.

„Tragen Sie eine Maske. Halten Sie, wenn möglich, Abstand zu anderen, und stellen Sie die Sicherheit bei allem, was Sie tun, in den Vordergrund.“ Doch es wäre nicht das erste Mal, dass die Appelle an die Vernunft nicht bei allen Anhängern Gehör finden.

Public Viewing das eigentliche Risiko?

Viel wird davon abhängen, welches Reiseaufkommen es überhaupt gibt. Genaue Zahlen, wie viele Fans wohin reisen, sind schwierig zu bekommen. Die größte EM-Party aller Zeiten, die der heutige Fifa-Chef Gianni Infantino vor neun Jahren als Generalsekretär ausgerufen hatte, wird es nicht geben.

Zu den sonst üblichen Fan-Massenbewegungen in Billigfliegern, die aus Sicht von Klimaschutz und Nachhaltigkeit teilweise grotesk gewesen wären, wird es nicht kommen. Auch die Corona-Einreiseregeln stellen für Fans teilweise unüberwindbare Hürden dar.

Beispiel Ungarn: Ausländer können bis heute nicht einfach so einreisen. Wer eine Eintrittskarte besitzt, darf maximal 72 Stunden im Land bleiben, braucht aber einen PCR-Test für die Einreise und einen weiteren für den Stadionbesuch. Ein negativer Test ist ohnehin in den meisten der elf Ausrichterstädte notwendig, ersatzweise eine überstandene Corona-Infektion oder ein Impfnachweis.

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Eingedenk solcher Vorsichtsmaßnahmen bei sinkenden Inzidenzen: Vermutlich ist nicht der Stadionbesuch das Problem, sondern das Verhalten davor und danach. In diesem Fall könnte das Public Viewing das eigentliche Risiko dieses paneuropäisch-pandemischen Pionierprojekts beinhalten.

Alles Wichtige zur deutschen Mannschaft und zur Fußball-EM 2021 - kompakt und übersichtlich in unserem EM-Newsblog.

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