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Sensation in Essen - und fast in Dortmund

Nach den Bayern scheitert auch Mitfavorit Leverkusen früh im Pokal. Dagegen zieht Holstein Kiel wie Werder Bremen ins Viertelfinale. Der BVB muss zittern.

Simon Engelmann von Essen jubelt nach seinem 2:1.
Simon Engelmann von Essen jubelt nach seinem 2:1. © AP/dpa

Essen. Rot-Weiss Essens Pokalhelden aus der Regionalliga warfen sich auf den völlig ramponierten Rasen. Trainer Christian Neidhart schrie sein Glück in den Nachthimmel. In einer dramatischen Partie mit späten Treffern hat der klassentiefste Club den großen Favoriten Bayer Leverkusen im Achtelfinale aus dem Wettbewerb geworfen. Durch das 2:1 (0:0, 0:0) nach Verlängerung am Dienstagabend steht RWE erstmals seit 27 Jahren in der Runde der letzten Acht.

"Was wir als Mannschaft geleistet haben, wirklich unfassbar", sagte der überragende Essener Torwart Daniel Davari bei Sky den Freudentränen nahe. "Wenn du 0:1 zurückliegst und dann so zurückkommst - das kann ich gar nicht in Worte fassen. Ich freue mich so sehr." Der Keeper fragte: "Was sind wir gerade? Viertelfinale? Da müssen wir feiern. Zwei Wochen bin ich nicht mehr ansprechbar jetzt."

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Leon Bailey (105.) traf zwar zunächst für Bayer, doch Oguzhan Kefkir (108.) und Simon Engelmann (118.) sorgten dafür, dass Essen auch im 33. Pflichtspiel innerhalb eines Jahres ungeschlagen blieb. Der Engelmann-Treffer wurde lange überprüft - zählte aber doch. Zuvor hatte der Traditionsverein und Cup-Sieger von 1953 Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf ausgeschaltet.

Die blamierten Leverkusener stecken hingegen nach zuvor nur vier Punkten aus sechs Bundesliga-Partien in einer echten Krise. "Das ist eine bittere Niederlage und ein Scheiß-Gefühl, aber es muss weiter gehen", sagte Torwart Lukas Hradecky. "Nach dem 1:0 dachten wir vielleicht schon, dass es vorbei war. Das war der größte Fehler. Jeder steckt da mit drin. Das darf uns nicht passieren."

Holstein Kiel trotz Hauptmann-Fehlversuch weiter

Auch Bayern-Bezwinger Holstein Kiel steht im Viertelfinale des DFB-Pokals - nach einem erneuten Elfmeter-Krimi. 20 Tage nach dem Coup gegen den Pokal-Verteidiger aus München setzten sich die "Störche" im Entscheidungsschießen 7:6 (1:1, 0:0) gegen den Zweitliga-Konkurrenten Darmstadt 98 durch. Simon Lorenz verwandelte den entscheidenden Elfmeter, nachdem der frühere Dynamo-Profi Niklas Hauptmann eine etwas frühere Entscheidung vergeben hatte.

In der regulären Spielzeit trafen Janni Serra (58.) für Kiel und Serdar Dursun (86.) für Darmstadt. Zum letzten Mal hatten die Kieler zuvor 2012 unter den besten acht Mannschaften gestanden.

Werder zum vierten Mal in Folge im Viertelfinale

Kurz gezittert, am Ende souverän: Werder Bremen hat zum vierten Mal in Serie das Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht. Der Fußball-Bundesligist gewann am Dienstagabend gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth mit 2:0 (1:0) und tankte mit dem Erfolg auch Selbstvertrauen für den Kampf gegen den Abstieg in der Ersten Liga. Im eiskalten und verregneten Weserstadion erzielten Kevin Möhwald (12. Minute) und Felix Agu (73.) die Treffer für die Grün-Weißen.

"Das war ein hochverdienter Sieg", sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Seine Mannschaft sei von Beginn an hochkonzentriert gewesen. "Das einzige Manko ist, dass wir heute sehr viele Tore mehr hätten schießen können. So kann ein Spiel immer noch kippen, aber am Ende war es ein sehr souveräner Sieg."

Das Weiterkommen ist für die Bremer auch aus finanzieller Sicht von großer Bedeutung. Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie haben riesige Lücken in die Kassen der Norddeutschen gerissen. Und da der Klub in der am Montag zu Ende gegangenen Transferperiode keine Einnahmen durch Transfers mehr erlösen konnte, helfen die Pokal-Einnahmen auf jeden Fall weiter.

Dortmund muss fünf Minuten auf Tor-Anerkennung warten

Dagegen hat sich Borussia Dortmund ins Viertelfinale gezittert und den Achtelfinal-Fluch mit großer Mühe vertrieben. Nach zuvor drei Knockouts im Kreis der letzten 16 Teams gelang dem Revierclub mit dem hart erkämpften 3:2 (2:2, 2:0) nach Verlängerung über den Fußball-Zweitligisten SC Paderborn diesmal der Sprung in die nächste Pokal-Runde. Damit wahrte der BVB die wohl letzte Chance auf einen nationalen Titel, doch die Vorstellung gegen den kessen Außenseiter war alles andere als titelreif.

"Wir haben schnell zwei Tore gemacht und dann wird es ein Pokalspiel, wo alles passieren kann. Ich hoffe, dass es für die Zuschauer ein geiler Pokal-Abend war. Für uns war es hart", sagte Dortmunds Thomas Delaney in der ARD. In der Tat erlebte der BVB wie schon beim 3:3 im Bundesliga-Duell an gleicher Stätte vor rund 15 Monaten einen unangenehmen Abend.

Erling Haaland bescherte dem BVB im leeren Dortmunder Stadion mit seinem Tor in der 95. Minute das Weiterkommen und wendete damit eine weitere Enttäuschung der in der Meisterschaft abgeschlagenen Schwarz-Gelben in dieser Saison ab. Vorausgegangen war ein fast fünfminütiges Video-Studium, ob der Norweger zuvor im Abseits stand.

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Dabei hätte sich der BVB ein derart nervenaufreibendes Spiel nach frühen Toren von Emre Can (6. Minute) und Jadon Sancho (16.) ersparen können. Doch Julian Justvan (79.) und das späte Elfmeter-Tor von Prince Owusu (90.+7) brachten die Ostwestfalen zurück ins Spiel. Anders als noch beim Pokal-Coup gegen das klassenhöhere Team von Union Berlin (3:2) Ende Dezember wurden die Paderborner für ihren Mut diesmal aber nicht belohnt. (dpa)

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