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Diese Fußball-EM ist ein Irrsinn

Von Baku bis Sevilla, von St. Petersburg bis Rom: Trotz Corona-Pandemie startet am Freitagabend die Euro in elf Ländern. Ein Kommentar.

© dpa

Dresden. Der Europameister steht schon vor dem Anpfiff fest: Polen. Die Mannschaft von Weltfußballer Robert Lewandowski fliegt während der Vorrunde der Fußball-EM munter zwischen St. Petersburg in Russland und Sevilla in Spanien hin und her, macht 7.157 Kilometer für drei Spiele. Die Zwischenstopps im Teamquartier in Gdansk/Danzig nicht mitgerechnet.

Dieses Beispiel macht den Irrsinn deutlich, der an diesem Freitag beginnt: die wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschobene Euro 2020. Man hätte es für eine schöne Idee halten können, völkerverbindend sogar, als der damalige Präsident des europäischen Verbandes Uefa, der Franzose Michel Platini, verkündete, eine Fußball-EM auf dem gesamten Kontinent auszutragen. So könnten auch die kleineren Nationen etwas abbekommen von dem großen Spektakel. Von den ursprünglich geplanten 13 Gastgeberländern sind tatsächlich elf geblieben.

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Der Plan dahinter ist leicht durchschaubar: Mehr Spielorte bieten mehr Vermarktungschancen. Es geht, und das ist wenig überraschend, also ums Geld. Ausschließlich. Fürs Milliarden-Geschäft nimmt die Uefa den Klima-Wahnsinn der Vielfliegerei in Kauf, billig kaschiert durch Baumpflanzungen. Dafür dehnt sie das mit 24 Teilnehmern aufgeblähte Turnier bis nach Asien mit Baku aus und pfeift auf menschenrechtliche Bedenken.

Auch sportpolitisch ergibt das keinen Sinn, denn Aserbaidschan ist neben Rumänien einer von zwei Standorten, deren Nationalmannschaft gar nicht mitspielt. Der angeblich gewünschte Effekt, die Fans europaweit zu erreichen, dürfte dort überschaubar sein. Auch wenn in Baku mehr als 30.000 Menschen ins Stadion dürfen.

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Das ist in der gerade abflauenden Pandemie die nächste Dreistigkeit: Die Uefa hat verlangt, Spiele mit Zuschauern zu garantieren. In diesem Ranking ist Deutschland Schlusslicht – und das ist gut so. In München dürfen rund 14.000 rein, 20 Prozent der Kapazität. Ungarn will die Arena in Budapest mit mehr als 67.000 Plätzen voll besetzen. Was kommt da auf uns zu, wenn der Spuk vorbei ist? Vorfreude? Wenn wenigstens die deutsche Mannschaft dazu wirklich Anlass gäbe. Aber vielleicht überrascht sie doch.

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