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Gute Nachricht nach dem EM-Schock

Der Däne Christian Eriksen bricht auf dem Rasen zusammen und muss wiederbelebt werden. Am Tag danach ist die Erleichterung, doch es gibt auch Kritik.

Der dänische Mittelfeldspieler Christian Eriksen brach im Spiel gegen Finnland in der 43. Minute plötzlich zusammen und musste noch auf dem Feld reanimiert werden. Mittlerweile ist er im Krankenhaus und bei Bewusstsein.
Der dänische Mittelfeldspieler Christian Eriksen brach im Spiel gegen Finnland in der 43. Minute plötzlich zusammen und musste noch auf dem Feld reanimiert werden. Mittlerweile ist er im Krankenhaus und bei Bewusstsein. © Getty Pool/AP

Von Sebastian Stiekel

Kopenhagen. Einen Tag nach dem Schock von Kopenhagen verkündete der dänische Nationaltrainer eine frohe Botschaft. „Es war das Schönste für mich, Christian lächeln zu sehen“, sagte Kasper Hjulmand am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Millionen Menschen an den Bildschirmen, im Stadion sowie auf dem Spielfeld hatten am Abend zuvor um den dänischen Star Christian Eriksen gebangt, der während des EM-Spiels gegen Finnland (0:1) zusammengebrochen war, einen Herzstillstand erlitt und wiederbelebt werden musste.

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Schon im Laufe des Sonntags aber hielt der 29-Jährige von Inter Mailand vom Krankenhaus aus einen Videoanruf mit seinen Teamkollegen und dem Trainer ab. Auch der Mannschaftsarzt Morten Boese bestätigte vor mehr als 200 digital zugeschalteten Journalisten noch einmal den erlösenden Befund: „Sein Zustand ist weiter stabil.“ Alle medizinischen Tests bei Eriksen seien bereits absolviert worden und: „Sie waren gut.“ Nur zu den genauen Ursachen für den Herzstillstand könne er noch nichts sagen.

Viele der dänischen Spielerhatten nach dem Zusammenbruch von Christian Eriksen Tränen in den Augen.
Viele der dänischen Spielerhatten nach dem Zusammenbruch von Christian Eriksen Tränen in den Augen. © AP Pool

Dass der beste Spieler des dänischen Teams seinen Zusammenbruch überlebt hat, überstrahlt in Kopenhagen erst einmal alles: Die Nachricht, dass die Dänen das EM-Turnier trotz dieses Schocks fortsetzen wollen. Und dass der Verband dem Rest des Teams nun psychologische Hilfe zur Verfügung stellt, um die Emotionen dieses Abends verarbeiten und schon am Donnerstag gegen Belgien wieder antreten zu können. Dazu gehört auch die massive Kritik daran, dass das Spiel nach einer Unterbrechung von 107 Minuten noch am Samstagabend fortgesetzt wurde. Zunächst attackierten nur Fans und Experten den europäischen Fußball-Verband Uefa. Später schlossen sich dem auch immer mehr die dänischen Offiziellen an. „Wir wurden alle daran erinnert, was die wichtigsten Dinge im Leben sind“, sagte Trainer Hjulmand noch im Stadion nach dem Spiel: „Die Menschen, die einem nahestehen. Das sind die Familie und Freunde.“

Denn um die Welt gingen nicht nur die Bilder von Eriksen selbst. Sondern auch die von seinem dänischen Kapitän und engen Freund, der nun als so etwas wie ein Held von Kopenhagen von Medien, Mitspielern und Fans gefeiert wird. Es war der frühere Wolfsburger Simon Kjaer, der den am Boden liegenden Eriksen in eine stabile Seitenlage brachte und verhinderte, dass dieser seine Zunge verschlucken konnte. Es war auch Kjaer, der die heraneilende Freundin Eriksens tröstete und der seine Mitspieler dazu brachte, einen Sichtschutz um ihren regungslosen Star zu bilden. Damit niemand sehen oder filmen konnte, wie der von den Ärzten wiederbelebt wird. „Simon war tief betroffen“, sagte Hjulmand hinterher. Als feststand, dass die Partie doch noch fortgesetzt wird, führte Kjaer sein Team mit Tränen in den Augen auf das Spielfeld zurück. 20 Minuten später konnte auch er nicht mehr. Der 32 Jahre alte Abwehrchef bat, emotional am Ende der Kräfte, um seine Auswechslung.

Harsche Kritik an der Uefa

Dass es überhaupt dazu kam und beide Mannschaften das Spiel am selben Abend noch einmal aufnahmen, steht seit dem Moment des Wiederanpfiffs in der Kritik. „Es muss jemanden geben, der dann sagt: Wir hören hier auf“, sagte die dänische Fußball-Legende Michael Laudrup und meinte damit die Uefa. Hjulmand bekräftigte das unmissverständlich: „Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass wir wieder auf dem Plätz hätten sein sollen.“

Die Uefa verweist auf ihre Statuten, hat aber das Problem, dass der Umgang mit medizinischen Notfällen darin nicht geregelt wird. Nach Angaben des dänischen Trainers gab es für beide Teams genau zwei Alternativen: Noch am Abend weiterzuspielen oder dies am Sonntagmittag zu tun. Beide Mannschaften hätten sich für die erste Variante entschieden. Weil sie es, wie Hjulmand sagte, einfach hinter sich bringen wollten und das am Tag nach diesem Drama noch viel schwieriger geworden wäre. Und weil Eriksen selbst, wie mehrere Spieler erklärten, das so gewollt hatte.

Die dänischen Fans sind geschockt, als Christian Eriksen auf dem Feld zusammenbricht und wiederbelebt werden muss.
Die dänischen Fans sind geschockt, als Christian Eriksen auf dem Feld zusammenbricht und wiederbelebt werden muss. © AP Pool

Das zeigt, dass der 29-Jährige noch im Stadion wieder zu Bewusstsein gelangte. „Er konnte mit mir sprechen, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde“, bestätigte der dänische Teamarzt Morten Boesen bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Am Sonntag schilderte der Mediziner noch einmal die dramatischen Ereignisse nach dem Zusammenbruch in der 43. Spielminute, als Eriksen einen Einwurf zugeworfen bekam und auf einmal kollabierte.

„Er war schon weg. Es war ein Herzstillstand“, sagte Boesen und verwies dabei auf Herzspezialisten. „Wir haben ihn mit einem Defibrillator-Einsatz zurückbekommen. Und das relativ schnell.“ Wie schnell sich Eriksen von diesem Zusammenbruch erholt, ist noch unklar. Es gibt ein paar Anzeichen der Hoffnung, wie die Aussagen von Geschäftsführers Beppe Marotta von Inter Mailand: „Das Schöne ist, dass er eine Nachricht in unseren internen Inter-Chat geschickt hat. Er hat die Mannschaft beruhigt und gesagt, dass er bald zurück sein wird.“ Mit dem Coronavirus hat sich Eriksen nach Inter-Angaben nicht infiziert.

Bei aller Tragik zeigte dieses Drama auch, welche Kraft der Fußball in solchen Momenten entfalten kann. Vereine und Spieler nahmen weltweit großen Anteil an Eriksens Zustand. Sie schickten Gebete oder Genesungswünsche über die sozialen Netzwerke. Auch die deutschen Nationalspieler waren nach Angaben ihres Teamarztes Tim Meyer „sichtlich geschockt. Es gab eine Menge Gespräche“, sagte er.

Im Stadion selbst erzeugten dänische und finnische Fans während der Unterbrechung eine Atmosphäre der Empathie. Minutenlang riefen die Finnen „Christian“. Und die Dänen riefen: „Eriksen“. Die Zeitung Ekstra Bladet fasste diesen Abend treffend zusammen: „Dänemark verliert. Aber das Leben hat gewonnen.“

Eriksen erhält über soziale Netzwerke viel Zuspruch

In den sozialen Medien drückten Fußballstars weltweit ihre Anteilnahme aus. "Geschockt. Wir sind alle bei dir, Christian Eriksen. Sei bitte ok", schrieb etwa Weltmeister Mesut Özil und Marco Reus twitterte: "Werd schnell wieder gesund @ChrisEriksen8." Reus' Dortmunder Teamkollege Jadon Sancho schrieb: "Meine Gebete gehen an Dänemark." Auch die deutsche Nationalmannschaft wünschte aus ihrem EM-Quartier gute Besserung.

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